Ganz Frank­furt ist wü­tend

Der be­lieb­te Goe­the­turm wird Raub der Flam­men / Bür­ger und Po­li­ti­ker ver­mu­ten Brand­stif­tung

Bruchsaler Rundschau - - BLICK IN DIE WELT - Von Petra Kno­bel und Ira Schai­b­le

Frank­furt/Main. Die bren­nen­de Spit­ze des Goe­the­turms im Frank­fur­ter Stadt­wald ist in der Dun­kel­heit wie ein Licht­si­gnal weit­hin sicht­bar.

We­ni­ge St­un­den spä­ter ist der rund 85 Jah­re al­te Holz­turm völ­lig ab­ge­brannt. Bür­ger und Po­li­ti­ker sind trau­rig, be­stürzt und wü­tend. Ober­bür­ger­meis­ter Pe­ter Feld­mann (SPD) äu­ßert sich ges­tern vor den noch qual­men­den Bal­ken des Aus­flugs­ziels be­trof­fen: „Der Goe­the­turm war ein Wahr­zei­chen, mit dem die Kin­der die­ser Stadt groß wer­den.“Der 43 Me­ter hohe Aus­sichts­turm müs­se mög­lichst schnell wie­der eins zu eins auf­ge­baut wer­den. „Die Frank­fur­ter sind sehr modern, an die­sem Punkt aber sehr tra­di­ti­ons­be­wusst.“

Als die ers­ten der rund 60 Feu­er­wehr­leu­te ge­gen 3.20 Uhr an dem in der gan­zen Re­gi­on be­lieb­ten Aus­flugs­ziel im Stadt­teil Sach­sen­hau­sen ein­tref­fen, steht der Turm be­reits lich­ter­loh in Flam­men. We­gen der Ge­fahr her­ab­stür­zen­der bren­nen­der Holz­bal­ken löscht die Feu­er­wehr den Brand zu­nächst nicht, son­dern si­chert und kühlt die Um­ge­bung. „Der Sach­scha­den lässt sich nicht be­zif­fern“, sagt ein Feu­er­wehr­Spre­cher. „Der ide­el­le Scha­den ist aber rie­sen­groß.“„Es deu­tet al­les auf Brand­stif­tung hin“, sagt Po­li­zei­spre­che­rin Isa­bell Ne­u­mann. „In dem Turm ist kei­ner­lei Elek­tro­nik ver­baut, und es ist auch kein Ge­wit­ter in der Nacht über uns hin­weg­ge­zo­gen.“Si­cher sei dies aber noch nicht. Die Er­mitt­lun­gen kön­nen erst be­gin­nen, wenn al­le Glut­nes­ter ge­löscht sind. Mög­li­cher­wei­se ha­ben es die Er­mitt­ler so­gar mit ei­ner Brand­se­rie zu tun.

Im Früh­som­mer wa­ren Holz-Pa­vil­lons in zwei Parks ab­ge­brannt. Die Po­li­zei er­mit­telt in bei­den Fäl­len we­gen Brand­stif­tung. We­ni­ge Wo­chen spä­ter brann­te der höl­zer­ne At­zel­berg-Turm im na­hen Tau­nus. Vie­le Frank­fur­ter wol­len sich ein ei­ge­nes Bild von der Zer­stö­rung ma­chen. Trau­rig schaut ei­ne 70 Jah­re al­te An­woh­ne­rin auf die ver­kohl­ten Holz­pfei­ler und Trüm­mer. „Ich woh­ne am Goe­the­turm“– das ha­be sie im­mer ge­sagt, er­zählt die Frau. „Wenn wir aus dem Ur­laub nach Hau­se zu­rück ka­men, ha­ben wir ihn so­gar aus dem Flug­zeug ge­se­hen.“Ihr Mann ha­be dann im­mer ge­sagt: „Guck, da is­ser.“

Pe­ter Wel­ler (78) hat die 196 Stu­fen des Turms mehr­fach in der Wo­che als Trai­nings­par­cours ge­nutzt – und sich oben mit der „tol­len Aus­sicht“für die An­stren­gung be­lohnt. „Ich bin zu­tiefst trau­rig.“Ei­ne 74-Jäh­ri­ge sagt: „Als Kin­der sind wir min­des­tens sie­ben­mal am Tag oben ge­we­sen.“Sie ha­be den Turm ge­liebt. Dann wird sie wü­tend: „Es ist zum Kot­zen, dass so schö­ne Din­ge zer­stört wer­den. Wer macht so­was und war­um?“Mit ih­rer Wut ist sie nicht al­lein. Stadt­ober­haupt Feld­mann sagt: „Nicht nur der Ober­bür­ger­meis­ter ist wü­tend, auch die Men­schen in der gan­zen Stadt sind wü­tend.“

Po­li­ti­ker ma­chen sich schon jetzt für den Wie­der­auf­bau stark: „Es wird auf je­den Fall ei­nen neu­en Turm ge­ben“, ver­spre­chen zwei CDU-Stadt­rä­te aus der schwarz-rot-grü­nen Stadt­re­gie­rung. Wie der neue Turm genau aus­se­hen wer­de, sei of­fen – zu­letzt war er 2013/14 sa­niert wor­den. Un­ge­fähr ein Jahr müss­ten die Frank­fur­ter auf je­den Fall oh­ne aus­kom­men. Der OB hat noch ei­ne gu­te Nach­richt: Vie­le In­sti­tu­tio­nen und Bür­ger hät­ten schon fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung beim Wie­der­auf­bau zu­ge­sagt.

„Wir ha­ben ihn so­gar aus dem Flug­zeug ge­se­hen“

NUR NOCH EIN VERKOHLTES GERIPPE des Goe­the­turms im Frank­fur­ter Stadt­teil Sach­sen­hau­sen ragt nach dem Brand gen Him­mel. Der Holz­turm war ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel in der ge­sam­ten Re­gi­on. Fo­tos: dpa

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