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Brettener Nachrichten - - ZEITGESCHEHEN -

Deutsch­land geht es wirt­schaft­lich sehr gut. Kommt des­halb kei­ne Wech­sel­stim­mung auf?

Schulz: Deutsch­land geht es zwar als Land gut, aber dass es je­dem im Land gut­geht, ist ein Trug­schluss. Zum Bei­spiel ha­ben wir ei­ne Zwei-Klas­sen-Me­di­zin. Vie­le Bür­ger ma­chen die Er­fah­rung, dass sie im War­te­zim­mer sit­zen, und je­mand, der nach ih­nen ge­kom­men ist, kommt vor ih­nen dran. Weil er privat ver­si­chert ist. Und wenn wir bei un­se­rem Ren­ten­sys­tem nicht ein­grei­fen, wird die Al­ters­ar­mut ge­wal­tig zu­neh­men. Vor al­lem Frau­en wer­den dar­un­ter lei­den. Es gibt Ver­hält­nis­se in der Pfle­ge, die teil­wei­se dra­ma­tisch sind. Nach zwölf Jah­ren An­ge­la Mer­kel sind das er­schre­cken­de Be­fun­de.

Die SPD hat in den ver­gan­ge­nen 19 Jah­ren 15 Jah­re ent­we­der den Kanz­ler ge­stellt oder war an der Re­gie­rung be­tei­ligt. Trotz­dem ist es Ih­rer Mei­nung nach um die so­zia­le Ge­rech­tig­keit schlecht be­stellt. War­um?

Schulz: Na ja, wir ha­ben ei­ne Men­ge durch­ge­setzt: Den Min­dest­lohn, die ab­schlags­freie Ren­te nach 45 Ver­si­che­rungs­jah­ren, die Ehe für al­le. Doch wir hät­ten viel mehr schaf­fen kön­nen. Zum Bei­spiel wur­de das Rück­kehr­recht für Frau­en von Teil­zeit in ei­ne Voll­zeit­stel­le von An­ge­la Mer­kel, von ei­ner Frau, blo­ckiert. Sie hat ei­ne gan­ze Rei­he von Ent­schei­dun­gen ver­hin­dert, mit de­nen wir so­zia­len Fort­schritt hät­ten er­zie­len kön­nen. Da­für muss schon Frau Mer­kel ge­ra­de­ste­hen. Mit ei­ner SPD-ge­führ­ten Re­gie­rung könn­ten wir viel mehr er­rei­chen.

Was wür­den Sie als Kanz­ler als Ers­tes un­ter­neh­men, um Deutsch­land ge­rech­ter zu ma­chen?

Schulz: Als ers­tes wür­de ich die Loh­n­un­gleich­heit zwi­schen Män­nern und Frau­en an­ge­hen. Und dann ei­ne na­tio­na­le

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