Re­port „

Jo­scha – Au­tis­tin Zwi­schen Ge­nie und Be­hin­de­rung

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Ich su­che Freun­de, die mich mö­gen, wie ich bin . . .“

Was geht im Kopf ei­ner Au­tis­tin vor? In BRA­VO ver­rät die 13-Jäh­ri­ge, wie sie die Welt sieht . . .

„Je­der Mensch hat Schwä­chen – aber au ch Ta­len­te!“

Hal­lo, ich bin Jo­scha, ein Mäd­chen und 13 Jah­re alt. Mei­ne Hob­bys sind schwim­men, Aria­na Gran­de, In­ter­net, Ki­no, Mu­sik . . . Und: Ich bin Au­tis­tin und ­kör­per­be­hin­dert. Ich ha­be Be­ga­bun­gen (Spra­chen und Com­pu­ter) und Schwä­chen (Ma­the). Deutsch, Eng­lisch, Fran­zö­sisch und Spa­nisch: Da bin ich fit. Le­sen konn­te ich mit drei Jah­ren, lau­fen aber erst mit vier. Na und? Eng­lisch ha­be ich durch YouTube ­ge­lernt, noch vor der Grund­schu­le. Den­noch soll­te ich auf ei­ne För­der­schu­le. Das woll­te ich nicht. Heu­te ge­he ich in die ach­te Klas­se ­ei­ner Ge­samt­schu­le. Da­bei brau­che ich die Un­ter­stüt­zung ei­ner Schul­be­glei­tung. War­um? Weil ich vie­les, was für dich selbst­ver­ständ­lich ist, wie das Öff­nen und Schlie­ßen von Knöp­fen oder das An­schlie­ßen von La­de­ge­rä­ten, nicht kann. Es wä­re gut, wenn ihr mich nicht aus­lacht, weil ich zum Bei­spiel im­mer noch die „Se­sam­stra­ße“mag. Ich hät­te trotz­dem gern Freun­de. Wir könn­ten zum Bei­spiel über Pop­mu­sik ­re­den . . . Ich se­he auch an­ders als du – näm­lich nur zwei­di­men­sio­nal. Das heißt: Für mich ist die gan­ze Welt flach wie auf ei­nem Fo­to. Ich kann Grö­ßen und Ent­fer­nun­gen nicht gut un­ter­schei­den. Das Spiel­zeug­au­to in mei­ner Hand ist manch­mal so groß wie ­un­ser Au­to vor der Tür beim Blick aus dem Fens­ter. Ver­wir­rend. Se­hen, aber auch hö­ren und rie­chen: Für mich sind das so vie­le In­fos gleich­zei­tig. Mei­ne Hän­de und mei­ne Au­gen ar­bei­ten auch nicht au­to­ma­tisch zu­sam­men wie bei dir. Ver­such mal, dir dei­ne Schu­he an­zu­zie­hen – mit nur ei­ner Hand und ge­schlos­se­nen Au­gen, dann weißt du, wie ich mich füh­le. Trep­pen stei­gen, Gleich­ge­wicht hal­ten, klet­tern, schrei­ben, mich käm­men, auf den Stra­ßen­ver­kehr ach­ten, nicht aus Ver­se­hen rem­peln, Men­schen nicht ver- wech­seln . . . Die Lis­te all des­sen, was ich trai­nie­ren muss, lässt sich be­lie­big ver­län­gern. Ich brau­che für vie­les viel län­ger als du. Je­der hat Ta­len­te und Schwä­chen. Aber war­um wer­den nicht al­le Schü­ler ge­för­dert in dem, was sie gut kön­nen, und im­mer nur mit all dem Zeugs ge­quält, was ih­nen nicht liegt? Wer sagt ei­gent­lich, dass je­mand, dem Eng­lisch Spa­nisch vor­kommt oder der mit Ma­the nichts am Hut hat,

spä­ter kein gu­ter Arzt wer­den kann? Ich bin oft wü­tend: War­um muss ich mich nor­ma­ler, norm­ge­rech­ter ma­chen, so­gar in Din­gen, wo ich es wirk­lich nicht kann? Die­ses Ru­mor­geln mit No­ten! Stellt euch vor, man ver­langt von ei­nem Roll­stuhl­fah­rer, er sol­le Seil sprin­gen . . . War­um geht un­ter, was ich al­les kann, manch­mal so­gar bes­ser als an­de­re? In­klu­si­on kennst du be­stimmt. Das heißt, dass Be­hin­der­te das Recht ha­ben, über­all mit­zu­ma­chen und da­bei zu sein. Leh­rer und Schü­ler und al­le an­de­ren auch müss­ten zu­sam­men da­für pro­tes­tie­ren. Po­li­ti­ker müs­sen an­de­re Be­din­gun­gen schaf­fen für In­klu­si­on. Aber statt­des­sen wol­len sie die­se wie­der ab­schaf­fen. Das ist schlimm! Was ich euch noch sa­gen will: Dul­det Men­schen wie mich nicht nur, sprecht sie an. Lernt sie ken­nen, sucht Ge­mein­sam­kei­ten. Und lasst das Mob­ben sein. Wer von euch weiß schon, ob er nicht selbst ein­mal Hil­fe ­brau­chen wird?

In ih­rer Frei­zeit hört sie wahn­sin­nig gern die „BRA­VO Hits“-CDs Möch­test du mehr über Jo­scha er­fah­ren? Dann wer­de ih­re Mail-Freun­din! Schick uns ei­ne Mail an re­port@bra­vo.de und schreib in die Be­treff­zei­le „ Jo­scha“. Wir lei­ten dei­ne Nach­richt an sie wei­ter. Sie wird sich be­stimmt freu­en!

Bei ei­nem Te­ne­rif­fa-Ur­laub hat sie kei­ne Ver­stän­di­gungs­pro­ble­me – sie hat sich Spa­nisch selbst bei­ge­bracht Un­glaub­lich: Flie­ßend le­sen kann sie, seit sie drei ist – lau­fen konn­te sie erst mit vier. „Nor­ma­le“­Kin­der ler­nen das mit et­wa ­ei­nem Jahr Jo­scha hat ei­ne so­ge­nann­te In­selBe­ga­bung: In Spra­chen ist sie su­per, sie macht so­gar ein Prak­ti­kum als Über­set­ze­rin

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