Die Au­f­ar­bei­tung wird noch lan­ge dau­ern

Ur­sa­che der Stre­cken­sper­rung wei­ter­hin un­klar

Brettener Nachrichten - - ENDE DER RHEINTALBAHN-BLOCKADE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ju­li­us Sand­mann

Die Deut­sche Bahn (DB) sucht noch nach der Ur­sa­che der Tun­nel-Ha­va­rie bei Ras­tatt. Das än­dert al­ler­dings nichts dar­an, dass die Ver­schwö­rungs­theo­ri­en sprie­ßen und sich so­gar die Bun­des­re­gie­rung mit ei­nem ge­wis­sen „Train­boy 111143146“be­schäf­ti­gen muss. Denn die­ser Nut­zer hat­te be­reits vor über zwei Mo­na­ten un­ter ein Youtube-Vi­deo des Bahn­pro­jekts Karls­ru­he–Ba­sel ge­schrie­ben, dass das Gleis im Sü­den Ras­tatts beim Über­fah­ren des Tun­nels im­mer mehr wa­ckeln wür­de. Die Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Klei­ne An­fra­ge der Grü­nen: „Nach An­ga­ben der DB AG be­fand sich die Tun­nel­vor­triebs­ma­schi­ne zum Zeit­punkt die­ses Hin­wei­ses noch nicht im Be­reich der Rhein­tal­bahn­que­rung.“Ein Zu­sam­men­hang sei da­her aus­ge­schlos­sen.

Die gan­ze Bun­des­re­pu­blik – und mit­un­ter auch das Aus­land – hat in den ver­gan­ge­nen sie­ben Wo­chen ge­spannt auf den Un­ter­grund in Ras­tatt-Nie­der­bühl ge­blickt. Bis spä­tes­tens März 2018 sol­len im Zu­ge des Sch­lich­tungs­ver­fah­rens zwi­schen DB und Ar­ge Tun­nel Ras­tatt die Ur­sa­che und die da­mit ver­bun­de­ne Ver­ant­wort­lich­keit für die Ge­scheh­nis­se am 12. Au­gust ge­klärt sein. Un­ab­hän­gig da­von dürf­ten die Kon­se­quen­zen für den Bahn-Kon­zern enorm sein. „Die DB AG hat die Dring­lich­keit er­kannt, im Kri­sen­fall für die eu­ro­päi­schen und deut­schen Ma­gis­tra­len ab­ge­stimm­te in­ter­na­tio­na­le Not­fall­kon­zep­te für den Um­lei­tungs­ver­kehr ver­füg­bar zu ha­ben“, heißt es in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung. Nach der Stre­cken­sper­rung bei Ras­tatt sei­en „Lö­sun­gen im Ein­zel­fall ge­fun­den“wor­den.

In der Lan­des­re­gie­rung mischt sich Er­leich­te­rung mit mas­si­ver Kri­tik. Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) er­klär­te, er sei froh, dass die Zü­ge von Mon­tag an end­lich wie­der fah­ren wür­den. Weil die DB je­doch ei­ne Ver­zö­ge­rung beim Aus­bau der Rhein­tal­bahn bei Ras­tatt um rund zwei Jah­re in Fol­ge der Tun­nel-Ha­va­rie ver­kün­den muss­te, blei­be „ei­nem die Freu­de über die Wie­der­in­be­trieb­nah­me der Stre­cke im Hal­se ste­cken“. Die Ar­bei­ten zwi­schen Karls­ru­he und Ba­sel soll­ten des­we­gen in den an­de­ren Be­rei­chen be­schleu­nigt wer­den. „Das Ge­samt­pro­jekt soll­te auf je­den Fall bis 2035 ab­ge­schlos­sen sein“, sag­te Her­mann.

Auch die wirt­schaft­li­chen Fol­gen dürf­ten die Bahn noch lan­ge be­schäf­ti­gen. In ei­nem Schrei­ben an den Vor­stand von DB Netz be­zeich­net das Netz­werk Eu­ro­päi­scher Ei­sen­bah­nen (NEE) die Sper­rung der Rhein­tal­bahn als „ver­hee­rend“. Das NEE kri­ti­sier­te zu­dem das Sch­lich­tungs­ver­fah­ren, wel­ches „den ge­sam­ten Pro­zess ei­ner trans­pa­ren­ten Kon­trol­le der mit­tel­bar Be­trof­fe­nen so­wie der Be­hör­den“ent­zie­he. Peter Wes­ten­ber­ger, Ge­schäfts­füh­rer des Netz­werks, geht da­von aus, dass al­lei­ne bei den Un­ter­neh­men im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr Schä­den von bis zu 100 Mil­lio­nen Eu­ro ent­stan­den sind. Er kri­ti­sier­te zu­dem, dass das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um auf ih­re Bit­ten nicht ein ein­zi­ges Mal re­agiert hät­te, „es war und ist wie vom Erd­bo­den ver­schluckt“.

Für die Ver­ant­wort­li­chen in der Re­gi­on steht die Frei­ga­be der Stre­cke für den Per­so­nen­ver­kehr im Vor­der­grund – ob­wohl die Stra­ßen­bah­nen der AVG erst am 4. Ok­to­ber wie­der re­gel­mä­ßig fah­ren. „Wir sind froh, dass die­se Zeit ein En­de hat“, sag­te Ro­land Sei­ter, Spre­cher der Stadt Ba­den-Ba­den. Hans Jür­gen Pütsch (CDU), Ober­bür­ger­meis­ter der Ba­rock­stadt, er­klär­te, die Kri­se sei letzt­end­lich auch ei­ne Chan­ce ge­we­sen. „Deutsch­land­weit war Ras­tatt plötz­lich in al­ler Mun­de.“

NEE: Schä­den von bis zu 100 Mil­lio­nen Eu­ro

ENORMER AUF­WAND: Die Re­pa­ra­tur der Rhein­tal­bahn bei Ras­tatt war ein Kraft­akt der Bahn. Wie groß die wirt­schaft­li­chen Schä­den sind, ist noch nicht be­kannt. Fo­to: Deck

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