Tausch­bör­se soll Iran-Ge­schäf­te ret­ten

Clea­ring-Stel­le zur Um­ge­hung von US-Sank­tio­nen im Ge­spräch

Bramscher Nachrichten - - WIRTSCHAFT - Von Tho­mas Lud­wig Fo­to: dpa/Abedin Taherkenareh

Der Deut­sche In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer­tag be­grüßt die mög­li­che Ein­rich­tung ei­ner eu­ro­päi­schen Fi­nanz­in­sti­tu­ti­on, um US-Sank­tio­nen ge­gen den Iran zu um­ge­hen.

OS­NA­BRÜCK „Ei­ne Tausch­bör­se könn­te ein In­stru­ment sein, die Schwie­rig­kei­ten in den Griff zu be­kom­men“, sag­te DIHK-Au­ßen­wirt­schafts­chef Vol­ker Trei­er un­se­rer Re­dak­ti­on. Schließ­lich sei die Zah­lungs­ab­wick­lung der größ­te Hemm­schuh für ein funk­tio­nie­ren­des Iran-Ge­schäft. „Hier be­steht drin­gen­der Hand­lungs­be­darf“, be­ton­te Trei­er. Der Teu­fel ste­cke aber im De­tail: „Denn es soll­te ein aus­ge­gli­che­ner Sal­do zwi­schen den ge­tausch­ten Gü­tern ste­hen, da­mit deut­sche Un­ter­neh­men am En­de für ih­re Leis­tun­gen be­zahlt wer­den.“

Wäh­rend die EU-Staa­ten im ers­ten Halb­jahr 2018 Wa­ren im Wert von sechs Mil­li­ar­den Eu­ro in den Iran ex­por­tier­ten, be­tru­gen die Im­por­te aus dem Iran in die EU le­dig­lich 4,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. „Um­so wich­ti­ger ist es jetzt, zü­gig die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung mit der Wirt­schaft zu be­spre­chen“, for­der­te Trei­er.

Hin­ter­grund für die Pla­nun­gen ist die ver­schärf­te Sank­ti­ons­po­li­tik der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Trotz mas­si­ver Kri­tik vor al­lem aus Eu­ro­pa hat­te US-Prä­si­dent Do­nald Trump im Mai das Atom­ab­kom­men mit dem Iran ge­kün­digt und die Wiedereinführung von Wirt­schafts­sank­tio­nen ge­gen Te­he­ran an­ge­kün­digt – ver­bun­den mit der Dro­hung: „Wer mit Iran Ge­schäf­te macht, wird kei­ne Ge­schäf­te mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ma­chen.“Seit­dem sind die deut­schen Aus­fuh­ren in den Iran laut DIHK um 18 Pro­zent ge­sun­ken.

„Zwi­schen­zeit­lich hat­ten mehr als 100 deut­sche Un­ter­neh­men Re­prä­sen­tan­zen im

Iran er­öff­net, vie­le sind be­reits wie­der ge­schlos­sen“, sag­te der Au­ßen­han­dels­ex­per­te. Denn Fir­men und Ban­ken, die Ge­schäf­te im Iran ma­chen oder sol­che ab­wi­ckeln, müs­sen da­mit rech­nen, selbst Ziel der US-Sank­tio­nen zu wer­den.

Zu­erst hat­te das „Han­dels­blatt“über die mög­li­che Clea­ring-Stel­le zur Auf­recht­er­hal­tung der Ge­schäfts­be­zie­hun­gen be­rich­tet. Dem­nach wür­de

die In­sti­tu­ti­on wie ei­ne Art Tausch­bör­se funk­tio­nie­ren, in der fi­nan­zi­el­le An­sprü­che von ira­ni­schen und eu­ro­päi­schen Un­ter­neh­men ge­gen­ein­an­der ver­rech­net wür­den. Sinn wä­re es, Ge­schäf­te ab­seits der üb­li­chen Bank­trans­ak­tio­nen ab­zu­wi­ckeln.

Wenn et­wa der Iran Öl nach Spa­ni­en lie­fe­re und ein deut­scher Ma­schi­nen­bau­er ei­ne Fa­b­rik in Te­he­ran aus­stat­te,

kön­ne das Geld, das aus Spa­ni­en an den Iran flie­ßen müss­te, ver­wen­det wer­den, um die Rech­nung des deut­schen Ma­schi­nen­bau­ers zu be­glei­chen.

Schon im No­vem­ber droht ei­ne wei­te­re Ver­schär­fung der US-Sank­tio­nen. Kon­zer­ne wie Daim­ler, Sie­mens und die Deut­sche Bahn ha­ben ihr En­ga­ge­ment im Iran be­reits ge­dros­selt oder ein­ge­fro­ren aus Angst vor Nach­tei­len auf dem ame­ri­ka­ni­schen Markt.

„Die Bun­des­re­gie­rung ar­bei­tet mit dem Eu­ro­päi­schen Aus­wär­ti­gen Di­enst und der EU-Kom­mis­si­on so­wie Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en dar­an, un­ab­hän­gi­ge Zah­lungs­ka­nä­le nach Iran auf­recht­zu­er­hal­ten“, hieß es auf An­fra­ge aus dem Aus­wär­ti­gen Amt. Die Be­ra­tun­gen sei­en „in­ten­siv und dau­ern an“.

Wäh­rend die EU-Staa­ten im ers­ten Halb­jahr 2018 Wa­ren im Wert von sechs Mil­li­ar­den Eu­ro in den Iran ex­por­tier­ten, be­tru­gen die Im­por­te aus dem Iran in die EU le­dig­lich 4,5 Mil­li­ar­den Eu­ro.

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