Ei­ne bes­se­re Ver­net­zung als Ziel

Beim Lan­des­ger­ia­trie­tag in Ett­lin­gen wer­den die Wei­chen für die Zu­kunft der Al­ters­me­di­zin ge­stellt

Bruchsaler Rundschau - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ma­ri­an­ne Pasch­ke­witz-Kloss

Karlsruhe/Ett­lin­gen. Die künf­ti­ge Fi­nan­zie­rung des ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Ger­ia­trie­kon­zep­tes ist zwar noch nicht unter Dach und Fach, doch gin­gen jetzt ers­te po­si­ti­ve Zei­chen beim Lan­des­ger­ia­trie­tag in Ett­lin­gen von den Kran­ken­kas­sen, der Kran­ken­haus­ge­sell­schaft Ba­den-Würt­tem­berg und dem Stutt­gar­ter So­zi­al­mi­nis­te­ri­um aus. Be­reits im Vor­feld hat­te Ta­gungs­lei­te­rin Brigitte R. Metz vor ei­ner Schwä­chung des am­bu­lan­ten Be­reichs durch Kür­zun­gen ge­warnt. Fach­li­che Ver­net­zung, Ko­or­di­na­ti­on und Ko­ope­ra­ti­on als ger­ia­tri­sche Be­son­der­heit wür­den weg­fal­len, sag­te die Di­rek­to­rin des Ger­ia­tri­schen Zen­trums Karlsruhe am Dia­ko­nis­sen­kran­ken­haus. „Das wä­re dra­ma­tisch.“

„Fern­be­hand­lung via Com­pu­ter als Chan­ce“

Staats­se­kre­tä­rin Bärbl Mie­lich (Grü­ne) vom So­zi­al­mi­nis­te­ri­um un­ter­strich vor rund 300 Ta­gungs­be­su­chern in der Ett­lin­ger Schloss­gar­ten­hal­le die bun­des­wei­te Vor­bild­funk­ti­on des 2014 über­ar­bei­te­ten Ger­ia­trie­kon­zepts, mit dem es erst­ma­lig ge­lun­gen sei, sta­tio­nä­re und am­bu­lan­te Struk­tu­ren mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen. Die ger­ia­tri­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­on sei in ih­rer Struk­tur und Funk­ti­on „bei­spiel­ge­bend für die me­di­zi­ni­sche und die Ge­sund­heits­ver­sor­gung“. Ziel der Al­ters­me­di­zin ist es, Selbst­stän­dig­keit und Le­bens­qua­li­tät al­tern­der Men­schen mög­lichst lan­ge zu be­wah­ren. Mie­lich plä­dier­te für ei­ne Mit­ver­ant­wor­tung der Pfle­ge­ver­si­che­rung bei der Kos­ten­über­nah­me, da Re­ha­bi­li­ta­ti­on ein volks­wirt­schaft­lich und ge­sund­heits­po­li­tisch „enorm wich­ti­ger Be­reich“sei, der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ver­hin­dern oder zu­min­dest hin­aus­zö­gern kön­ne. Ih­re Bot­schaft: „Wir kön­nen ei­ne Ge­sund­heits­ver­sor­gung der Zu­kunft nur si­cher­stel­len, wenn wir ver­netzt, sek­to­ren­über­grei­fend und in­ter­dis­zi­pli­när ar­bei­ten und wenn wir dies mit Hil­fe der Di­gi­ta­li­sie­rung noch un­ter­stüt­zen kön­nen.“Fern­be­hand­lung via Com­pu­ter sei ei­ne Chan­ce in der Ver­sor­gung äl­te­rer Men­schen, be­son­ders in länd­li­chen Ge­bie­ten. Sie hel­fe Arzt­be­su­che ein­zu­spa­ren und er­mög­li­che schnel­le Hil­fe.

Für ei­nen un­ter­stüt­zen­den Ein­satz von Com­pu­ter­pro­gram­men in der Po­ly­phar­ma­zie plä­dier­te Wal­ter E. Hae­fe­li. „Wenn der Pa­ti­ent wie knapp je­der zweite Deut­sche über 65 Jah­ren fünf oder mehr Me­di­ka­men­te ein­nimmt, kann die in­di­vi­dua­li­sier­te The­ra­pie zur zeit­rau­ben­den Her­aus­for­de­rung wer­den“, sag­te der Hei­del­ber­ger Ex­per­te für Phar­ma­ko­lo­gie. Bei Po­ly­phar­ma­zie er­reich­ten die ärzt­li­chen Ent­schei­dun­gen ei­ne Kom­ple­xi­tät, die oh­ne in­tel­li­gen­te Arz­nei­mit­tel­in­for­ma­ti­ons­sys­te­me nicht mehr zu be­wäl­ti­gen sei. „Das kann kein Arzt mehr nur im Kopf lö­sen“, be­ton­te Hae­fe­li.

Ne­ben ei­ner al­ters­ge­rech­ten me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung rück­te der Hei­del­ber­ger Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor für Ge­ron­to­lo­gie, Andre­as Kru­se, den psy­cho-so­zia­len Aspekt im Al­ter in den Blickpunkt. Die zu­neh­men­de Ver­letz­lich­keit im Al­ter stellt nach sei­nen Wor­ten „ei­ne unglaubliche Her­aus­for­de­rung für die Psy­che dar“. „Viel­leicht stär­ker als in al­len an­de­ren Wen­de­punk­ten des Le­bens.“Ei­ne Mög­lich­keit, ihr zu be­geg­nen, sei es, nicht nur Un­ter­stüt­zung selbst zu er­fah­ren, son­dern auch vor­han­de­ne Selbst­stän­dig­keit für ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be und Hilfs­be­reit­schaft zu nut­zen.

GROS­SE HER­AUS­FOR­DE­RUN­GEN: Al­ters­me­di­zin ver­folgt das Ziel, Selbst­stän­dig­keit und Le­bens­qua­li­tät al­tern­der Men­schen mög­lichst lan­ge zu be­wah­ren. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.