Eh­ren­amt­li­che wol­len in der Kir­che mit­re­den

Stu­die be­legt neue An­sprü­che bei Ka­tho­li­ken

Bruchsaler Rundschau - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ma­ri­an­ne Pasch­ke­witz-Kloß

Frei­burg/Ras­tatt. In der Erz­diö­ze­se Frei­burg en­ga­gie­ren sich nach ei­ge­nen An­ga­ben 300 000 Men­schen eh­ren­amt­lich, macht bei rund 1,9 Mil­lio­nen Ka­tho­li­ken im Erz­bis­tum 15,8 Pro­zent. Trotz die­ser ver­meint­lich be­ein­dru­cken­den Zahl geht die Frei­bur­ger Kir­chen­ver­wal­tung mit dem The­ma in die Of­fen­si­ve. An die­sem Frei­tag und Sams­tag wird sich die Voll­ver­samm­lung des Diö­ze­san­ra­tes der Ka­tho­li­ken in Ras­tatt ne­ben an­de­ren The­men mit ei­ner um­fas­sen­den Eh­ren­amts­stu­die be­fas­sen.

Die Stu­die, an der über 1 000 Be­frag­te teil­nah­men, sei in Auf­trag ge­ge­ben wor­den, so Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­de Mar­ti­na Kast­ner (Malsch), um ei­ne ver­läss­li­che Da­ten­grund­la­ge zu ha­ben, wie sich eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment ak­tu­ell ge­stal­tet und zu­künf­tig ge­stal­tet wer­den kön­ne (sie­he auch „Hin­ter­grund“).

Deut­lich wird da­bei: Die Eh­ren­amt­li­chen wol­len heut­zu­ta­ge kei­ne Emp­fehls­emp­fän­ger der Kir­chen­män­ner mehr sein, son­dern selbst­stän­dig und selbst­be­wusst mit­re­den und mit­ge­stal­ten – vie­le am liebs­ten in so­zia­len Hilfs­pro­jek­ten. Laut der Stu­die sind die meis­ten kirch­li­chen Hel­fer mit un­ter­schied­lichs­ten Tä­tig­kei­ten im dia­ko­ni­schen Be­reich zu fin­den, ge­folgt vom Hand­lungs­feld „Ver­kün­dung“. Je­der sechs­te Eh­ren­amt­li­che brin­ge sich re­gel­mä­ßig bei der Vor­be­rei­tung von Tau­fen, Erst­kom­mu­ni­on und Fir­mung ein, fast je­der Fünf­te bei Auf­ga­ben rund um den Got­tes­dienst.

Dass das Eh­ren­amt in der Kir­che kei­nes­wegs ein Aus­lauf­mo­dell ist, ist ein Er­geb­nis, das auch die Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­de über­rascht hat. Vie­ler­orts sei zu hö­ren: „Es gibt kei­ne Eh­ren­amt­li­chen mehr.“Doch die Stu­die zei­ge auf, dass es ge­ra­de im kirch­li­chen Be­reich en­ga­ge­ment­be­rei­te Men­schen ge­be, die ge­won­nen wer­den könn­ten, wenn ent­spre­chen­de Rah­men­be­din­gun­gen vor­han­den sei­en, be­zie­hungs­wei­se ge­schaf­fen wür­den, kon­sta­tiert sie. Als „en­ga­ge­ment­be­reit“be­schreibt die Stu­die auch Per­so­nen mit an­de­ren so­zia­len Hin­ter­grün­den, re­li­giö­ser Prä­gung und Le­bens­füh­rung als je­ne die be­reits ak­tiv sind. Of­fen­bar wür­den sie sich vor al­lem dann ein­brin­gen, wenn sie „nied­rig­schwel­li­ge Zu­gangs­we­ge“vor­fän­den und dies be­vor­zugt bei der Un­ter­stüt­zung be­dürf­ti­ger Men­schen, in der Kin­der­be­treu­ung und bei der Ver­bes­se­rung der Le­bens­qua­li­tät im ei­ge­nen Um­feld.

Als wei­te­re „Gunst­fak­to­ren“wur­den über­ein­stim­men­de „Wer­te und Vor­stel­lun­gen“so­wie „ein wert­schät­zen­der Um­gang zwi­schen kirch­li­chen Haupt­be­ruf­li­chen und Eh­ren­amt­li­chen, Mit­spra­che und lo­ka­le Tä­tig­keits­an­ge­bo­te“ge­nannt. Die­ser An­spruch an ein Eh­ren­amt in der Kir­che ist in der Stu­die deut­lich for­mu­liert und wür­de un­term Strich ei­nen ech­ten Wan­del be­deu­ten. Diö­ze­san­rats­vor­sit­zen­de Kast­ner hat da­zu ei­ne un­ver­krampf­te Mei­nung: „Die­se Wün­sche der Be­frag­ten be­le­gen in vie­lem das, was der Diö­ze­san­rat zum The­ma Eh­ren­amt schon oft vor­brach­te. Frei­wil­li­ges und eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment ge­stal­tet sich heu­te an­ders als noch vor ei­ni­gen Jah­ren.“Der Rat wer­de sich auf der kom­men­den Voll­ver­samm­lung in­ten­siv da­mit be­fas­sen. „Die Stu­die ist al­so kein Schluss-, son­dern ein Start­punkt“, be­tont Mar­ti­na Kast­ner.

In den kom­men­den Mo­na­ten wer­den in Nord- und Mit­tel­ba­den Ver­an­stal­tun­gen zur Eh­ren­amts­stu­die zu­nächst auf De­ka­nats­ebe­ne statt­fin­den. An der Ba­sis rührt sich nach Aus­kunft der Diö­ze­se eben­falls In­ter­es­se.

FÜR SO­ZI­AL BEDÜRFTIGE wol­len sich Eh­ren­amt­li­che – wie hier in ei­ner Sup­pen­kü­che – ger­ne in der Kir­che en­ga­gie­ren. Fo­to: dpa

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