Alex kämpf­te jah­re­lang ge­gen ei­ne Ess­stö­rung. In BRA­VO GiRL! er­zählt sie, wie es ihr heu­te geht

Jah­re­lang kämpf­te Alex ( 1,81 Me­ter) ge­gen ih­re Ess­stö­rung, ­Selbst­zwei­fel und De­pres­sio­nen an. Nach ei­ner lan­gen Ther apie geht es der 19- jäh­ri­gen Abitu­ri­en­tin heu­te so gut wie nie …

Bravo Girl! - - INHALT - text: Ste­fan We­ber

Nach­denk­lich blickt Alex auf ein Fo­to. Dar­auf ist ein bis auf die Kno­chen ab­ge­ma­ger­tes Mäd­chen zu se­hen. „Un­glaub­lich, wie ich vor zwei Jah­ren aus­sah!“Die hüb­sche Abitu­ri­en­tin aus Nord­rhein-West­fa­len schüt­telt un­gläu­big den Kopf. „Ich wog nur noch 46 Ki­lo – bei ei­ner Kör­per­grö­ße von 1,81 Me­ter!“Zwei­ein­halb Jah­re ist das Schock-Bild alt. Da­mals wur­de bei ihr Ma­ger­sucht (Fach­aus­druck: Anor­exia ner­vo­sa) dia­gnos­ti­ziert. Ei­ne Ess­stö­rung mit schwer­wie­gen­den Fol­gen: „Mei­ne Re­gel blieb aus. Ich hat­te Haar­aus­fall auf dem Kopf, brü­chi­ge Fin­ger­nä­gel und Kreis­lauf­be­schwer­den. Ich fühl­te mich schlapp und hat­te auf nichts mehr Lust.“Dra­ma­tisch! We­nigs­tens blieb ihr das Al­ler­schlimms­te er­spart: Denn et­wa 15 Pro­zent der Er­krank­ten ster­ben an den Fol­gen ih­rer Un­ter­ernäh­rung. Zum Glück be­kam Alex Hil­fe von ih­rer Leh­re­rin: „Sie führ­te lan­ge Ge­sprä­che mit mir und ver­ein­bar­te ei­nen Arzt­ter­min, zu dem sie dann auch mit­ging. Ich weiß nicht, ob ich es oh­ne sie ge­schafft hät­te.“Es folg­te ei­ne sechs Mo­na­te lan­ge The­ra­pie in ei­ner Spe­zi­al­kli­nik, da­nach ging die Be­hand­lung am­bu­lant wei­ter. Doch wie konn­te es ei­gent­lich so weit kom­men? „Zu­erst starb plötz­lich mei­ne ge­lieb­te Oma. Dann wur­de ich jah­re­lang in der Schu­le we­gen mei­ner Kör­per­grö­ße ge­mobbt. Je­den Tag muss­te ich mir Be­schimp­fun­gen an­hö­ren wie ‚Gi­raf­fe mit Ele­fan­ten­fü­ßen‘ … Als sich dann auch noch mei­ne El­tern trenn­ten, brach mei­ne Welt zu­sam­men. Ich war in­ner­lich völ­lig zer­ris­sen, da ich bei­de sehr lieb ha­be.“Was Alex da noch nicht weiß: Sie lei­det un­ter ei­ner aku­ten de­pres­si­ven Epi­so­de. Die Fol­gen: „Ich hat­te das Ge­fühl, dass mich nie­mand mag. Ich fühl­te mich ex­trem un­wohl in mei­nem Kör­per. Des­halb fing ich an, mich am gan­zen Kör­per zu rit­zen. Ich sag­te mir: ‚An­de­re ver­let­zen dich stän­dig. Dann kann ich mich auch selbst ver­let­zen.‘ Ich hat­te so­gar Selbst­mord­ge­dan­ken.“Doch die The­ra­pie ret­tet ihr in letz­ter Mi­nu­te das Le­ben. Heu­te geht es Alex bes­ser als je zu­vor, sie wiegt mitt­ler­wei­le 61 Ki­lo und ver­letzt sich nicht mehr selbst: „Ich füh­le mich nach die­ser schwe­ren Zeit rich­tig gut! Seit dem Abitur vor ein paar Wo­chen bin ich re­gel­recht be­freit! Ich freue mich auf mei­nen neu­en Le­bens­ab­schnitt. Ab Ok­to­ber will ich Lehr­amt für Deutsch und Päd­ago­gik stu­die­ren.“Alex hat ih­re Krank­heit über­wun­den, ih­re Nar­ben wer­den ein Le­ben lang blei­ben. Ver­ste­cken tut sie die­se al­ler­dings nicht: „Die Nar­ben ge­hö­ren zu mir und er­in­nern mich an die­se schwie­ri­ge Pha­se.“Und ein paar Tipps hat die 19-Jäh­ri­ge für an­de­re Be­trof­fe­ne: „Es ist kei­ne Schan­de, sich Hil­fe zu su­chen! Ma­ger­süch­tig zu wer­den ist kei­ne Ent­schei­dung – gesund zu wer­den schon. Ich kann nur sa­gen, dass das Le­ben so viel mehr bie­tet als Ka­lo­ri­en­zäh­len. Man ver­schwen­det da­bei so viel kost­ba­re Le­bens­zeit. Ich bin sehr froh, nicht mehr in die­ser Sucht ge­fan­gen zu sein!“

„Ich hat­te das Ge­fühl, dass mich nie­mand mag …“

Alex freut sich auf ih­ren neu­en Le­bens­ab­schnitt

Im De­zem­ber 2014 war Alex nur noch Haut und Kno­chen – da­nach ging’s in die Kli­nik Von der Krank­heit war das Mäd­chen schwer ge­zeich­net Sechs Mo­na­te mach­te sie ei­ne The­ra­pie. In der Kli­nik lern­te sie, nor­mal zu es­sen Im­mer wie­der ver­letz­te die Schü­le­rin sich selbst – die Nar­ben wer­den ein Le­ben lang blei­ben

Alex schreibt lei­den­schaft­lich gern Poe­try­Slam- Tex­te

Kat­ze Mo­mo gibt ihr Kraft: „ Wenn es mir schlecht geht, schmu­se ich mit ihr.“

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