Ge­schäft mit Bei­ge­schmack

Brettener Nachrichten - - POLITIK -

MA­RIO BELTSCHAK

Ei­ne Über­ra­schung war es am En­de nicht mehr: Die Luft­han­sa über­nimmt ei­nen gro­ßen Teil von Air Berlin. So­fern die Kar­tell­be­hör­den dem De­al nicht doch noch ei­nen Rie­gel vor­schie­ben, dürf­ten zu­min­dest die Ar­beits­plät­ze ei­nes Groß­teils der Mit­ar­bei­ter ge­si­chert sein, der Staat be­kommt das Geld für sei­nen Kre­dit zu­rück und all zu vie­le Flug­gäs­te dürf­ten auch nicht in ver­meint­li­chen Ur­laubs­pa­ra­die­sen stran­den.

Und den­noch hat das Ge­schäft ei­nen mehr als fa­den Bei­ge­schmack. Denn fai­rer Wett­be­werb, wie ihn ge­ra­de deut­sche Un­ter­neh­men ger­ne laut­hals for­dern, sieht an­ders aus. Wä­re der Staat auch dann ein­ge­sprun­gen, wenn kei­ne na­tio­na­le Grö­ße wie die Luft­han­sa für die Über­nah­me be­reit­ge­stan­den hät­te? Wä­re auch Geld ge­flos­sen, wenn ein in Schief­la­ge ge­ra­te­ner Mit­tel­ständ­ler nach Hil­fe ge­ru­fen hät­te? Ist ein Kauf­preis von et­wa 210 Mil­lio­nen Eu­ro an­ge­mes­sen, wenn da­von mehr als 150 Mil­lio­nen Eu­ro

in die Til­gung des Staats­kre­dits flie­ßen? Dass in­ter­na­tio­na­le Kon­kur­ren­ten wie Rya­nair-Chef Michael O’Lea­ry vor die­sem Hin­ter­grund von Wett­be­werbs­ver­zer­rung spre­chen, ist durch­aus an­ge­mes­sen. Auch wenn der­lei Kri­ti­ker na­tür­lich in ers­ter Li­nie we­gen ih­res ei­ge­nen Pro­fits me­ckern.

Wenn die Markt­wirt­schaft nur noch ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le spielt, sind am En­de im Re­gel­fall die Kun­den die Leid­tra­gen­den. Zu­nächst wird si­cher die Freu­de über­wie­gen, dass man et­wa – sehr wahr­schein­lich – wei­ter aus der Re­gi­on in die Bun­des­haupt­stadt flie­gen kann. Nun eben mit Eu­ro­wings statt mit Air Berlin. Ob auch Ju­bel auf­kommt, wenn die Ti­cket­prei­se stei­gen, darf hin­ge­gen be­zwei­felt wer­den. Und genau das könn­te ge­sche­hen, wenn die Luft­han­sa mit ih­rem Wachs­tums­kurs Wett­be­wer­ber aus dem Markt ge­drängt hat. Die Po­li­tik hat mit dem Kre­dit ih­ren Teil da­zu bei­ge­tra­gen.

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