Dem deut­schen Wald wird es zu warm

Bramscher Nachrichten - - EINBLICKE - Von Clau­dia Ro­metsch

epd BONN. Im En­nert scheint das Kli­ma noch in Ord­nung zu sein. In dem Wald, nur sie­ben Ki­lo­me­ter vom Bon­ner Ta­gungs­ort der Welt­kli­ma­kon­fe­renz ent­fernt, lau­fen Jog­ger und Spa­zier­gän­ger über den feuch­ten Bo­den und at­men die küh­le Herbst­luft, die nach Laub duf­tet. Was vie­le nicht ah­nen: „Zu­neh­men­de Wär­me und Tro­cken­heit sind hier ein Pro­blem“, er­klärt Förs­ter Tho­mas-Hans Deckert vom Re­gio­nal­forst­amt Rhein-Sieg-Erft.

Der Tem­pe­ra­tur­an­stieg von et­wa 1,1 Grad seit Be­ginn der Wet­ter­auf­zeich­nun­gen in Nord­rhein-West­fa­len hö­re sich zwar nicht dra­ma­tisch an. Aber die Fol­gen sei­en zu se­hen, sagt Deckert und zeigt auf ei­ne Lü­cke im Wald. Ein paar Baum­stümp­fe sind dort zu se­hen in­mit­ten jun­ger, dün­ner Bäum­chen. Frü­her stan­den dort Fich­ten. 2007 knick­te der Or­kan Ky­rill die Bäu­me um.

„Die Fich­te ist die vom Kli­ma­wan­del am stärks­ten be­trof­fe­ne Baum­art“, er­klärt Andre­as Wie­be, Lei­ter des Lan­des­be­triebs Wald und Holz NRW. Die Bäu­me, die nur fla­che Wur­zeln ent­wi­ckel­ten, lit­ten un­ter den tro­cke­ne­ren, wär­me­ren Som­mern. Oft sei­en sie da­durch ge­schwächt und an­fäl­li­ger für Schäd­lin­ge. Kom­me dann noch ein Sturm hin­zu, fie­len sie um.

Baum-Mix not­wen­dig

Doch aus­ge­rech­net die kli­ma­sen­si­ble Fich­te ist die häu­figs­te Baum­art in deut­schen Wäl­dern. Sie wächst auf ei­nem Vier­tel der Wald­flä­che. Ins­ge­samt be­steht mehr als die Hälf­te des deut­schen Wal­des aus Na­del­bäu­men, die je­doch viel emp­find­li­cher auf die Kli­ma­än­de­run­gen re­agie­ren als Laub­bäu­me.

„Um die Wäl­der in Deutsch­land bes­ser ge­gen die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels wie häu­fi­ge Tro­cken­pe­ri­oden, Stark­re­gen und Stür­me zu wapp­nen, brau­chen wir drin­gend mehr ar­ten­rei­che Laub­misch­wäl­der an­stel­le von Mo­no­kul­tu­ren aus Fich­te oder Kie­fer“, for­dert Nicola Uh­de, Wald­ex­per­tin des Bun­des für Um­welt und Na­tur­schutz Deutsch­land (BUND). Nicht über­all ha­be sich die­se Er­kennt­nis schon durch­ge­setzt.

An­stel­le der Na­del­bäu­me wer­den nun vor al­lem Bu­chen, aber zum Bei­spiel auch Ahor­ne oder Ei­chen ge­pflanzt. Die­se Bäu­me wach­sen lang­sa­mer, kom­men aber bes­ser mit dem tro­cke­ne­ren und wär­me­ren Kli­ma zu­recht, un­ter an­de­rem we­gen ih­rer tie­fen Wur­zeln. Al­ler­dings ist es selbst für Ex­per­ten schwie­rig vor­her­zu­sa­gen, wie ein ide­al an den Kli­ma­wan­del an­ge­pass­ter Wald aus­se­hen soll­te. Die Förs­ter im En­nert ha­ben das durch Or­kan Ky­rill be­schä­dig­te Wald­stück nicht wie­der auf­ge­fors­tet. Jetzt be­ob­ach­ten sie, wel­che Bäu­me sich hier von al­lei­ne durch­set­zen.

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