Mer­kel glaubt an Gro­ße Ko­ali­ti­on

SPD for­dert wei­ter Rück­tritt des Ver­fas­sungs­schutz­chefs / Neue Zwei­fel an Maa­ßen

Bramscher Nachrichten - - VORDERSEITE - Ka­ta­ri­na Bar­ley trim, ten, dpa/Sei­te 4

Platzt die Gro­ße Ko­ali­ti­on we­gen ei­nes Kon­flikts um den Chef des Ver­fas­sungs­schut­zes? Die Kanz­le­rin be­ru­higt. Aber es gibt neue Fra­gen.

BER­LIN/VIL­NI­US Wie lan­ge wird die Gro­ße Ko­ali­ti­on noch hal­ten? Da­zu hat sich nun die Bun­des­kanz­le­rin zu Wort ge­mel­det. An­ge­la Mer­kel (CDU) zeig­te sich fest da­von über­zeugt, dass das Re­gie­rungs­bünd­nis nicht am Kon­flikt um Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen zer­bre­chen wird.

„So wich­tig die Po­si­ti­on des Prä­si­den­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­schut­zes auch ist, so klar ist auch, dass die Ko­ali­ti­on an der Fra­ge des Prä­si­den­ten ei­ner nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­de nicht zer­bre­chen wird“, sag­te Mer­kel ges­tern nach ei­nem Tref­fen mit ih­ren drei bal­ti­schen Amts­kol­le­gen in Vil­ni­us. Die SPD, die Maa­ßens Eig­nung im Kampf ge­gen Rechts­ex­tre­mis­mus an­zwei­felt, pocht auf sei­ne Ab­lö­sung – an­dern­falls könn­te die Ko­ali­ti­on auf dem Spiel ste­hen.

Auch Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley von der SPD glaubt an den Be­stand der Groko. Bar­ley sag­te in ei­nem

In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on: „Die SPD nimmt ih­re Ver­ant­wor­tung in die­ser Re­gie­rung sehr ernst. Das er­war­te ich auch von den an­de­ren be­tei­lig­ten Par­tei­en.“Deutsch­land sei in ei­ner schwie­ri­gen in­nen­po­li­ti­schen Si­tua­ti­on. „Um­so wich­ti­ger ist ei­ne ge­schlos­se­ne und star­ke Re­gie­rung. In den letz­ten Wo­chen ha­ben CDU und CSU viel Ener­gie in in­ner­par­tei­li­che

Kon­flik­te ge­steckt.“

Die Par­tei­chefs set­zen ih­re Ge­sprä­che am Di­ens­tag fort. Ei­ne Ei­ni­gung ist schwie­rig, da Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) als Di­enst­herr Maa­ßens die­sem trotz des­sen um­strit­te­ner Aus­sa­gen zu aus­län­der­feind­li­chen Vor­fäl­len in Chem­nitz wie­der­holt das Ver­trau­en aus­ge­spro­chen hat.

Jus­tiz­mi­nis­te­rin Bar­ley er­war­tet kon­se­quen­tes Vor­ge­hen ge­gen je­ne, die bei den rechts­ra­di­ka­len Aus­schrei­tun­gen in Chem­nitz den Hit­ler­gruß ge­zeigt ha­ben. Nach den jüngs­ten De­bat­ten hat die Uni­on ei­ner neu­en Um­fra­ge zu­fol­ge an Zu­stim­mung ver­lo­ren und liegt nur noch bei 30 Pro­zent.

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tär Lars Kling­beil warf Mer­kel Füh­rungs­schwä­che vor. „Es hat Bun­des­kanz­ler vor Frau Mer­kel ge­ge­ben, die es sich nicht hät­ten ge­fal­len las­sen, von ei­nem Be­hör­den­chef in die­ser Art vor­ge­führt zu wer­den“, sag­te er der „Saar­brü­cker Zei­tung“. Maa­ßen hat­te Mer­kel und ih­rem Spre­cher wi­der­spro­chen, wo­nach es nach der Tö­tung ei­nes Deut­schen in Chem­nitz Hetz­jag­den auf Aus­län­der ge­ge­ben ha­be.

Ex-SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el for­der­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter See­ho­fer auf, sich rasch von Maa­ßen zu tren­nen. „Tut er das nicht, steht mehr auf dem Spiel als sein ei­ge­ner Mi­nis­ter­pos­ten“, sag­te Ga­b­ri­el dem „Spie­gel“. „Dann geht es um die Re­gie­rung als Gan­zes.“

Zu­dem gibt es neue Vor­wür­fe ge­gen Maa­ßen nach der An­hö­rung ei­ner Ver­fas­sungs­schüt­ze­rin im Bun­des­tags­un­ter­su­chungs­aus­schuss. Lin­ke und Grü­ne sind über­zeugt, dass Maa­ßen nach dem An­schlag des Is­la­mis­ten Anis Am­ri auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt 2016 die Öf­fent­lich­keit über die Rol­le des Ver­fas­sungs­schut­zes täusch­te.

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