Aus der Kriegs­höl­le be­freit

Sy­ri­sche ­Zoo­Tie­re dür­fen wei­ter­le­ben

Bravo Girl! - - REPORT - text: ste­fan we­ber

Bom­ben fal­len, Häu­ser stür­zen ein, He­cken­schüt­zen schie­ßen ge­zielt auf Men­schen! Seit vier­ein­halb Jah­ren ist die sy­ri­sche Groß­stadt Alep­po die Höl­le auf Er­den. Es geht um das nack­te Über­le­ben. Aber nicht nur Men­schen ge­hö­ren zu den Kriegs­op­fern.

Bei der Bru­ta­li­tät des Bür­ger­kriegs mit Zehn­tau­sen­den To­ten wur­den die Zoo­tie­re völ­lig ver­ges­sen. Bis jetzt! Aus dem to­tal ver­wahr­los­ten Ver­gnü­gungs­park Ma­gic World mit Zoo vor den To­ren Alep­pos konn­te die Stif­tung Vier Pfo­ten mit zahl­rei­chen frei­wil­li­gen Hel­fern die über­le­ben­den Wild­tie­re be­frei­en. Fünf Lö­wen, zwei Ti­ger, zwei Asia­ti­sche Schwarz­bä­ren, zwei Hyä­nen und zwei Hun­de wur­den in gro­ßen Kä­fi­gen auf Lkw ver­la­den und in das 900 km ent­fern­te Tier­schutz­zen­trum in Ka­rac­a­bey/Tür­kei ge­bracht. Dort wer­den sie ver­sorgt und me­di­zi­nisch be­treut.

Den Ret­tern bot sich in dem Zoo ein Bild des Grau­ens: Die ge­ret­te­ten Tiere wa­ren stark ab­ge­ma­gert und stan­den kurz vor dem Ver­durs­ten. Zu­dem sind sie schwer trau­ma­ti­siert:

Man­che lie­gen apa­thisch auf dem dre­cki­gen, fel­si­gen Bo­den, oh­ne sich zu re­gen, an­de­re re­agie­ren ag­gres­siv, wenn sich je­mand nä­hert. Au­ßer­dem sind ei­ni­ge von Pa­ra­si­ten be­fal­len oder ha­ben klei­ne Ver­let­zun­gen. Selbst für er­fah­re­ne Hel­fer wa­ren die Zu­stän­de kaum zu er­tra­gen. Bei man­chen Tie­ren hat das furcht­ba­re Le­ben im Kriegs­ge­biet so­gar noch grö­be­re Spu­ren hin­ter­las­sen: „Die männ­li­che Hyä­ne ist lei­der kom­plett blind. Ih­re Art­ge­nos­sin lei­det un­ter ei­ner schwe­ren Nie­ren­er­kran­kung. Auch die bei­den Ti­ger sind ge­sund­heit­lich schwer an­ge­schla­gen. Ei­ner er­litt so­gar ei­nen Herz­still­stand, konn­te aber von uns re­ani­miert wer­den“, be­rich­tet der lei­ten­de Tier­arzt vom Ber­li­ner Leib­niz-In­sti­tut für Zoo- und Wild­tier­for­schung Dr. Frank Gö­ritz. „Der Ge­sund­heits­zu­stand man­cher Tiere ist sehr kri­tisch. Des­halb müs­sen wir sie so schnell wie mög­lich an ei­nen Ort brin­gen, der für die er­for­der­li­chen me­di­zi­ni­schen Be­hand­lun­gen bes­ser aus­ge­stat­tet ist“, er­klärt Dr. Amir Kha­lil, der die Ret­tungs­mis­si­on ge­lei­tet hat.

Trotz der schlech­ten Ge­sund­heit ist er froh, dass die Tiere über­haupt ge­ret­tet wer­den konn­ten: „Die Wild­tie­re aus Sy­ri­en zu ho­len grenz­te schon fast an ein Wun­der.

Es war ein or­ga­ni­sa­to­ri­scher und lo­gis­ti­scher Kraft­akt. Wir sind über­glück­lich. Oh­ne die zahl­rei­chen Frei­wil­li­gen in der Tür­kei, die uns bei lo­gis­ti­schen Pro­ble­men und mit Kon­tak­ten vor Ort un­ter­stützt ha­ben, hät­ten wir das nicht meis­tern kön­nen. Vie­le von ih­nen ha­ben sich frei­ge­nom­men oder sind so­gar ex­tra aus dem Aus­land an­ge­reist, um zu hel­fen. Wir sind auch sehr dank­bar für die Un­ter­stüt­zung der tür­ki­schen Re­gie­rung, die die Gren­ze zu Sy­ri­en für uns ge­öff­net hat.“Ge­ra­de wer­den die nö­ti­gen Pa­pie­re or­ga­ni­siert, da­mit die Tiere wei­ter­rei­sen kön­nen. Ver­mut­lich kom­men sie zu­nächst in ei­nem Wild­tier-Schutz­zen­trum in Jor­da­ni­en un­ter. Die Ti­ger sol­len dann ein neu­es Zu­hau­se in ei­ner Groß­kat­zen­sta­ti­on in den Nie­der­lan­den fin­den. Doch egal, wo sie in Zu­kunft le­ben wer­den – über­all ist es bes­ser als in die­ser Höl­le, in der sie die letz­ten Jah­re zu­brin­gen muss­ten …

Den Ret­tern bot sich ein Bild des Grau­ens!

Schlimm: Die Hyä­ne ist durch die ­schlech­te Be­hand­lung voll­kom­men er­blin­det Schwer be­waff­ne­te Si­cher­heits­kräf­te schüt­zen die Hel­fer bei ih­rer Ret­tungs­mis­si­on in Sy­ri­en Ein völ­lig ver­ängs­tig­ter Bär war­tet auf sein neu­es Le­ben in Si­cher­heit

Trau­ri­ges Bild: Das Ge­he­ge sieht wie ein Ge­fäng­nis aus, die An­la­ge ver­rot­tet seit Jah­ren Man­che Wild­tie­re ver­hal­ten sich durch Hun­ger und Krank­hei­ten ex­trem ag­gres­siv Ein Asia­ti­scher Schwarz­bär wird un­ter Voll­nar­ko­se me­di­zi­nisch un­ter­sucht End­lich in Si­cher­heit: In den Trans­port­kä­fi­gen wer­den die Zoo­tie­re in die Tür­kei ge­bracht Die Ret­ter fei­ern die Be­frei­ung der ge­quäl­ten Tiere

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