Grün-Schwarz ver­hakt sich beim Fe­in­staub

Ko­ali­ti­ons­aus­schuss fin­det kei­nen Kom­pro­miss

Brettener Nachrichten - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stuttgart. Das The­ma ist zwar be­deu­tend, doch die Zu­ver­sicht schien groß: Als am Frei­tag um 13 Uhr die Spit­zen der Grün-Schwar­zen Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on in der Vil­la Reit­zen­stein un­ter Lei­tung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann zu­sam­men­tra­ten, glaub­te man, nach längs­tens ei­ner Stun­de ei­nen Knopf an die Sa­che mit dem Die­sel-Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ma­chen zu kön­nen. Am En­de aber ver­hak­ten sich grü­ne und schwar­ze Mit­glie­der des Ko­ali­ti­ons­aus­schus­ses wie bis­lang noch nie. Re­gie­rungs­spre­cher Ru­di Hoogv­liet muss­te den war­ten­den Jour­na­lis­ten drei­ein­halb St­un­den nach Be­ra­tungs­be­ginn schul­ter­zu­ckend mit­tei­len, dass es (noch) kein Er­geb­nis gibt. Der Aus­schuss hat sich ver­tagt.

Im We­sent­li­chen gibt es für die Lan­des­re­gie­rung drei Hand­lungs­op­tio­nen: Den heik­len Rich­ter­spruch hin­neh­men? In Be­ru­fung ge­hen und die Sa­che da­mit er­neut in­halt­lich auf­rol­len? Oder die so­ge­nann­te Sprung­re­vi­si­on ver­fol­gen, bei der die nächs­te In­stanz über­sprun­gen wird und der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Leip­zig als letz­te In­stanz le­dig­lich die ju­ris­ti­sche Sei­te über­prüft?

Es steht ei­ni­ges auf dem Spiel; schließ­lich dro­hen laut dem auf Initia­ti­ve der Deut­schen Um­welt­hil­fe (DUH) zu­stan­de ge­kom­me­nen Stutt­gar­ter Rich­ter­spruch Fahr­ver­bo­te für äl­te­re Die­sel­au­tos in der Lan­des­haupt­stadt. Und we­nig hat­te bis­lang dar­auf hin­ge­deu­tet, dass sich die po­li­ti­sche De­bat­te über die Fol­gen des Ur­teils bis zur Vor­stu­fe ei­ner mög­li­chen hand­fes­ten Ko­ali­ti­ons­kri­se aus­wei­ten wür­de.

Die CDU hält Fahr­ver­bo­te für falsch und ver­spricht sich von ei­ner Be­ru­fung ein güns­ti­ge­res Ur­teil, da dann die jüngst ge­plan­ten Maß­nah­men zur Ab­gas­re­du­zie­rung ein­ge­ar­bei­tet wer­den könn­ten – vor al­lem die Soft­ware-Up­dates, die die Stick­oxid-Emis­sio­nen merk­lich re­du­zie­ren sol­len. Da­ge­gen wol­len die Grü­nen ei­ne Be­ru­fung we­gen des Ri­si­kos ei­ner Ver­schlech­te­rung ver­mei­den; als Kom­pro­miss­for­mel galt bis zu­letzt die Sprung­re­vi­si­on. Wel­che Rol­le bei der jet­zi­gen Ko­ali­ti­ons-Ha­va­rie die For­de­rung von Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) spiel­te, 400 Mil­lio­nen Eu­ro Bun­des­mit­tel zur Luf­t­rein­hal­tung in den Groß­raum Stuttgart flie­ßen zu las­sen, blieb un­klar. Die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung hat nun bis Mitt­woch, 4. Ok­to­ber, Zeit, über mög­li­che Rechts­mit­tel zu ent­schei­den. Bis da­hin wer­de man die noch of­fe­nen Fra­gen klä­ren, ver­si­cher­te der Re­gie­rungs­spre­cher.

Mit sei­nem Ur­teil hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Stuttgart der Deut­schen Um­welt­hil­fe Recht ge­ge­ben: Land und Lan­des­haupt­stadt tun dem­nach nicht ge­nug, um die seit Jah­ren über­schrit­te­nen EU-Grenz­wer­te für Stick­oxi­de ein­zu­hal­ten. Al­lein Fahr­ver­bo­te für Au­tos mit Ot­to­mo­to­ren und schlech­te­rer Ab­gas­ein­stu­fung als Eu­ro 3 so­wie für Die­sel un­ter­halb der Norm Eu­ro 6 ver­spre­chen dem­nach Er­folg. Die Grü­nen po­chen auf die bun­des­wei­te Ein­füh­rung der blau­en Pla­ket­te so­wie auf flan­kie­ren­de In­ves­ti­tio­nen in den öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr, in La­de­säu­len für E-Mo­bi­li­tät, mehr Rad­we­ge und die Bahn­in­fra­struk­tur. Das weit ge­hen­de Stutt­gar­ter Fe­in­stau­bur­teil hat­te bun­des­weit Auf­se­hen er­regt.

Bis 4. Ok­to­ber hat die Lan­des­re­gie­rung Zeit

DIE LUFTBELASTUNG in Stuttgart be­las­tet auch das Ko­ali­ti­ons­kli­ma. Fo­to: dpa

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