Auf zum letz­ten Hur­ra

„The End of The End“– ein Film über Hea­vy Me­tal-Ur­vä­ter Black Sab­bath

Brettener Nachrichten - - KULTUR -

Wenn ei­ne Band ih­re Fans zu ei­nem letz­ten Hur­ra ins Ki­no ruft wie jetzt Black Sab­bath, fällt ei­nem un­will­kür­lich „The last Waltz“ein, die Do­ku vom letz­ten Kon­zert von The Band 1978. Doch wäh­rend bei der von Mar­tin Scor­se­se in Sze­ne ge­setz­ten Re­vue die Auf­trit­te von Gast­stars wie Eric Clap­ton, Rin­go Starr, Neil Young oder Mud­dy Wa­ters den be­son­de­ren Reiz aus­mach­ten, sind die bri­ti­schen Hea­vy Me­tal-Ur­vä­ter in „The End of The End“ganz bei sich selbst. In sei­ner Re­du­ziert­heit er­in­nert der Strei­fen, der ne­ben der Karls­ru­her Schau­burg welt­weit in 1 499 Ki­nos lief, eher an „To­tal­ly Strip­ped“, den fast schon in­ti­men 1995er Kon­zert­film der Rol­ling Sto­nes.

Doch wäh­rend Jag­ger und Co le­dig­lich ei­ne ge­wis­se Sym­pa­thie für den Teu­fel he­gen, steht er bei Black Sab­bath di­rekt auf der Büh­ne. Per­so­ni­fi­ziert durch Sän­ger Oz­zy Os­bourne. Zwar sieht der so­ge­nann­te Prin­ce of Dar­kness mit sei­nen 68 Jah­ren in­zwi­schen eher aus wie ein mu­si­ka­li­scher Don Quicho­te, was den Gän­se­h­aut­fak­tor von zeit­lo­sen Schwer­me­tal­lPre­zio­sen wie „Un­der The Sun“, „In­to The Vo­id“oder „Hand Of Doom“je­doch in kei­ner Wei­se schmä­lert.

Im Ge­gen­teil: Durch den Kniff, dass die Fil­me­ma­cher weit­ge­hend auf To­ta­len ver­zich­ten und den Prot­ago­nis­ten na­he­zu un­ent­wegt auf die fal­ti­ge Pel­le rü­cken und ein Sound­de­sign, das dem Ki­no­be­su­cher sug­ge­riert, Oz­zy wür­de ihm qua­si ins Ohr sin­gen, ent­steht ei­ne Nä­he zur Band wie sie bei ei­nem Sta­di­ongig nicht ein­mal aus der ers­ten Rei­he zu er­le­ben wä­re. Das ist fas­zi­nie­rend. Noch be­ein­dru­cken­der ist die In­ten­si­tät der Auf­füh­rung: Der Zau­ber, den Os­bourne, Gi­tar­rist To­ny Iom­mi und Bas­sist Gee­zer But­ler (Ori­gi­nal­drum­mer Bill Ward fehlt lei­der we­gen ei­nes Zer­würf­nis­ses) nach Jahr­zehn­ten des rou­ti­nier­ten Zu­sam­men­spiels bei ih­rem letz­ten Kon­zert am 4. Fe­bru­ar 2017 in ih­rer Hei­mat­stadt Bir­ming­ham noch im­mer ent­fal­ten, ist zu­tiefst an­rüh­rend. Ge­nau­so die von tie­fem Ver­ständ­nis, ja Freund­schaft zwi­schen den drei äl­te­ren Her­ren zeu­gen­den Mo­men­te bei ei­ner klei­nen Jam-Ses­si­on im Stu­dio we­ni­ge Ta­ge nach dem Kon­zert, wo sie ei­ni­ge sel­ten ge­spiel­te Lieb­lings­songs wie „Wi­cked World“oder „The Wiz­zard“zum Bes­ten ge­ben. Und wäh­rend dem al­ten Heu­ler „Chan­ges“wohl selbst das ein oder an­de­re Trän­chen ver­drü­cken müs­sen.

Al­ler­dings rü­cken sich die Schwarz­kit­tel zum Ab­schluss gleich wie­der ins rech­te Licht: „Ich se­he dich in L.A.“, sagt Gee­zer But­ler zum Ab­schied zu Oz­zy. „Wirst Du ihn se­hen?“, fragt Iom­mi. But­ler: „Nö“. Ge­läch­ter. Black Sab­bath sind nun mal nicht The Band. mesc

THE PRIN­CE OF DAR­KNESS: Oz­zy Os­bourne, Sän­ger der Band Black Sab­bath, beim Ze­le­brie­ren sei­ner Bot­schaf­ten. Fo­to: dpa

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