Spä­te Ent­schei­dung

Brettener Nachrichten - - POLITIK -

GER­HARD WINDSCHEID

Lan­ge ge­nug hat das Tauziehen um Ju­li­an Ass­an­ge ge­dau­ert: Seit fünf Jah­ren sitzt der Grün­der der Ent­hül­lungs­platt­form Wi­ki­leaks in der Bot­schaft von Ecua­dor in Lon­don fest. Der süd­ame­ri­ka­ni­sche Staat hat­te Ass­an­ge in sei­ner bri­ti­schen Ver­tre­tung Zuflucht ge­währt, nach­dem Schwe­den ei­nen in­ter­na­tio­na­len Haft­be­fehl er­wirkt hat­te. Ge­wiss, Ass­an­ge hät­te sich stel­len kön­nen und in Schwe­den die Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fe ent­kräf­ten müs­sen. Aber auch die Jus­tiz in Stock­holm hät­te sich mehr spu­ten und nicht erst jetzt Ent­las­tungs­mo­men­te vor­brin­gen kön­nen.

Auch jetzt ist Ass­an­ge noch kein frei­er Mann. Kä­me er auf die Idee, das Bot­schafts­ge­län­de zu ver­las­sen, wür­den die Hand­schel­len kli­cken. Seit Jah­ren pa­trouil­lie­ren zu­sätz­li­che Po­li­zei­be­am­te für teu­res Steu­er­geld rund um das Ge­bäu­de, um ei­ne Flucht des Aus­tra­li­ers zu

ver­hin­dern. Es wä­re jetzt an der Zeit, auch die an­de­ren Vor­wür­fe ge­gen Ass­an­ge fal­len und ihn zie­hen zu las­sen. Schon in der Ver­gan­gen­heit dräng­te sich der Ver­dacht auf, dass es we­ni­ger um ei­ne mög­li­che Ver­ge­wal­ti­gung ging, son­dern um das Kalt­stel­len ei­nes un­lieb­sa­men Kri­ti­kers, der den Fin­ger im­mer wie­der in die Wun­de leg­te. So ver­öf­fent­li­che Wi­ki­leaks bri­san­te Pa­pie­re zu den Krie­gen in Af­gha­nis­tan und im Irak.

Mit sei­ner Ent­hül­lungs­platt­form Wi­ki­leaks hat sich Ass­an­ge vie­le Fein­de ge­macht. Ins­be­son­de­re in den USA rieb man sich die Hän­de, als dem Aus­tra­li­er nur noch die Flucht in die Bot­schaft blieb. Ecua­dors schei­den­der Prä­si­dent Ra­fa­el Cor­rea ge­währ­te Ass­an­ge Un­ter­schlupf und zeig­te da­mit Lon­don und Wa­shing­ton die Stirn. Es wird nicht mehr lan­ge dau­ern, und Ass­an­ge kann sich wie­der neu­en Ent­hül­lun­gen wid­men.

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