Karls­ru­he ist beim Rad vor­ne

Süd­wes­ten schnei­det beim Fahr­rad­kli­ma-Test gut ab / Pforz­heim holt auf

Brettener Nachrichten - - SÜDWESTECHO - Von Do­mi­nik Schnei­der und Ul­ri­ke von Leszczynski

Karls­ru­he/Pforz­heim. Der Karls­ru­her Karl von Drais hät­te sich wohl rie­sig ge­freut: Ba­den-Würt­tem­berg steht, was das Fahr­rad­kli­ma an­geht, ziem­lich gut da, zeigt der Fahr­rad­kli­ma-Test des All­ge­mei­ne Deut­sche Fahr­rad-Clubs (ADFC). Vor 200 Jah­ren ist Drais mit ei­nem von ihm ent­wi­ckel­ten höl­zer­nen Lauf­rad durch Mannheim ge­fah­ren – er er­fand den Vor­läu­fer des Fahr­rads.

Mitt­ler­wei­le wer­den deut­sche Städ­te an­hand ih­rer Fahr­ra­d­in­fra­struk­tur mit­ein­an­der ver­gli­chen. Das Ren­nen um die fahr­rad­freund­lichs­te Stadt in Deutsch­land ist die­ses Mal knapp aus­ge­gan­gen: Ti­tel­ver­tei­di­ger Müns­ter hat sei­nen ers­ten Platz un­ter den Groß­städ­ten ver­tei­digt. Es fol­gen Karls­ru­he und Frei­burg. Karls­ru­he be­kam von den Rad­fah­rern ei­ne Schul­no­te von 3,1 (2014: 3,2); Frei­burg von 3,3 (3,3) – wäh­rend die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart mit ei­ner 4,2 (4,0) nur auf Platz 33 von den 39 deut­schen Städ­ten über 200 000 Ein­woh­ner lan­de­te. Mit Pforz­heim fiel ei­ne Stadt aus dem Süd­wes­ten bun­des­weit als Auf­ho­ler des Jah­res auf. Vor vier Jah­ren lag die Gold­stadt in ih­rer Ka­te­go­rie noch auf dem letz­ten Platz. Un­ter dem Strich zeig­ten die Er­geb­nis­se, dass die Rad­fah­rer mit den Be­din­gun­gen oft nicht zu­frie­den sei­en, sag­te Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne): „Es braucht da­her kon­ti­nu­ier­li­che An­stren­gun­gen, um die Städ­te und Ge­mein­den schritt­wei­se fahr­rad­freund­lich aus­zu­bau­en.“

Zum sieb­ten Mal bringt der Fahr­rad­kli­ma-Test, den das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um in Ber­lin prä­sen­tier­te, Be­we­gung in die Dis­kus­si­on um Mo­bi­li­tät in Städ­ten. Dass sie ein gro­ßes The­ma ist, zeigt schon ei­ne Re­kord­be­tei­li­gung: Noch nie hat der ADFC so vie­le Fra­ge­bö­gen zu­rück­be­kom­men: 120 000 Men­schen aus 539 Städ­ten wer­te­ten, was sie als Stär­ken und Schwä­chen für den Rad­ver­kehr se­hen.

Ein rei­nes Pro­pa­gie­ren des Ra­delns reicht aus Sicht des ADFC nicht aus. „Die Men­schen emp­fin­den sol­che Kam­pa­gnen als un­ehr­lich, weil sie die Stra­ßen we­der als si­cher noch als kom­for­ta­bel für Rad­fah­rer an­se­hen“, be­rich­tet ADFC-Spre­che­rin Ste­pha­nie Kro­ne. Um wirk­lich et­was vor­an­zu­brin­gen, be­dür­fe es ei­nes gro­ßen Kon­sen­ses der Par­tei­en ei­ner Stadt und vor al­lem ei­nes gu­ten Plans.

Da­für steht zum Bei­spiel Karls­ru­he, das zu­erst sein Tram-Netz auf Vor­der­mann brach­te, dann die Rad-In­fra­struk­tur ver­bes­ser­te und sich nun den Fuß­gän­gern zu­wen­den will. Was Rad­fah­rern selbst am wich­tigs­ten ist, zeigt der neue Test auch. Die meis­ten wün­schen sich vor al­lem ein gu­tes Si­cher­heits­ge­fühl beim Fah­ren, brei­te Rad­we­ge so­wie schnel­le, di­rek­te Ver­bin­dun­gen ins Zen­trum.

Wenn der Las­ter da­ge­gen zehn Zen­ti­me­ter ent­fernt rollt, Rad­we­ge im­mer wie­der von Stra­ßen oder Bür­ger­stei­gen un­ter­bro­chen wer­den und der teu­re Draht­esel man­gels si­che­rer Ab­stell­plät­ze gleich wie­der ge­klaut wird, führt das zu Stress – und Mi­nus­punk­ten im Fahr­rad­kli­ma-Test. Der ADFC sieht Müns­ters Stern trotz der Spit­zen­po­si­ti­on in der Gunst der Rad­ler sin­ken. Die In­fra­struk­tur sei in­zwi­schen un­ter­di­men­sio­niert und die Un­fall­zah­len stie­gen, sagt ADFC-Spre­che­rin Kro­ne.

Kom­men­tar Sei­te 2

GU­TES BEI­SPIEL: Karls­ru­he hat sei­nen zwei­ten Platz im bun­des­wei­ten Fahr­rad­kli­ma-Test ver­tei­digt. Nur Müns­ter liegt noch vor der Fä­cher­stadt. Noch ei­ne gu­te Nach­richt aus der Re­gi­on: „Auf­ho­ler des Jah­res“ist Pforz­heim. Fo­to: dpa

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