Rus­si­sche Füh­rung setzt auf Schrö­der

Alt­kanz­ler über­nimmt Vor­sitz in Ros­neft-Auf­sichts­rat

Brettener Nachrichten - - POLITIK -

St. Petersburg/Berlin (dpa). Alt­bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der (73) zieht trotz an­dau­ern­der Kri­tik in die Füh­rung des größ­ten rus­si­schen Öl­kon­zerns Ros­neft ein. Der 73-Jäh­ri­ge wur­de in St. Petersburg auf Vor­schlag der rus­si­schen Re­gie­rung erst in den Auf­sichts­rat ge­wählt und über­nahm dann des­sen Lei­tung. Vor Jour­na­lis­ten trat der ehe­ma­li­ge SPD-Po­li­ti­ker für ei­ne Lo­cke­rung der Russ­land-Sank­tio­nen ein. Ros­neft ist selbst von den Stra­fen der EU be­trof­fen, ver­hängt im Herbst 2014 we­gen des ver­deck­ten rus­si­schen Mi­li­tär­ein­sat­zes in der Ost­ukrai­ne.

Das Aus­sche­ren aus der EU-Po­li­tik hat dem Ex-Kanzler Kri­tik ein­ge­tra­gen. Die Agen­tur Tass zi­tier­te Schrö­der mit den Wor­ten, wenn es Fort­schrit­te in der Ost­ukrai­ne ge­be, müs­se man über Er­leich­te­run­gen re­den. Ver­schär­fun­gen der Sank­tio­nen im Ener­gie­sek­tor lä­gen nicht an der EU, son­dern an den USA. Schrö­der gilt seit Re­gie­rungs­zei­ten als Freund des rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin und ar­bei­tet seit sei­nem Aus­schei­den aus dem Kanz­ler­amt 2005 für den Gas­kon­zern Gaz­prom. Bei der Ak­tio­närs­ver­samm­lung lob­te Ros­neft-Chef Igor Set­schin ihn als an­ge­se­he­nen eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker. Schrö­der sol­le hel­fen, das Eu­ro­pa-Ge­schäft des Kon­zerns aus­zu­bau­en. Wei­te­rer Deut­scher im Auf­sichts­rat ist Mat­thi­as War­nig, ein frü­he­rer Of­fi­zier der DDR-Staats­si­cher­heit, der wie Schrö­der für Gaz­proms Ost­se­e­pipe­line-Pro­jek­te Nord Stream ar­bei­tet.

Deutsch­land sei an dem Aus­bau der Lei­tun­gen in­ter­es­siert, sag­te Schrö­der. Po­len, die bal­ti­schen Staa­ten und das Gas­tran­sit­land Ukrai­ne kri­ti­sie­ren, dass zu der ers­ten Dop­pel­röh­re noch ei­ne zwei­te ge­baut wer­den soll. Auch die EU hat Be­den­ken, weil die Ab­hän­gig­keit von rus­si­schem Gas wach­se. Ein Be­am­ter hät­te sich die Il­loya­li­tät ge­gen­über der EU nicht leis­ten dür­fen, sag­te der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und frü­he­re Ber­li­ner Jus­tiz­se­na­tor Tho­mas Heil­mann. Er for­der­te ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung, um die staat­li­che Ver­sor­gung ab­zu­er­ken­nen zu kön­nen. Trotz sei­ner Tä­tig­kei­ten in der Wirt­schaft er­hält der Alt­kanz­ler in die­sem Jahr 561 000 Eu­ro aus der Staats­kas­se für ein Bü­ro in Berlin.

GUT GE­LAUNT: Alt­bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der. Fo­to: dpa

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