Un­ge­woll­te Geld­flut für vie­le Spar­kas­sen

Kom­mu­nen zie­hen von Groß­ban­ken Ein­la­gen ab

Brettener Nachrichten - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Dirk Neu­bau­er

Ba­den-Ba­den. Das ro­te Spar­schwein im Foy­er des Kon­gress­hau­ses Ba­den-Ba­den sym­bo­li­siert es: Im­mer mehr Ge­mein­den und Städ­te im Süd­wes­ten le­gen ihr Geld bei Spar­kas­sen an. Die Käm­me­rer der Kom­mu­nen ste­hen aus Si­cher­heits­grün­den unter Zug­zwang. Denn seit 1. Ok­to­ber gilt bei Kom­mu­nen nicht mehr die frei­wil­li­ge Ein­la­gen­si­che­rung der pri­va­ten Ban­ken. Ent­spre­chend wird Geld et­wa von Groß­ban­ken zu Spar­kas­sen und Volks­ban­ken trans­fe­riert. „Wir mer­ken das schon“, sagt der ba­den­würt­tem­ber­gi­sche Spar­kas­sen­prä­si­dent Pe­ter Schnei­der ge­gen­über den BNN am Ran­de des Kom­mu­nal­fo­rums sei­ner Fi­nanz­grup­pe.

Das Pro­blem ist nur: Die Spar­kas­sen kön­nen mit Blick auf die EZB-Null­zins­po­li­tik ei­gent­lich gar kei­ne wei­te­ren Spar­ein­la­gen ge­brau­chen. „Wir füh­len uns aber den kom­mu­na­len Trä­gern ver­pflich­tet“, so Schnei­der. Kurz­fris­tig zu den­ken sei falsch. Er un­ter­streicht aber, dass es je­der der 51 Spar­kas­sen im Süd­wes­ten selbst über­las­sen bleibt, ob sie Geld­an­la­gen von Kom­mu­nen li­mi­tiert oder Ne­ga­tiv­zin­sen wei­ter­gibt. Das The­ma ist we­gen der en­gen Ver­zah­nung der öf­fent­lich-recht­li­chen Spar­kas­sen mit den Kom­mu­nen hei­kel – die je­wei­li­gen Ober­bür­ger­meis­ter stel­len in der Re­gel auch den Vor­sitz in den Kon­troll­gre­mi­en der Geld­häu­ser. In Deutsch­land sind per Ge­setz Spar­ein­la­gen pro Kun­de bis 100 000 Eu­ro ge­schützt. Die Spar­kas­sen und Volks- so­wie Raiff­ei­sen­ban­ken ga­ran­tie­ren je­doch ei­ne un­be­grenz­te Si­che­rung.

So man­che Kom­mu­ne schwimmt auch dank spru­deln­der Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men im Geld. Un­ab­hän­gig von der je­wei­li­gen Fi­nanz­la­ge ra­ten Ver­tre­ter der Kom­mu­nen bei dem Spar­kas­sen­fo­rum, nicht nur die Schul­den­til­gung im Blick zu ha­ben, son­dern sinn­voll Geld aus­zu­ge­ben. „Ren­tier­li­che In­ves­ti­tio­nen jetzt tä­ti­gen“, sagt et­wa Marg­ret Mer­gen (CDU). Die Ober­bür­ger­meis­te­rin der Stadt Ba­den-Ba­den und aus­ge­wie­se­ne Fi­nanz­ex­per­tin ar­gu­men­tiert: Wenn jetzt bei­spiels­wei­se Schu­len sa­niert wer­den, sin­ken die Ener­gie­kos­ten dau­er­haft – auch wenn die Zin­sen ir­gend­wann wie­der an­zie­hen. Für pro­zy­kli­sche In­ves­ti­tio­nen plä­diert auch Die­ter Sa­lo­mon (Grü­ne), Frei­burgs OB und Prä­si­dent des Städ­te­tags Ba­denWürt­tem­berg. Mit­tel­fris­tig kä­me die Sa­nie­rung ei­ner ma­ro­den Stra­ße um das X-Fa­che teu­rer, ar­gu­men­tiert er. Das Pro­blem sei nur, dass sich bei Aus­schrei­bun­gen teil­wei­se kei­ne mehr mel­de, weil die Be­trie­be aus­ge­las­tet sei­en. „Hand­wer­ker ha­be ich schon lan­ge nicht mehr jam­mern ge­hört“, so Sa­lo­mon.

Ro­ger Keh­le, Prä­si­dent des Ge­mein­de­tags Ba­den-Würt­tem­berg, ist da­für, mehr Bau­land aus­zu­wei­sen und for­dert da­für recht­li­che Hür­den ab­zu­bau­en. „Bau­en muss wie­der schnel­ler und zu güns­ti­ge­ren Prei­sen ge­hen. Des­halb wer­den wir auf be­stimm­te Stan­dards ver­zich­ten müs­sen.“

Dass Im­mo­bi­li­en in Nied­rig­zins­zei­ten ex­trem teu­er ge­wor­den sind, re­la­ti­viert der Frei­bur­ger Fi­nanz­wis­sen­schaft­ler Bernd Raf­fel­hü­s­chen. Be­zo­gen auf den An­teil am Ein­kom­men, den Men­schen fürs Woh­nen aus­ge­ben, sei die Si­tua­ti­on mit der in den 60er Jah­ren ver­gleich­bar.

Mer­gen: Jetzt sinn­voll in­ves­tie­ren

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