Ge­org Lech­ner Der Mann, der im Mu­se­um lebt

Stuck in mo­der­nen Häu­sern

Bramscher Nachrichten - - VORDERSEITE - Von Kat­ja Fi­scher dpa/tmn

Stuck ist Jahr­hun­der­te al­ter Ge­bäu­de­schmuck. Und meist sehr opulent. Heu­te wird schlich­ter, nüch­ter­ner, ge­rad­li­ni­ger ge­baut. Ist da über­haupt noch Platz für die For­men aus Mör­tel? Durch­aus.

BER­LIN Man­che wol­len un­be­dingt ei­ne Woh­nung im Alt­bau mit Stuck. Für an­de­re ist das der In­be­griff von Spie­ßig­keit und Jahr­hun­der­te al­tem Staub. Zwar ist Stuck ei­gent­lich ein Schmuck aus den Bausti­len der Re­nais­sance, des Ba­rocks und des Ju­gend­stils und wird vor al­lem mit Ro­set­ten, Or­na­men­ten und nack­ten Ma­tro­nen ver­bun­den. Aber er wird heu­te noch im­mer ver­baut.

Stuck ist näm­lich ein­fach nur die Be­zeich­nung für die plas­ti­sche Gestal­tung von Mör­tel auf und in Bau­wer­ken. „Es ent­steht al­so im­mer ei­ne Form, die aber nicht un­be­dingt ei­ne Put­te oder ein Or­na­ment sein muss“, er­klärt Mar­kus Wei­ßert vom Fach­ver­band der Stucka­teu­re für Aus­bau und Fas­sa­de Bau­ern-Würt­tem­berg.

Zwar wird Stuck oft als Schmuck­form zur re­prä­sen­ta­ti­ven Gestal­tung von Räu­men oder Fas­sa­den ge­nutzt, aber auch in mo­der­nen Zweck­for­men. Ty­pisch da­für sind et­wa Leis­ten an der Wand oder un­ter der De­cke, in de­nen Be­leuch­tung oder Hei­zungs- und Lüf­tungs­an­la­gen ver­senkt wer­den.

Nicht im­mer ver­spielt

„Stuck war und ist ein Gestal­tungs­ele­ment, das auch zu­sätz­li­che Funk­tio­nen hat­te, zum Bei­spiel für die Re­du­zie­rung von Wär­me­brü­cken“, er­gänzt Wei­ßert. „Ein Stuck­pro­fil als Hohl­keh­le von 10 bis 15 Zen­ti­me­tern Hö­he un­ter der De­cke an­ge­bracht ver­rin­gert Tem­pe­ra­tur­dif­fe­ren­zen an Kan­ten und Ecken.“Da­her ist es auch heu­te noch in Neu­bau­ten ein The­ma bei der In­nen­raum­ge­stal­tung. Da­bei muss Stuck na­tür­lich nicht ver­spielt ge­stal­tet sein. Kla­re For­men pas­sen bes­ser zur mo­der­nen Ar­chi­tek­tur.

Meist be­geg­nen uns Stu­ck­ele­men­te je­doch in äl­te­ren Häu­sern. „Der Stuck gibt den Räu­men das ge­wis­se Et­was. Die meis­ten Be­woh­ner freu­en sich dar­über und wol­len ihn er­hal­ten“, be­rich­tet Swen Au­ers­wald vom Bun­des­ver­band der Gips­in­dus­trie in Ber­lin. Das ist al­ler­dings nicht ganz ein­fach, wenn Stu­ck­ele­men­te be­schä­digt oder mehr­fach über­stri­chen sind. „Sol­che Tei­le wie­der in den Ori­gi­nal­zu­stand zu brin­gen, ist schon sehr auf­wen­dig“, sagt Au­ers­wald. Für den Pro­fi ist da­her klar: Heim­wer­ker soll­ten sich oh­ne spe­zi­el­les Trai­ning lie­ber nicht an die Her­stel­lung und Re­pa­ra­tur von Stuck wa­gen.

