Ne­ben­sai­son war ges­tern

Cam­ping­plät­ze sind un­ge­mein be­liebt / Zah­lungs­kräf­ti­ge Kun­den

Brettener Nachrichten - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Chris­ti­ne Schult­ze

Mün­chen/Ber­lin. Beim Cam­ping in der Na­tur die See­le bau­meln las­sen – noch nie war die­se Ur­laubs­form in Deutsch­land so ge­fragt wie heu­te. Vor al­lem mit Be­ginn der war­men Jah­res­zeit zieht es die Men­schen für ein paar Ta­ge auf ei­nen der rund 3 000 Cam­ping­plät­ze in Deutsch­land, Ten­denz stei­gend. Aber auch von küh­lem Re­gen­wet­ter las­sen sich Cam­per heu­te kaum noch ab­schre­cken, schließ­lich be­sit­zen im­mer mehr ein kom­for­ta­bles Wohn­mo­bil oder re­si­die­ren im Lu­xus-Wohn­wa­gen – und sind da­mit für al­le Wet­ter­ka­prio­len ge­rüs­tet.

Auch des­halb bleibt die Bran­che nach meh­re­ren Re­kord­jah­ren in Fol­ge für 2017 op­ti­mis­tisch, wie der Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des der Cam­ping­wirt­schaft in Deutsch­land, Gun­ter Rie­chey, sagt. Die zah­lungs­kräf­ti­ge Kund­schaft mit Ca­ra­vans und Rei­se­mo­bi­len macht mitt­ler­wei­le rund 80 Pro­zent der tou­ris­ti­schen Gäs­te aus – und das, ob­wohl die­se Ur­laubs­form in­klu­si­ve An­schaf­fungs­kos­ten und Platz­mie­te nicht ge­ra­de als güns­tig gilt. 30,4 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen und neun Mil­lio­nen Gäs­te­an­künf­te re­gis­trier­te der Bun­des­ver­band im ver­gan­ge­nen Jahr – je rund vier Pro­zent mehr als 2015. Be­lieb­tes­tes Ziel der Cam­per blieb Bay­ern mit 5,2 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen auf Cam­ping­plät­zen, dicht ge­folgt von Meck­len­burg-Vor­pom­mern mit knapp fünf Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen und Nie­der­sach­sen mit 4,4 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen. Ge­tra­gen wird der Boom vor al­lem von in­län­di­schen Gäs­ten, die im ver­gan­ge­nen Jahr aber­mals mehr Über­nach­tun­gen auf den deut­schen Plät­zen buch­ten.

Auch Er­win Obe­ra­scher, Ge­schäfts­füh­rer des In­ter­net­por­tals cam­ping.in­fo, sieht für die ak­tu­el­le Sai­son ei­nen an­hal­ten­den Auf­wärts­trend. Die Zu­grif­fe auf das Por­tal hät­ten in den ers­ten vier Mo­na­ten im Jah­res­ver­gleich um 15 Pro­zent zu­ge­legt. Im­mer häu­fi­ger kom­me es vor, dass Cam­ping­plät­ze auch au­ßer­halb der Sai­son aus­ge­bucht sei­en. Auch hier dürf­te der Boom bei Rei­se­mo­bi­len ei­ne Rol­le spie­len. „In man­chen Re­gio­nen gilt Pfings­ten be­reits als Haupt­sai­son, da­von hät­te vor zehn Jah­ren nie­mand zu träu­men ge­wagt“, sagt Obe­ra­scher.

Aber auch das Zel­ten er­lebt mit dem wach­sen­den An­ge­bot hoch­wer­ti­ger Aus­rüs­tung ei­ne Re­nais­sance. Ge­ra­de für jun­ge Fa­mi­li­en sei das ei­ne Mög­lich­keit, für we­nig Geld ins Cam­ping ein­zu­stei­gen, sagt Rie­chey. Zu­mal die deut­schen Cam­ping­plät­ze eu­ro­pa­weit noch im­mer zu den güns­tigs­ten zäh­len, wie Rie­chey sagt.

Da­bei hät­ten schon vie­le Be­trei­ber stark in ih­re Plät­ze in­ves­tiert. WLAN und Lounge-Auf­ent­halts­be­rei­che ge­hö­ren bei vie­len eben­so zur Gr­und­aus­stat­tung wie mo­der­ne Sa­ni­tär­häu­ser. Nach­hol­be­darf ge­be es aber noch bei al­ter­na­ti­ven Über­nach­tungs­for­men wie Mo­bil­hei­men oder Block­hüt­ten. Hier hät­ten Plät­ze in den Nie­der­lan­den und in Sü­d­eu­ro­pa noch im­mer die Na­se deut­lich vorn, sagt Rie­chey. „Bei uns gibt es da­für bau­recht­li­che Ein­schrän­kun­gen.“Der Ver­band hat des­halb ei­ne ei­ge­ne Mus­ter­ver­ord­nung für Cam­pin­gund Wo­chen­end­plät­ze er­ar­bei­tet und will die­se in die po­li­ti­schen Pro­zes­se ein­brin­gen.

AL­TER­NA­TI­VE ZUM HO­TEL: Der Ur­laub auf dem Cam­ping­platz hat sein Bil­lig­hei­mer-Image ab­ge­streift. Fo­to: dpa

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