Im Zei­chen des Ver­trau­ens

Ba­di­sches Staats­thea­ter: Am Di­ens­tag be­ginnt die Karls­ru­her Bal­lett­wo­che

Brettener Nachrichten - - KULTUR -

Wenn Bir­git Keil über John Cran­ko spricht, leuch­ten ih­re Au­gen noch mehr als sonst. Auch wenn es in­zwi­schen ei­ne Wei­le her ist, so weiß sie es doch nach wie vor aufs Höchs­te zu schät­zen, dass sie der Chef des Stutt­gar­ter Bal­letts da­mals, als sie 16 Jah­re jung war, nicht als Ele­vin ein­stuf­te, son­dern sie gleich mit ei­nem Voll­ver­trag en­ga­gier­te. Völ­li­ge Hin­ga­be und Lie­be zur Sa­che ha­be sie und die an­de­ren in der Com­pa­gnie, na­ment­lich Mar­cia Hay­dée, Egon Mad­sen und Richard Cra­gun aus­ge­zeich­net. „Wir wa­ren im­mer be­reit für al­les – das hat uns aus­ge­zeich­net“, er­klärt die Tän­ze­rin, die in der nun­mehr 14. Spiel­zeit Bal­lett­di­rek­to­rin des Ba­di­schen Staats­thea­ters ist. Und sie er­gänzt: „Es war wie ei­ne Eu­pho­rie.“

Ei­ne von Cran­kos Cho­reo­gra­fi­en wird auch bei der Karls­ru­her Bal­lett­wo­che zu se­hen sein, die am kom­men­den Di­ens­tag mit der Dop­pel­pro­duk­ti­on „Das klei­ne Schwar­ze/ The Ri­ot of Spring“be­ginnt. Drei Ta­ge spä­ter steht dann „Der Wi­der­spens­ti­gen Zäh­mung“auf dem Pro­gramm, ei­ne Cho­reo­gra­fie, die der bahn­bre­chen­de Bri­te nach Wil­li­am Sha­ke­speares Ko­mö­die er­son­nen und 1969 in Stutt­gart ur­auf­ge­führt hat. „Ich möch­te Cran­ko wür­di­gen,“be­tont Keil vol­ler Dank­bar­keit, dass man ihr die Auf­füh­rungs­rech­te ge­schenkt hat, wie üb­ri­gens auch zu dem von Cran­ko kre­ierten Pas de deux „Aus Hol­bergs Zeit“, der noch heu­te als eins­ti­ges Pa­ra­de­stück von Bir­git Keil und Heinz Cl­auss gilt und der auch bei der Ga­la zum Ab­schluss der Bal­lett­wo­che zu se­hen sein wird – dies­mal mit Ju­lia Pavlov und Ti­mo­teo Mock, die bei­de seit die­ser Spiel­zeit neu in der Karls­ru­her Com­pa­gnie sind.

Aber es geht Bir­git Keil nicht al­lein dar­um, Büh­nen­wer­ke des 1973 wäh­rend ei­nes Trans­at­lan­tik­flugs im Al­ter von 45 Jah­ren ver­stor­be­nen Cho­reo­gra­fen für Karls­ru­he zu ak­ti­vie­ren. Sie möch­te et­was von sei­nem künst­le­ri­schen Esprit und sei­ner Ein­stel­lung ge­gen­über der Tanzkunst an den Nach­wuchs wei­ter­ge­ben. Sie möch­te der Ju­gend et­was von dem Ein­satz für, wie sie sagt, „die Pro­fes­si­on, die un­ser Le­ben ist“, ver­mit­teln. Und so ha­be sie denn auch, als ihr im Ju­li 1997 die Lei­tung der Aka­de­mie des Tan­zes der Staat­li­chen Hoch­schu­le für Mu­sik und Darstel­len­de Kunst in Mannheim über­tra­gen wur­de, mit­ge­teilt, dass sie ei­nen Satz nie hö­ren möch­te: „Das hab’ ich im­mer so ge­macht.“Hat sie doch an John Cran­ko nicht zu­letzt des­sen Of­fen­heit und Viel­sei­tig­keit ge­schätzt. „Ich konn­te John im­mer se­hen,“er­in­nert sich sei­ne eins­ti­ge Pri­ma­bal­le­ri­na: „Er war so viel­sei­tig. Es war nie zu viel. Ge­ni­al.“Wo­bei sie nicht ver­säumt, dar­auf auf­merk­sam macht, dass Ge­nie nicht ein­fach vom Him­mel fällt, son­dern sich als Ver­bin­dung aus har­ter Ar­beit und ei­nem Fun­ken des ge­wis­sen Et­was er­gibt. Was Bir­git Keil eben­falls ger­ne an Cran­ko zu­rück­den­ken lässt, ist das Ver­trau­en, das er ihr ent­ge­gen­brach­te. Aus die­sem Geist des Ver­trau­ens her­aus hat die viel­fach Geehr­te zu­sam­men mit der Mai­län­der Kunst­mä­ze­nin Mad­da­le­na Mi­na di So­s­pi­ro 1995 die Tanz­stif­tung Bir­git Keil ins Le­ben ge­ru­fen, die schon vie­le an­ge­hen­de Tän­ze­rin­nen und Tän­zer un­ter­stützt hat – sehr zur Freu­de der Ge­för­der­ten, aber auch des Pu­bli­kums, das in den Ge­nuss von de­ren Kön­nen kommt. Micha­el Hübl

VOL­LER LEI­DEN­SCHAFT FÜR DIE TANZKUNST: Bir­git Keil lei­tet seit der Spiel­zeit 2003/04 das Karls­ru­her Bal­lett. Fo­to: Falk von Trau­ben­berg

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