Das sieht auch Ro­bert Rasch­ke-Kre­mer so. Er ist Trai­ner für Heim­wer­ker an der DIY Aca­de­my in Köln. „Klas­si­sche Stuck­ar­bei­ten sind gro­ße Hand­werks­kunst. Man muss nicht nur die For­men gie­ßen, stamp­fen und zie­hen kön­nen, son­dern sich auch mit den Ma­te­ria­li­en aus­ken­nen“, er­läu­tert Rasch­ke-Kre­mer. „Da­zu ist viel Er­fah­rung nö­tig, die kaum ein Heim­wer­ker hat. Al­so bes­ser den Fach­mann fra­gen.“

Ei­ne mach­ba­re Al­ter­na­ti­ve für den Heim­wer­ker, wenn man schmü­cken­de Ele­men­te neu an­brin­gen will, könn­ten sei­ner An­sicht nach vor­ge­fer­tig­te De­ko­re aus dem Fach­han­del sein. „Es gibt ei­ne gro­ße Aus­wahl an Leis­ten und Or­na­men­ten aus Schaum­stoff, die ein­fach an­ge­klebt und dann mit der pas­sen­den Wand- oder De­cken­far­be an­ge­stri­chen wer­den.“Hier muss man auf den rich­ti­gen Kle­ber ach­ten. „Es muss Mon­ta­ge­kle­ber für Po­ly­sty­rol sein. Nimmt man den fal­schen Kle­ber, fal­len die Kunst­stof­fele­men­te wie­der ab.“

Laut Wei­ßert kön­nen al­ler­dings vor­han­de­ne Stuck­pro­fi­le mit Zie­r­ele­men­ten aus Kunst­stoff nicht re­pa­riert oder er­gänzt wer­den. „In den meis­ten Fäl­len kann der ur­sprüng­lich vor­han­de­ne Stuck nicht nach­ge­bil­det wer­den, denn die Kunst­stof­fele­men­te ha­ben ei­ne an­de­re Pro­fi­lie­rung und an­de­re Ab­mes­sun­gen“, er­klärt er. Er ver­weist da­her auf pas­sen­de For­men aus Stuck, die im Fach­han­del er­hält­lich sind oder nach in­di­vi­du­el­len Wün­schen ge­fer­tigt wer­den.

Ge­schick ist von­nö­ten

Ris­se oder Ab­plat­zun­gen las­sen sich mit spe­zi­el­lem Stuck­gips re­pa­rie­ren. „Der hat aber sei­ne Tü­cken und ver­hält sich an­ders als nor­ma­ler Gips, vor al­lem was das Ab­bin­de­ver­hal­ten an­geht“, warnt Wei­ßert. Er rät, hier erst ein­mal zu üben, be­vor man sich an den Stuck an der Wand macht. Dort kön­nen dann spä­ter Ris­se vor­sich­tig aus­ge­spach­telt und mit Gips wie­der über­spach­telt wer­den. Ab­plat­zun­gen wer­den mit Stuck­gips er­gänzt, oder die be­ste­hen­den Ele­men­te wer­den hin­ter­spritzt. „Das sind al­les fi­li­gra­ne Ar­bei­ten, die ei­ni­ges Ge­schick er­for­dern.“

Selbst das Ent­fer­nen der Far­be von zu oft über­stri­che­nen Stu­ck­ele­men­ten ist ei­ne kniff­li­ge und vor al­lem schmut­zi­ge An­ge­le­gen­heit – die et­wa Mie­ter bei der Übernahme ei­ner Woh­nung trifft. „Frü­her wur­de viel mit Kal­kund Leim­far­be ge­ar­bei­tet“, er­klärt Au­ers­wald. Das fin­det man her­aus, in­dem man zur Pro­be mit dem nas­sen Fin­ger oder Schwamm über die Ober­flä­che wischt.

Neh­men sie Far­be auf, ist der Wand­be­lag was­ser­lös­lich. „Dann kann man sie nach und nach von den Stu­ck­ele­men­ten ab­wa­schen“, er­klärt Au­ers­wald. „Das ist al­ler­dings sehr lang­wie­rig, weil mehr­fach fri­sches Was­ser auf­ge­tra­gen und mit ei­nem Schwamm vor­sich­tig ab­ge­zo­gen wer­den muss.“

Leim­far­be in den Tie­fen der Stuck­de­tails muss man mit Spach­tel, Skal­pell oder Bürs­ten ent­fer­nen - eben­falls ei­ne an­spruchs­vol­le Ar­beit. Löst sich die Far­be nicht durch Was­ser ab, han­delt es sich um Dis­per­si­ons- oder Acryl­far­be, die ab­ge­beizt wer­den muss.

Fo­to: Chris­tin Klo­se/dpa-tmn

Ei­ne Al­ter­na­ti­ve für den Heim­wer­ker zu ech­ten Stu­ck­ele­men­ten sind vor­ge­fer­tig­te Leis­ten und Or­na­men­te aus Schaum­stoff.

Fo­to: Ni­co­las Ar­mer/dpa-tmn

Meist fin­det man in äl­te­ren Häu­sern noch schö­ne Stu­ck­ele­men­te. Die Au­f­ar­bei­tung soll­te man al­ler­dings Pro­fis über­las­sen.

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