Un­end­li­che Ge­schich­te

Bruchsaler Rundschau - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Die Le­gis­la­tur­pe­ri­ode en­det, wie sie be­gon­nen hat – mit ei­nem Streit um die Maut für Aus­län­der. In der un­end­li­chen Ge­schich­te um das CSU-Pres­ti­ge­pro­jekt läu­tet Ös­ter­reich ei­ne neue Run­de ein und klagt vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) ge­gen das Ge­setz, das der Bun­des­rat En­de März trotz er­heb­li­cher Be­den­ken ver­ab­schie­det hat.

Auch wenn die An­kün­di­gung des ös­ter­rei­chi­schen Ver­kehrs­mi­nis­ters Jörg Leicht­fried we­ni­ge Ta­ge vor der Wahl in der Al­pen­re­pu­blik ein Stück Wahl­kampf ist, kommt die­ser Schritt nicht über­ra­schend, war doch Ös­ter­reich von An­be­ginn an ei­ner der schärfs­ten Kri­ti­ker der deut­schen Maut-Plä­ne.

Da­bei glaub­ten Noch-CSU-Maut­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt und mit ihm die ge­sam­te Bun­des­re­gie­rung aus CDU, CSU und SPD, al­les rich­tig ge­macht zu ha­ben. Die Aus­län­der­maut heißt schon lan­ge nicht mehr so, son­dern In­fra­struk­tur­ab­ga­be. Be­zah­len müs­sen sie ab 2019 al­le, auch die deut­schen Au­to­fah­rer. Und auf Druck der EU-Kom­mis­si­on, die das ers­te Ge­setz aus dem Hau­se Do­brindt aufs Eis leg­te und ein Ver­fah­ren we­gen der Ver­let­zung von EU-Recht ge­gen Deutsch­land ein­lei­te­te, bes­ser­te die Re­gie­rung ein biss­chen nach und bot mehr Kurz­zeit­ta­ri­fe für Fah­rer aus dem Aus­land so­wie ei­ne hö­he­re Steu­er­ent­las­tung für be­son­ders sau­be­re Au­tos an. Auf die­se Wei­se hol­te sich Berlin das grü­ne Licht aus Brüs­sel ab.

Doch der um­strit­te­ne Kon­struk­ti­ons­feh­ler der Maut blieb – und er lie­fert Ös­ter­reich auf dem Ser­vier­ta­blett das Ar­gu­ment, von ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung der Aus­län­der zu spre­chen. Denn die deut­schen Au­to­fah­rer er­hal­ten ih­re Maut durch die ent­spre­chen­de Kür­zung der Kfz-Steu­er zu­rück­er­stat­tet. Dass das ei­ne of­fi­zi­ell nichts mit dem an­de­ren zu tun hat, wie Berlin stets treu­her­zig ver­si­chert, ist ein all­zu durch­sich­ti­ger Ta­schen­spie­ler­trick. Und genau das bringt Wi­en auf die Pal­me.

Nun ent­schei­den die Ju­ris­ten über die deut­sche Maut. Das kann dau­ern. Alex­an­der Do­brindt aber, der sich be­reits zum CSU-Lan­des­grup­pen­chef hat wäh­len las­sen, hin­ter­lässt sei­nem Nach­fol­ger ei­ne Rei­he von Bau­stel­len, die Maut ist nur ei­ne von vie­len. Viel spricht da­für, die für 2019 ge­plan­te Ein­füh­rung der Ab­ga­be so lan­ge aus­zu­set­zen, bis ein Ur­teil des EuGH vor­liegt. Noch bes­ser al­ler­dings wä­re es, die neue Re­gie­rung wür­de das ge­sam­te Ge­setz in den Müll­ei­mer wer­fen. Das aber wird die CSU mit al­len Mit­teln ver­hin­dern. Alex­an­der Do­brindt sitzt schließ­lich am Ver­hand­lungs­tisch und wird sein Pres­ti­ge­pro­jekt mit Zäh­nen und Klau­en ver­tei­di­gen.

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