Bel­gi­sches Bier ist Kul­tur­er­be

Es gibt fast 1 500 ver­schie­de­ne Sor­ten / Tra­di­ti­on steht im Vor­der­grund

Brettener Nachrichten - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Mat­thi­as Ar­nold

Brüssel. Die bel­gi­sche Bier­kul­tur hat in Brüssel ei­nen Platz, der ih­rer wür­dig ist: Der spek­ta­ku­lä­re Grand-Place bil­det seit vie­len Jahr­hun­der­ten das Herz­stück der bel­gi­schen Haupt­stadt. Das Rat­haus flan­kie­ren die Ba­rock­fas­sa­den der ehe­ma­li­gen Zunft­häu­ser. Auch die Brau­er­zunft war hier ver­tre­ten. Heu­te sitzt im sel­ben Ge­bäu­de Bel­gi­ens größ­ter Braue­rei­ver­band. Fast 1 500 ver­schie­de­ne Bier­sor­ten wer­den laut Unesco in dem Land pro­du­ziert.

Seit En­de ver­gan­ge­nen Jah­res prangt die bel­gi­sche Bier­kul­tur auch auf der Unesco-Lis­te des im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes der Mensch­heit. Im ehr­wür­di­gen Rat­haus am Grand-Place be­kom­men Ver­tre­ter des Lan­des und sei­ner Sprach­ge­mein­schaf­ten nun die of­fi­zi­el­le Aus­zeich­nung über­reicht. Ei­ne Eh­re, die der eben­falls tra­di­ti­ons­rei­chen deut­schen Bier­kul­tur bis­lang ver­wehrt blieb. „Es geht nicht um das Pro­dukt an sich, es geht um die Tra­di­ti­on, die Art und Wei­se wie Bier her­ge­stellt, ser­viert und kon­su­miert wird“, er­klärt Ver­bands­ge­schäfts­füh­rer Je­an-Lou­is Van de Per­re. „Für fast je­de Bier­mar­ke gibt es ein ei­ge­nes Glas, es gibt un­end­lich vie­le Ar­ten der Gä­rung.“Der Stolz auf die ei­ge­ne Bier­tra­di­ti­on spie­gelt sich aber nicht so recht wi­der im Trink­ver­hal­ten der Bel­gi­er. Der Pro-Kopf-Kon­sum lag nach Ver­bands­an­ga­ben im Jahr 2015 bei durch­schnitt­lich rund 71 Li­tern pro Ein­woh­ner. Fünf Jah­re zu­vor wa­ren es noch sie­ben Li­ter mehr.

Dass die Unesco nun die bel­gi­sche Bier­tra­di­ti­on zum im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­be er­nannt hat, wur­de auch in Deutsch­land re­gis­triert. Schließ­lich wird die Bier­kul­tur auch dort ze­le­briert. Nach An­ga­ben des Deut­schen Brau­er­Bunds pro­du­zie­ren in Deutsch­land rund 1 400 Braue­rei­en et­wa 6 000 ver­schie­de­ne Mar­ken. Den­noch hat es das Brau­we­sen bis­lang nicht ein­mal ins deut­sche Ver­zeich­nis des im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes ge­schafft – ei­ne Vor­aus­set­zung, um für die of­fi­zi­el­le Unesco-Lis­te no­mi­niert zu wer­den. Das liegt auch dar­an, dass Deutsch­land erst 2013 dem ent­spre­chen­den Unesco-Über­ein­kom­men bei­ge­tre­ten ist. Bel­gi­en ist schon deut­lich län­ger da­bei. „Es gab im Jahr 2014 ei­ne Be­wer­bung aus Bay­ern für das bun­des­wei­te Ver­zeich­nis“, sagt die Spre­che­rin der deut­schen Unesco-Kom­mis­si­on, Kat­ja Rö­mer. Aber die wur­de ab­ge­lehnt.

JE­DE BIER­MAR­KE hat ei­ge­nes Glas. in Bel­gi­en ein Fo­to: dpa

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