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Brettener Nachrichten - - POLITIK - MAR­KUS GRABITZ

Die EU mit ih­ren künf­tig 27 Mit­glieds­staa­ten ist ein be­hä­bi­ges po­li­ti­sches Ge­bil­de. Wenn man ihr Bei­ne ma­chen will, kann es nicht scha­den, so ehr­gei­zi­ge Re­form­plä­ne für die Zu­kunft auf­zu­zei­gen, wie es der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron An­fang der Wo­che ge­tan hat.

Doch der An­satz, wie ihn EU-Rats­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker bei sei­ner Ruck-Re­de vor dem Straß­bur­ger Par­la­ment ver­tre­ten hat, ist wohl rea­lis­ti­scher. Er plä­diert da­für, das „schö­ne Wetter“in der EU – da­mit meint er, es gibt ge­ra­de kei­ne aku­te Kri­se – zu nut­zen und das eu­ro­päi­sche Haus wet­ter­fest zu ma­chen für die nächs­ten Stür­me, die oh­ne­hin kom­men wer­den. Da­mit liegt er nä­her bei der Eu­ro­pa-Po­li­tik, wie sie tra­di­tio­nell im Ber­li­ner Kanz­ler­amt ver­folgt wird. Pa­ris for­mu­liert die gro­ßen Über­schrif­ten, Berlin küm­mert sich dann dar­um, wie das Pro­gramm aus­buch­sta­biert wird. Schon ist ab­seh­bar, dass Pa­ris und Berlin bei der kon­kre­ten Um­set­zung von Zu­kunfts­vor­ha­ben

durch­aus nicht im­mer ei­nig sind. So war es aber im­mer. Das ist auch nicht tragisch. Der viel be­schwo­re­ne deutsch-fran­zö­si­sche Mo­tor in der EU konn­te viel­mehr des­we­gen über wei­te Stre­cken so ef­fek­tiv ar­bei­ten, weil Pa­ris und Berlin im Dia­log Kom­pro­miss­po­si­tio­nen er­ar­bei­tet ha­ben, die die an­de­ren Mit­glieds­län­der dann je­weils für sich über­nom­men ha­ben. Nun be­steht die Ge­fahr, dass die be­währ­te Auf­ga­ben­tei­lung zwi­schen Pa­ris und Berlin nicht in die Gän­ge kommt, weil Berlin nicht hand­lungs­fä­hig ist. Für die EU wä­re es fa­tal, wenn die Re­gie­rungs­bil­dung in Berlin zur Hän­ge­par­tie wird und sich dar­über wo­mög­lich das Fens­ter für not­wen­di­ge Re­for­men schließt.

Es herrscht so et­was wie Auf­bruchs­stim­mung im Eu­ro­päi­schen Club. Mit Je­an-Clau­de Juncker und Em­ma­nu­el Ma­cron ha­ben gleich zwei Schwer­ge­wich­te ehr­gei­zi­ge Re­den ge­hal­ten und Vi­sio­nen für das Eu­ro­pa der 27 auf­ge­zeigt.

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