Schwei­ne­pest steht „vor der Haus­tür“

Nie­der­sach­sen be­rei­tet sich auf ASP-Aus­bruch vor

Bramscher Nachrichten - - NORDWEST - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Die Afri­ka­ni­sche Schwei­ne­pest macht ei­nen Rie­sen­sprung Rich­tung Nie­der­sach­sen. Die Po­li­tik in Deutsch­lands Schwei­ne­land Num­mer 1 ist alar­miert – und strei­tet um die rich­ti­ge Stra­te­gie.

HAN­NO­VER Der Fund zwei­er Wild­schwein­ka­da­ver in der süd­bel­gi­schen Ge­mein­de Étal­le sorgt in Nie­der­sach­sen für Auf­re­gung: Ges­tern Mor­gen in­for­mier­te Agrar­mi­nis­te­rin Barbara Ot­te-Ki­nast (CDU) den Land­tag, dass bei den to­ten Tie­ren die Afri­ka­ni­sche Schwei­ne­pest (ASP) nach­ge­wie­sen wur­de. Da­mit ha­be das Vi­rus ei­nen „sehr gro­ßen, über­ra­schen­den und be­un­ru­hi­gen­den Sprung nach Wes­ten ge­macht“, sag­te Ot­te-Ki­nast. „Wir ha­ben es mit ei­ner hand­fes­ten Be­dro­hung vor der Haus­tür zu tun“, be­ton­te sie. Bis­her war das Vi­rus vor al­lem in Ost­eu­ro­pa nach­ge­wie­sen wor­den – mit Étal­le taucht es nun nur et­wa 60 Ki­lo­me­ter west­lich der deut­schen Gren­ze ent­fernt auf.

Wie das Vi­rus da­hin­ge­lan­gen konn­te, ist noch of­fen. Das Land geht aber nicht von ei­ner An­ste­ckung über Wild­schwei­ne aus. Statt­des­sen hat sie den Men­schen als Ver­brei­ter im Ver­dacht, zum Bei­spiel durch ein an ei­ner Fern­stra­ße weg­ge­wor­fe­nes in­fi­zier­tes Wurst­brot, wel­ches von Schwei­nen ge­fres­sen wird. „Die ASP wird nicht auf vier Bei­nen, son­dern auf vier Rei­fen kom­men“, sag­te der CDU-Ab­ge­ord­ne­te und Lan­des­jagd­prä­si­dent Hel­mut Dam­mann-Tam­ke.

Nie­der­sach­sen ist alar­miert, denn ein Aus­bruch hier­zu­lan­de oder gar ein Über­grei­fen auf Nutz­tie­re könn­te gra­vie­ren­de Fol­gen ha­ben: Nie­der­sach­sen ist Deutsch­lands Schwei­ne­hoch­burg: Das Bun­des­land zähl­te im Mai rund 5700 Be­trie­be mit 8,5 Mil­lio­nen Nutz­tie­ren, die Ver­kaufs­er­lö­se la­gen 2016 bei rund 24 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Zwar ist das Vi­rus für den Men­schen un­ge­fähr­lich. Doch selbst oh­ne ein Über­sprin­gen auf Mast­schwei­ne dro­hen den Be­trie­ben in Sperr­zo­nen ho­he wirt­schaft­li­che Schä­den.

Das Land ruft Land­wir­te und Fern­rei­sen­de zu er­höh­ter Hy­gie­ne auf. Zu­dem will die Re­gie­rung die Wild­schwein­jagd wei­ter aus­wei­ten und das Jagd­ge­setz noch im Ok­to­ber ver­schär­fen. Au­ßer­dem plant das Mi­nis­te­ri­um den Kauf von Wild­sam­mel­be­häl­tern, Zäu­nen so­wie Si­cher­heits­über­prü­fun­gen an Au­to­bahn­rast­stät­ten.

Kri­tik von den Grü­nen

Die Grü­nen wer­fen der Lan­des­re­gie­rung fal­sche Schwer­punk­te bei der Seu­chen­be­kämp­fung vor. Die „ein­sei­ti­ge Fo­kus­sie­rung auf die Aus­brei­tung über Wild­schwei­ne“sei falsch, sag­te die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mi­ri­am Staud­te. Statt­des­sen müss­ten Tier­trans­por­te als mög­li­che Über­tra­gungs­we­ge im Mit­tel­punkt ste­hen. Die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin kri­ti­sier­te, die Ex­port­ori­en­tie­rung der Bran­che stei­ge­re die wirt­schaft­li­chen Ri­si­ken.

Da­mit ern­te­te Staud­te brei­ten Wi­der­spruch: Ka­rin Lo­ge­mann von der SPD er­klär­te, Nie­der­sach­sen sei gut vor­be­rei­tet, Her­mann Gru­pe von der FDP warf Staud­te vor, Fleisch-Ex­por­te aus „al­ter Ideo­lo­gie“schlecht­zu­re­den.

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