Ole, Frau Ant­je und das Schwarz­wald-Mä­del

Das Mes­se-Duo Eu­ni­que/Loft zeigt auch frech-wit­zi­ge De­si­gn­kunst / dm-Are­na als XL-Ga­le­rie

Brettener Nachrichten - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Dirk Neu­bau­er

Karls­ru­he. Nicht nur ku­cken, son­dern, bit­te schön, auch hin­set­zen – sol­che Ein­la­dun­gen gibt’s bis mor­gen noch vie­le auf der Eu­ni­que, der In­ter­na­tio­na­len Mes­se für An­ge­wand­te Kunst & De­sign in der Mes­se Karls­ru­he. Da wä­ren Sitz­sä­cke in pop­pi­gen Far­ben. Sty­lish auch die zu Ses­seln um­funk­tio­nier­ten Eu­ro­pa­let­ten. Und kess die Sitz-Pumps mit knal­li­gem Plü­schüber­zug oder RoyLich­ten­stein-Mo­ti­ven. Auch auf „Hel­lo Kit­ty“darf man sich set­zen. Jel Goes hat die Idee aus ih­rer Hei­mat Bra­si­li­en nach Bir­ken­au an der Berg­stra­ße mit­ge­bracht und stellt dort mit Jo­ao Mon­tei­ro Klein­se­ri­en und Uni­ka­te der Schuh-Ses­sel her. In­ha­ber von Schuh­lä­den kauf­ten das Mo­bi­li­ar, aber auch an­de­re Kun­den, „die das Au­ßer­ge­wöhn­li­che wol­len“.

Ku­ri­os geht es auch bei „ku­schel­werk“aus Ra­vens­burg zu. „Ole“sitzt dort nicht, son­dern hängt an der Wand. Ist ja auch ein Reh­bock, und was für ein gnit­zer. Kon­ven­tio­nel­le Jagd­tro­phä­en sind in die­sen ve­ga­nen Zei­ten ziem­lich von ges­tern. Ole hin­ge­gen bringt die Men­schen nicht nur an dem Mes­se­stand zum La­chen. Es gibt ihn klas­sisch, in der Va­ri­an­te mit Gar­de­ro­ben­ha­ken oder für Kin­der mit in­te­grier­ter Spiel­uhr.

Der Reh­bock sieht aus wie ein Spät­werk von An­dy War­hol, ist aber ei­ne Krea­ti­on von Schnei­de­rin An­ke May­er. Die ist auch Tier- und Um­welt­schüt­ze­rin. Ole wird denn auch aus re­cy­cel­ten Stof­fen her­ge­stellt, die mal als Vor­hän­ge, Ba­de­män­tel oder Hem­den im Ein­satz wa­ren. Ne­ben­bei be­merkt: „Oft be­kom­men Jä­ger den Ole ge­schenkt. Als Gag“, sagt die Künst­le­rin.

Zum Hin­hän­gen sind auch die Kunst­dru­cke der Karls­ru­he­rin Mo­ni­ca No­bis, die die­se auf dem Mes­se-Duo Eu­ni­que/ Loft (11 bis 19 Uhr) an­preist: Die Me­xi­ka­ne­rin Fri­da Kahlo ist dar­auf ein Star in Pop-Art, Hei­di mit den Geis­sen, die Star-Trek-Fa­mi­ly, Frau Ant­je aus Hol­land oder das Schwarz­wald-Bol­len­hu­tMä­del so­wie­so – bis­lang wur­den sie über Wie­der­ver­käu­fer im deutsch­spra­chi­gen Raum und nach Hol­land ver­kauft, neu­er­dings auch im On­li­ne-Shop für End­kun­den.

Se­hen, rie­chen, hö­ren: Auf der Mes­se gibt es reich­lich Ge­le­gen­heit da­zu, wenn man sich an den ein­zel­nen Stän­den Zeit nimmt. Da kla­ckern die Plas­tik­bäl­le auf ei­ner ed­len Tisch­ten­nis­plat­te aus Mas­siv­holz – oval in der Form ent­spricht sie na­tür­lich kei­ner Tur­nier-Norm, ist aber ein Hin­gu­cker und für den Hob­by­raum im Kel­ler viel zu scha­de. An­ders­wo duf­tet es gra­sig von Duft­ker­zen, auch kei­ne Mas­sen­wa­re. Ita­lie­ni­sche, baye­ri­sche, eng­li­sche Sprach­fet­zen nimmt man auf – so­wohl Aus­stel­ler als auch Be­su­cher kom­men teils von wei­ter her.

Die dm-Are­na ist wäh­rend der Eu­ni­que mehr ei­ne rie­si­ge Ga­le­rie denn ei­ne Mes­se­hal­le: Ta­schen, Schu­he, Klei­der sind auf­fal­lend po­si­tio­niert und wer­den von Spot­lich­tern in­di­vi­du­ell als De­si­gn­kunst ins rech­te Licht ge­rückt. Se­cu­ri­ty-Leu­te mi­schen sich de­zent un­ter die Be­su­cher, weil die aus­ge­stell­ten Ob­jek­te ei­ni­ges wert sind. Lau­te Pro­pa­gan­dis­ten und Wühl­tisch-Sze­nen sucht man auf die­ser Pre­mi­um-Mes­se na­tür­lich ver­ge­bens – schon mit ih­rem re­gu­lä­ren Ein­tritts­preis von 15 Eu­ro ist sie nichts für Schnäpp­chen­jä­ger, son­dern für Con­nais­seu­re.

Es darf wei­ter ge­staunt wer­den: über frech-fri­schen Schmuck der Schü­le­rin­nen der Gold­schmie­de­schu­le Pforz­heim et­wa. Über Kunst, die es auch zum Aus­lei­hen gibt, da­mit im ed­len Zu­hau­se auch ja kei­ne Lan­ge­wei­le auf­kommt. Star-Ge­füh­le bie­tet die Ma­jo­li­ka-Ke­ra­mik-Ma­nu­fak­tur aus Karls­ru­he mit ih­rem Bam­bi für je­der­mann. Ja, ir­gend­wie geht es schon ziem­lich kunst­voll-tie­risch zu auf die­ser De­si­gn­mes­se.

Und dann wä­re da noch der Glööck­ler, Ha­rald Glööck­ler. Der Mär­chen­prinz des 21. Jahr­hun­derts zeigt auch Wild mit Ge­weih, das aber eher wie ei­ne Kro­ne aus­schaut. Des Glööck­lers Kingsi­ze-Bett ist eben­falls pom­pös und mit ei­ner Kro­ne ver­ziert. Na ja, und dann lädt der fern­se­her­prob­te De­si­gner (sie­he auch In­ter­view auf der Sei­te Süd­west­echo) auch noch ein, sein de­sign­tes Mo­tor­rad zu be­stau­nen. Auch dar­auf wür­de man sich jetzt am liebs­ten set­zen, so be­quem schaut das Bi­ke aus – geht na­tür­lich in die­sem Fall nicht. Aber, wie er­wähnt. Sitz­ge­le­gen­hei­ten gibt es auch so auf der Eu­ni­que zur Ge­nü­ge.

GAR NICHT ANGESTAUBT: In ve­ga­nen Zei­ten be­geis­tert der Reh­bock Ole, kre­iert aus re­cy­cel­ten Stof­fen, in sei­nen far­ben­fro­hen Va­ri­an­ten nicht nur Jä­ger. Er ist ei­ner der Hin­gu­cker auf der Mes­se Eu­ni­que/Loft bis mor­gen in der Mes­se Karls­ru­he. Fo­to: Sand­bil­ler

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