Ul­tras stel­len Pro­fis zur Re­de

Slom­ka un­ter­bricht KSC-Trai­ning we­gen un­an­ge­mel­de­ter Be­su­cher

Brettener Nachrichten - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert

Karls­ru­he. Chef­coach Mir­ko Slom­ka hat­te sein Sams­tag-Trai­ning um ei­ne hal­be St­un­de vor­ver­legt, der Karls­ru­her SC die Ab­wei­chung vom Plan über sei­ne di­ver­sen In­fo­ka­nä­le aber nicht mehr an den ge­neig­ten Fan ge­bracht. So han­del­ten je­ne ge­schlos­sen an­ge­rück­ten Ver­tre­ter der Karls­ru­her Ul­tra-Sze­ne, gut 60 an der Zahl, nach bes­tem Wis­sen und Ge­wis­sen – in der An­nah­me al­so, nicht in den lau­fen­den Be­trieb der Fuß­bal­ler zu plat­zen, als sie um 9.58 Uhr den Übungs­platz im Wild­park en­ter­ten. Den Ab­stiegs­kämp­fern ga­ben die Fan­ver­tre­ter zu ver­ste­hen: „Wir müs­sen re­den.“

Slom­ka, der zu­nächst et­was ver­schreckt drein­bli­cken­de Chef, un­ter­brach das da be­reits ei­ne hal­be St­un­de lau­fen­de Trai­ning und ließ zu, dass die Wort­füh­rer der un­ge­be­te­nen Be­su­cher ih­re Nö­te an die Oh­ren de­rer brach­ten, bei de­nen sie die­se am sinn­volls­ten auf­ge­ho­ben sa­hen: bei den Pro­fis, die zu­letzt bei der 0:3-Nie­der­la­ge ge­gen Fortu­na Düs­sel­dorf für ih­ren Ge­schmack ein wei­te­res Mal nicht zu er­ken­nen ge­ge­ben hat­ten, die Zei­chen der Zeit ver­stan­den zu ha­ben. An­we­send wa­ren am Sams­tag zu­min­dest je­ne, die nicht bei ih­ren Aus­wahl­mann­schaf­ten ver­pflich­tet wa­ren oder zur Pfle­ge auf der Mas­sa­ge­bank la­gen. Aber auch Den­nis Kem­pe und Mo­ritz Stop­pel­kamp soll­ten – wie die in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te zu­rück­er­war­te­ten Na­tio­nal­spie­ler – von den Kol­le­gen un­ter­rich­tet wer­den, hieß es. Hin­ter den an­ge­schla­ge­nen Kem­pe und Stop­pel­kamp ste­hen für das Aus­wärts­spiel am Frei­tag (18.30 Uhr) beim 1. FC Nürn­berg Fra­ge­zei­chen.

Auch oh­ne die De­mons­tra­ti­on der Fans hat der in­ter­ne und ex­ter­ne Druck auf die KSC-Spie­ler im Ab­stiegs­kampf dras­tisch zu­ge­nom­men. Slom­ka, ihr Trai­ner, hat­te ih­nen kürz­lich in Fra­gen der of­fen­si­ven Spiel­ge­stal­tung den Fuß­ball­sach­ver­stand ab­ge­spro­chen und nicht zum ers­ten Mal seit sei­ner An­kunft Weich­hei­ten im Ka­der be­klagt. Sport­di­rek­tor Oli­ver Kreu­zer hat­te sich bald da­nach über ei­nen Man­gel an Dis­zi­plin beim Ta­bel­len­letz­ten der Zwei­ten Li­ga aus­ge­las­sen und den jun­gen Mar­vin Meh­lem ex­em­pla­risch als dies­be­züg­li­chen Pro­blem­fall na­ment­lich ge­brand­markt. Das sei „ge­ges­sen“, be­ton­te Kreu­zer nun. Wich­tig sei­en nun al­lei­ne die Par­ti­en am Frei­tag in Nürn­berg und mor­gen in ei­ner Wo­che da­heim ge­gen Würz­burg. „Da brau­chen wir vier Punk­te“, pos­tu­lier­te Kreu­zer.

Am Sams­tag, am Mor­gen nach dem 1:1 im Test­spiel beim FSV Mainz 05, war al­so auch Meh­lem – wie al­le an­de­ren – pünkt­lich und hell­wach zur Stel­le, als die alar­mier­ten An­hän­ger ih­re Stim­men auf dem Platz er­ho­ben. Nicht als Be­dro­hung woll­ten sie ih­ren Auf­marsch ver­stan­den wis­sen, son­dern als Weck­ruf, hat­ten sie ein­lei­tend zu ver­ste­hen ge­ge­ben. Ap­pel­le folg­ten: Als „Män­ner“wol­len sie die Spie­ler ih­res Ver­ein fort­an auf dem Platz se­hen, so for­der­ten sie es von ih­nen ein. Auch rhe­to­ri­sche Fra­gen muss­ten sich die Pro­fis ge­fal­len las­sen. „Wer von euch will nicht ab­stie­gen?“, frag­te ei­ner. Ge­nau die­sen Kampf ge­gen das dro­hen­de Schick­sal, den wol­le man ab so­fort auch se­hen, denn: „Wir wol­len nicht in die Drit­te Li­ga, aber wir sind im­mer hier. Wir kön­nen nicht zu ei­nem an­de­ren Ver­ein.“Ob nicht der ei­ne oder an­de­re längst schon ge­dank­lich bei ei­nem an­de­rem Club sei, wur­de of­fen aus­ge­spro­chen. Als dies und das und noch ei­ni­ges an­de­re ge­sagt war, trat Team­ka­pi­tän Dirk Or­lis­hau­sen aus den Rei­hen der Spie­ler her­vor und si­gna­li­sier­te Ver­ständ­nis für das An­lie­gen der An­hän­ger.

Nach ei­ner Vier­tel­stun­de war der Be­such zu En­de und Kreu­zer, der in das Sze­na­rio auf dem Platz un­ver­mit­telt hin­ein­ge­lau­fen war, be­reit, von ei­ner „tol­len Ak­ti­on“der Fans zu spre­chen. „Das zeigt ja auch, dass sie sich Ge­dan­ken ma­chen und da­hin­ter­ste­hen“, mein­te der Sport­di­rek­tor, der es gut fand, dass die Spie­ler die Ängs­te ih­rer An­hän­ger ein­mal aus ers­ter Hand zu hö­ren be­ka­men. Noch bes­ser wä­re die Sa­che ge­we­sen, fand Kreu­zer, die Be­su­cher hät­ten sich an­ge­kün­digt.

„Wer von euch will nicht ab­stei­gen?“

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