Di­gi­ta­li­sie­rung als Lö­sung

Lo­gis­tik­bran­che steht vor ei­nem ge­wal­ti­gen Um­bruch / Lkw-Fah­rer hän­de­rin­gend ge­sucht

Brettener Nachrichten - - FORUM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Se­bas­ti­an Mayr

Ber­lin. Fünf Last­wa­gen in ei­ner Rei­he und nur ein ein­zi­ger Fah­rer, der al­le steu­ert. An sol­chen und ähn­li­chen Ent­wick­lun­gen tüf­teln Un­ter­neh­men. Set­zen sich die Kon­zep­te durch, dann kom­men Spe­di­teu­re, Lie­fer­diens­te und an­de­re Lo­gis­tik­fir­men in Zu­kunft mit deut­lich we­ni­ger Fah­rern aus.

Die Lo­gis­tik­bran­che boomt, nach der Au­to­mo­bil­in­dus­trie und dem Han­del ist sie der dritt­größ­te Wirt­schafts­be­reich in Deutsch­land. Der größ­te Teil der Wa­ren wird auf den Stra­ßen trans­por­tiert. Da­zu zäh­len nicht nur Lie­fe­run­gen, die ein Un­ter­neh­men an ein an­de­res schickt, son­dern auch Ab­fall­ent­sor­gung oder Pa­ket­diens­te. Bei­na­he die Hälf­te der Fir­men aus die­ser Bran­che sucht hän­de­rin­gend Fah­rer und Zu­stel­ler so­wie ITFach­kräf­te. Die Zah­len, die die Bun­des­ver­ei­ni­gung Lo­gis­tik (BVL) er­mit­telt hat, ver­kün­de­te de­ren Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Wimmer jetzt in Ber­lin.

Die Un­ter­neh­mer be­kla­gen, dass die Zahl der qua­li­fi­zier­ten Be­wer­ber in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­sun­ken sei. Der Ver­band hat Grün­de da­für aus­ge­macht. Die Be­rufs­mög­lich­kei­ten sei­en nicht be­kannt ge­nug, die Ar­beits­be­din­gun­gen wür­den im Ver­gleich zu an­de­ren Bran­chen als schlech­ter gel­ten. „Wir müs­sen die Men­schen da­für be­geis­tern und ver­su­chen, at­trak­ti­ve An­ge­bo­te zu ma­chen“, sag­te Wimmer. Die Lo­gis­tik­fir­men müss­ten dar­an ar­bei­ten, das Image ih­rer Bran­che zu ver­bes­sern. Da­für kün­dig­te Staats­se­kre­tä­rin Do­ro­thee Bär (CSU) die Un­ter­stüt­zung des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums an, das mit Schirm­herr­schaf­ten bei Ver­an­stal­tun­gen hel­fen und da­mit jun­ge Leu­te so­wie de­ren El­tern an­spre­chen wol­le. Die Di­gi­ta­li­sie­rung könn­te ei­ni­ge Stel­len über­flüs­sig ma­chen, zum Bei­spiel durch Pla­too­n­ing. So heißt das Kon­zept, bei dem meh­re­re Fahr­zeu­ge in ei­ner Rei­he fah­ren, di­gi­tal mit­ein­an­der ver­netzt sind und von ei­nem ein­zi­gen Fah­rer ge­steu­ert wer­den. Un­ter­neh­men wie MAN ar­bei­ten an der Ent­wick­lung. Bis­lang wird das Pla­too­n­ing auf ab­ge­sperr­ten Test­stre­cken aus­pro­biert. Bis sol­che und ähn­li­che Neue­run­gen auf den Au­to­bah­nen zu fin­den sind, dürf­te es al­ler­dings noch ei­ni­ge Jah­re dau­ern. „Da gibt es gro­ße Ver­suchs­fel­der und gro­ße Ide­en“, sagt BVL-Ge­schäfts­füh­rer Wimmer und er­gänzt: „Aber Tech­no­lo­gie braucht Zeit.“

Wenn es nach den Vor­stel­lun­gen des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums geht, dann soll die tech­ni­sche Ent­wick­lung schon bald ab­ge­schlos­sen sein. Be­reits im Jahr 2025 sol­len selbst­fah­ren­de Au­tos auf deut­schen Stra­ßen un­ter­wegs sein, sag­te Bär. In­zwi­schen gibt es da­für ei­nen ge­setz­li­chen Rah­men: An­ders als frü­her dür­fen voll­au­to­ma­ti­sche Sys­te­me Au­tos au­to­nom len­ken, so­fern die­se Sys­te­me von Men­schen ab­ge­schal­tet oder über­steu­ert wer­den kön­nen. Das ent­spre­chen­de Ge­setz, das der Bun­des­tag En­de März die­ses Jah­res ver­ab­schie­det hat, nann­te Staats­se­kre­tä­rin Bär ei­nen „Mei­len­stein“.

„Tech­no­lo­gie braucht Zeit“

BUN­TE ZU­KUNFTS­PLÄ­NE: Den deut­schen Lo­gis­tik­un­ter­neh­men feh­len Fach­kräf­te. Doch ei­ni­ge da­von wer­den in ein paar Jah­ren wo­mög­lich gar nicht mehr ge­braucht. Denn: Selbst­fah­ren­de Last­wa­gen könn­ten künf­tig Fah­rer er­set­zen. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.