Prot­ago­nist des Free Jazz

Wil­fried Eich­horn im Al­ter von 78 Jah­ren ge­stor­ben

Brettener Nachrichten - - KULTUR -

„Im Jazz­kel­ler Karls­ru­he – dem al­ten, dunk­len, ge­müt­lich-un­ge­müt­li­chen Kel­ler in der Les­sing­stra­ße, der schon so viel deut­sche Jazz­ge­schich­te mit­er­lebt hat, gibt es ein be­mer­kens­wer­tes Ama­teu­ren­sem­ble, das Mo­dern Jazz Quin­tett Karls­ru­he“, so schrieb der „Jazz­papst“Joa­chim Ernst Be­rendt 1966 im Ma­ga­zin „Twen“über ei­ne Karls­ru­her Band, die ih­ren Ama­teur­sta­tus be­harr­lich der künst­le­ri­schen Un­ab­hän­gig­keit we­gen hoch hielt und gleich­zei­tig in­ter­na­tio­na­le Er­fol­ge fei­er­te. Ne­ben dem Trom­pe­ter Her­bert Joos, der jüngst für sein Le­bens­werk mit dem Jazz­preis des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg aus­ge­zeich­net wur­de, dem Pia­nis­ten Hel­mut Zim­mer und dem Schlag­zeu­ger Ru­dolf Theil­mann war der Sa­xo­fo­nist, Flö­tist und Bass­kla­ri­net­tist Wil­fried Eich­horn Mit­glied die­ser Ka­pel­le, die spä­ter zu Four­me­n­on­ly mu­tier­te, in den 70er Jah­ren auf den wich­ti­gen Fes­ti­vals spiel­te und zu den Prot­ago­nis­ten des Free Jazz in Deutsch­land zähl­te.

Wil­fried Eich­horn, der als stu­dier­ter Elek­tro­tech­ni­ker früh schon elek­tro­ni­sche Ef­fek­te in sein Spiel ein­band, war in den spä­te­ren 70er und 80er Jah­ren auch als Blä­ser der Fre­de­ric Ra­bold Cr­ew auf den eu­ro­päi­schen Jazz­büh­nen zu Hau­se. In sei­ner Hei­mat­stadt wo er auch ein ei­ge­nes, er­folg­rei­ches Un­ter­neh­men ge­grün­det hat­te, war Eich­horn lan­ge und in­ten­siv mit dem Jazz­club ver­bun­den, des­sen Vor­sitz er Mit­te der 70er Jah­re in­ne­hat­te und der ihm 1982 die Eh­ren­mit­glied­schaft ver­lieh.

Über ver­schie­de­ne Spiel­sta­tio­nen hin­weg ge­stal­te­te „Rims­ky“, wie er in der Jaz­zer­ge­mein­de ge­nannt wur­de, das zeit­ge­nös­si­sche Pro­gramm des Clubs und rief ei­ne Rei­he mit dem pro­gram­ma­ti­schen Ti­tel „Ex­pe­ri­men­te“ins Le­ben, die Jaz­zer mit Mu­si­kern an­de­rer Spar­ten im­pro­vi­sa­tiv zu­sam­men­brach­te. „Er war ein sehr ei­gen­stän­di­ger Mensch, der mit sei­nem In­stru­ment ei­ne her­aus­ra­gen­de Stim­me in der Band und der Jazz­sze­ne hat­te“, sagt Ru­dolf Theil­mann über den lang­jäh­ri­gen Band­kol­le­gen, „er sprach we­nig, aber wenn, dann war das sehr sub­stanz­reich.“Jetzt ist Wil­fried „Rims­ky“Eich­horn im Al­ter von 78 Jah­ren ge­stor­ben. jf

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