„Räu­be­ri­sche und mör­de­ri­sche Rot­ten“

Der Bau­ern­krieg war von re­for­ma­to­ri­schen Ide­en be­ein­flusst / Mar­tin Lu­ther kri­ti­sier­te die Auf­stän­di­schen scharf

Bruchsaler Rundschau - - SÜDWESTECHO -

er­rei­chen: Sie soll­ten nur Kai­ser und Papst un­ter­ge­ord­net sein. Von 1501 an be­gann Fritz von sei­nem Hei­mat­ort Un­ter­grom­bach aus, sei­nen Auf­stand ge­gen die Ob­rig­keit zu pla­nen. Ei­ne Art Ge­heim­bund ent­stand – mit ei­ge­ner Lo­sung. Auf den Satz „Gott grüß dich, Ge­sell, was ist nun für ein We­sen?“ant­wor­te­ten die Mit­ver­schwö­rer „Wir mö­gen von den Pfaf­fen nicht ge­ne­sen!“

Ziel von Fritz war es, die Burg von Ober­grom­bach und an­schlie­ßend Bruch­sal ein­zu­neh­men. Ins­ge­samt sol­len es rund 7 000 Ver­schwö­rer ge­we­sen sein. Doch trotz al­ler Ge­heim­hal­tung wur­den Fritz und sei­ne Män­ner im April 1502 ver­ra­ten. Er konn­te flie­hen, doch zehn Per­so­nen wur­den als Hoch­ver­rä­ter ent­haup­tet, ih­re Kör­per ge­vier­teilt. An­de­ren wur­de der Schwur­fin­ger ab­ge­hackt. Zwei wei­te­re Auf­stands­ver­su­che von Fritz 1513 und 1517 schei­ter­ten eben­falls we­gen Ver­rats. Sei­ne Ide­en mün­de­ten je­doch in den Jah­ren 1524 und 1525 im Bau­ern­krieg. Tau­sen­de Leib­ei­ge­ne schlos­sen sich über­all im Süd­wes­ten zu so­ge­nann­ten „Bau­ern­hau­fen“zu­sam­men und lehn­ten sich ge­gen ih­re Her­ren auf – auch in der Mark­graf­schaft Ba­den, im Her­zog­tum Würt­tem­berg und im Kraich­gau. Die Ide­en der Re­for­ma­ti­on wa­ren da­bei von ent­schei­den­der Be­deu­tung: Wenn je­der vor Gott gleich ist, woll­ten auch die Bau­ern ei­ne freie und ge­rech­te Ge­sell­schafts­ord­nung. Je­doch kam es im­mer wie­der zu Ex­zes­sen. So wur­de et­wa im April 1525 das Klos­ter Her­re­n­alb ge­plün­dert. Der Mönch und Chro­nist Kon­rad Epp klag­te da­mals: „Auch ha­ben sie die Kirch und al­le Ge­mä­cher so jäm­mer­lich ge­plün­dert und zer­schla­gen, is nit wohl mensch­lich zu be­schry­ben.“

Auch wenn sie von der Re­for­ma­ti­on in­spi­riert wur­den: Lu­ther war den Bau­ern feind­lich ge­sinnt und wet­ter­te ge­gen die „räu­be­ri­schen und mör­de­ri­schen Rot­ten“. Denn sei­ne Leh­ren wur­den ge­schmäht, zum Zer­fall der Ord­nung bei­ge­tra­gen zu ha­ben. In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch Lu­thers Aus­sa­ge zu se­hen, es ge­be nichts Teuf­li­sche­res als ei­nen auf­rüh­re­ri­schen Men­schen, „den man wie ei­nen tol­len Hund tot­schla­gen muss, denn schlägst du ihn nicht, so schlägt er dich und ein gan­zes Land mit dir“.

Ins­ge­samt agier­ten die Auf­stän­di­schen zu un­ko­or­di­niert und wur­den bis Ju­ni 1525 wei­test­ge­hend vom Schwä­bi­schen Bund, ei­nem süd­deut­schen Mi­li­tär­bünd­nis, be­siegt, die Rä­dels­füh­rer dra­ko­nisch be­straft. So wur­de An­ton Ei­sen­hut, der An­füh­rer des Kraich­gau­er Hau­fens, auf dem Bruch­sa­ler Schloss­platz ent­haup­tet. Ins­ge­samt star­ben rund 75 000 Men­schen – die meis­ten von ih­nen Bau­ern. Ju­li­us Sand­mann

DIE BURG VON OBER­GROM­BACH soll­te 1502 ei­nes der An­griffs­zie­le von Joß Fritz und sei­nen Män­nern sein. Fo­to: Sand­bil­ler

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