Eli­te-Ti­tel rückt ein Stück­chen nä­her

For­scher der Karls­ru­her Uni­ver­si­tät punk­ten mit vier Pro­jek­ten beim Ex­zel­lenz-Wett­be­werb

Brettener Nachrichten - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied El­vi­ra Weisenburger

Karls­ru­he. Jetzt wä­re das Träu­men am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) ja ei­gent­lich wie­der er­laubt. Die Rück­kehr in die Rie­ge der deut­schen Eli­te-Uni­ver­si­tä­ten ist zu­min­dest wie­der in den Be­reich des Mög­li­chen ge­rückt: Mit vier For­schungs­pro­jek­ten konn­te sich das KIT in der Vor­aus­wahl des neu­en Ex­zel­lenz-Wett­be­werbs durch­set­zen. Da­mit ha­ben die Karls­ru­her For­scher die Hälf­te ih­rer An­trä­ge über die ers­te Hür­de ge­bracht. Mit acht so­ge­nann­ten For­schungs-Clus­tern – das sind fä­cher­über­grei­fen­de For­schungs­ver­bun­de – wa­ren sie ins Ren­nen ge­gan­gen. „Dass wir in der ers­ten Aus­wahl­run­de mit vier un­se­rer Skiz­zen über­zeugt ha­ben, ist ein gro­ßer Er­folg

Ein Team will das Rät­sel der Dunk­len Ma­te­rie lö­sen

für das KIT“, sag­te KIT-Prä­si­dent Hol­ger Han­sel­ka, nach­dem ihn die fro­he Bot­schaft von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft er­reicht hat­te.

Ei­ne in­ter­na­tio­na­le Ex­per­ten-Ju­ry hat­te aus 195 An­trags­skiz­zen letzt­lich 88 aus­er­wählt. Bis Fe­bru­ar müs­sen die Wis­sen­schaft­ler ih­re Kon­zep­te nun de­tail­liert aus­ar­bei­ten. Erst im Herbst 2018 wer­den die Ge­win­ner ge­kürt.

Die For­scher des KIT ar­bei­ten bei zwei ih­rer vier Pro­jek­te mit Kol­le­gen der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg zu­sam­men und bei ei­nem mit der Ul­mer Uni. Es geht um Grund­la­gen­for­schung – die in ei­nem Fall auch die Vorstellung vom Uni­ver­sum re­vo­lu­tio­nie­ren könn­te: Die mys­te­riö­se Dunk­le Ma­te­rie soll ei­nes der be­an­trag­ten Ex­zel­lenz-Clus­ter er­kun­den. Astro­teil­chen­phy­si­kern, Kos­mo­lo­gen und In­ge­nieu­re wol­len fä­cher­über­grei­fend ver­su­chen, das Rät­sel der un­sicht­ba­ren Ma­te­rie, die 85 Pro­zent des Wel­talls aus­macht, zu lö­sen. Bis zu zehn Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich er­hält ein For­schungs­team, falls es ein Ex­zel­lenz­Clus­ter be­wil­ligt be­kommt – und zwar sie­ben Jah­re lang.

Bei den drei an­de­ren KIT-Pro­jek­ten, die noch im Ren­nen sind, geht es um neu­ar­ti­ge Ener­gie­spei­cher jen­seits der Li­thi­um-Tech­no­lo­gie, um Al­go­rith­men-Ent­wick­lung in Zei­ten „ex­plo­die­ren­der“Da­ten­men­gen, au­ßer­dem um neue De­si­gn­ma­te­ria­li­en und Ver­fah­ren für den 3-D-Druck mit Hil­fe der Na­no­tech­no­lo­gie. Dass die­se For­schungs­vor­ha­ben nun in die en­ge­re Aus­wahl des „har­ten“Ex­zel­lenz-Wett­be­werbs ge­langt sind, be­stä­tigt aus Han­sel­kas Sicht, dass das KIT mit sei­ner For­schung „her­vor­ra­gend auf­ge­stellt“sei.

Falls min­des­tens zwei Pro­jek­te im nächs­ten Jahr auch von der Ex­zel­len­zKom­mis­si­on als her­vor­ra­gend und för­de­rungs­wür­dig ein­ge­stuft wer­den – dann kann auch das KIT als Gan­zes in die al­ler­letz­te Wett­be­werbs­run­de star­ten und um die Aus­zeich­nung als Eli­teU­ni­ver­si­tät kämp­fen. Das wä­re ei­ne spä­te Re­ha­bi­li­ta­ti­on. Denn im Jahr 2012 stürz­te das KIT ins Jam­mer­tal, als es nach nur ei­ner För­der­pe­ri­ode sei­nen Ex­zel­lenz-Ti­tel wie­der ver­lor. Doch KIT-Chef Han­sel­ka be­müht sich, die­ses The­ma nicht all­zu hoch zu hän­gen. „Wir ha­ben nicht die Vorstellung, dass wir das un­be­dingt schaf­fen müs­sen“, sagt er über den Ti­tel ei­ner Ex­zel­len­zU­ni. Und er ver­weist auf die Son­der­rol­le des KIT, das durch die Fu­si­on mit dem For­schungs­zen­trum ent­stand: „Wir sind als KIT Uni­ver­si­tät und gleich­zei­tig Helm­holtz-Zen­trum mit un­se­rer Groß­for­schung.“

Mit der Idee zur KIT-Grün­dung sieg­te Karls­ru­he 2006 im Eli­te-Wett­streit. Noch im­mer ist die­se Fu­si­on längst nicht kom­plett ge­glückt. Der Weg sei „stei­nig“, räumt Han­sel­ka ein.

Nächs­tes Jahr müss­te die Uni mit dem Kon­zept für die Fort­ent­wick­lung des KIT im Uni-Wett­be­werb an­tre­ten. Ob es glückt? Um­ge­setzt wer­de die Stra­te­gie KIT 2025 oh­ne­hin, weil zen­tra­le Ele­men­te „über­le­bens­wich­tig“sei­en, meint Han­sel­ka: „Es ist schon ganz viel ge­schafft, aber ei­nes noch nicht: die Zu­sam­men­füh­rung der zwei Fi­nanz­strö­me. Das steht ganz oben auf un­se­rer Agen­da.“Kom­men­tar Sei­te 2

Fo­tos: Rich­ter/KIT

DE­SI­GN­MA­TE­RIA­LI­EN FÜR DEN 3-D-DRUCK spie­len bei ei­nem For­schungs­vor­ha­ben un­ter Be­tei­li­gung der KIT-Na­no­tech­no­lo­gen ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Über­zeugt es die Ex­zel­lenz-Ju­ry, dann win­ken jähr­lich bis zu zehn Mil­lio­nen Eu­ro.

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