Ma­ti­nee mit Reiz in Karls­ru­he

Brettener Nachrichten - - KULTUR -

Klang­sin­nig­keit dürf­te kaum der ers­te Be­griff sein, der in den Sinn kommt, wenn man sich mit der Mu­sik Paul Hin­de­miths aus den 1920er Jah­ren be­fasst. Aber wenn ein so aus­ge­zeich­ne­tes Blä­ser­quin­tett wie in die­ser Kam­mer­mu­sik­ma­ti­nee am Ba­di­schen Staats­thea­ter sich der Klei­nen Kam­mer­mu­sik op. 24,2 an­nimmt, sind sol­che Vor­be­hal­te schnell ver­ges­sen. Ta­mar Ro­mach (Flö­te), der Kla­ri­net­tist Da­ni­el Bol­lin­ger, Ste­phan Rutz (Oboe), die Fa­got­tis­tin Ly­dia Pant­zier und der Hor­nist Do­mi­nik Zins­s­tag, al­le­samt an den ers­ten Blä­ser­pul­ten der Ba­di­schen Staats­ka­pel­le ver­pflich­tet, bo­ten hier ei­ne so aus­ge­feil­te Mi­schung aus Farb­val­eurs und Spiel­freu­de, dass Hin­de­miths rhyth­misch le­ben­di­ge Kom­po­si­ti­on im bes­ten Licht er­strahl­te.

„Mu­sik, die aus der Zeit ge­fal­len ist“, nann­te Kon­zert­dra­ma­turg Axel Schlick­supp Ni­na Ro­tas No­nett, bei dem sich zu den Blä­sern die Gei­ge­rin Dia­na Drechs­ler, Ni­cho­las Clif­ford (Vio­la), der Cel­list Ben Groo­cock und Pe­ter Cer­ny (Kon­tra­bass) ge­sell­ten. Ro­ta ist als Film­kom­po­nist be­kannt ge­wor­den, er hat zu­dem viel, aber für die zwei­te Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts äu­ßerst tra­di­tio­nell für den Kon­zert­saal kom­po­niert. Sein No­nett mit sei­nen schnel­len mu­si­ka­li­schen Be­lich­tungs­wech­seln er­in­ner­te an fil­mi­sche Schnitt­tech­ni­ken, was der Re­ak­ti­ons­freu­dig­keit und der Lust an klang­li­cher Bril­lanz, wel­che die Mu­si­ker und Mu­si­ke­rin­nen an den Tag leg­ten, sehr ent­ge­gen­kam. Ih­re Kunst ließ den ho­hen ma­nu­el­len An­spruch des Werks fast ver­ges­sen ma­chen. Mit Ma­ria Stan­ge hol­ten sich die Mit­glie­der der Staats­ka­pel­le ei­ne der bes­ten deut­schen Har­fe­nis­tin­nen zur Un­ter­stüt­zung für Mau­rice Ra­vels „In­tro­duc­tion et Al­le­gro für Har­fe, Flö­te Kla­ri­net­te und Streich­quar­tett“. Die­ses in sehr kur­zer Zeit ent­stan­de­ne Auf­trags­werk Ra­vels, bei dem als 1. Gei­ge­rin Clau­dia von Kopp-Ostrow­ski das Quar­tett ver­voll­stän­dig­te, bot Klang­rausch auf engs­tem Raum, vie­le fei­ne Val­eurs und ei­nen Har­fen­part, der fast kon­zer­tan­te Zü­ge trug. Klang­sin­nig­keit, die kei­ne Wün­sche of­fen ließ. Claus Wal­ters

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