Ris­kan­te Dop­pel­rol­le

Bruchsaler Rundschau - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Die Re­gie­rung ist im Amt, doch der seit Jah­ren aus­ge­tra­ge­ne Kon­flikt zwi­schen der CDU und der CSU, der auch ei­ne per­sön­li­che Kom­po­nen­te zwi­schen An­ge­la Mer­kel und Horst See­ho­fer hat, be­steht wei­ter. Da hel­fen auch al­le Be­teue­run­gen, man ha­be zu­ein­an­der­ge­fun­den, nichts. In der zen­tra­len Fra­ge, der Beur­tei­lung der Flücht­lings­kri­se und dem Um­gang mit den Mus­li­men, fin­den die Chefs bei­der C-Par­tei­en nicht zu­sam­men. Die Kanz­le­rin räumt Feh­ler ein, be­zieht die­ses Ein­ge­ständ­nis aber nur auf die Zeit vor der ei­gent­li­chen Flücht­lings­kri­se, als man die Pro­ble­me igno­riert ha­be. Die Ent­schei­dung, die in Un­garn ge­stran­de­ten Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men, steht für sie nicht zur Dis­po­si­ti­on.

Für In­nen­mi­nis­ter See­ho­fer da­ge­gen ist das der ent­schei­den­de Feh­ler. Deutsch­land ha­be die Kon­trol­le dar­über ver­lo­ren, wer ins Land kommt, das ha­be die AfD stark ge­macht und zum schlech­ten Ab­schnei­den der Uni­on bei der Wahl ge­führt. Für den CSU-Chef dürf­te dies der Haupt­grund sein, war­um er als In­nen­mi­nis­ter ins Bun­des­ka­bi­nett ein­ge­tre­ten ist – er will als obers­ter Hü­ter der in­ne­ren Si­cher­heit Mer­kels an­geb­li­che Feh­ler kor­ri­gie­ren. In Ber­lin tritt See­ho­fer nun in ei­ner Dop­pel­rol­le auf: Als Schat­ten- und Ne­ben­kanz­ler, der die Re­gie­rung an­treibt. Und als Op­po­si­ti­ons­chef, der in Per­so­nal­uni­on das Ge­schäft der Nicht­re­gie­rungs­par­tei­en mit über­nimmt, die Kanz­le­rin kri­ti­siert und den Ko­ali­ti­ons­part­ner dü­piert. Mit die­ser Stra­te­gie hat er die AfD im Vi­sier, die bei den Land­tags­wah­len in Bay­ern im Herbst die ab­so­lu­te Mehr­heit der CSU ge­fähr­den könn­te. In­dem er ih­re The­men be­setzt, und sich gleich­zei­tig zum Wort­füh­rer der Mer­kel-Kri­ti­ker auf­schwingt, will er der AfD den Wind aus den Se­geln neh­men.

Mit Blick auf Bay­ern mag das Spiel auf­ge­hen. Im Bund aber ist es hoch­ris­kant. Wenn See­ho­fers Bei­spiel Schu­le macht und auch Jens Spahn oder Olaf Scholz der ei­ge­nen Pro­fi­lie­rung we­gen mit Blick auf die Bun­des­tags­wahl 2021 re­gie­ren und zugleich op­po­nie­ren, dann herrscht in der Re­gie­rung bald nur ei­nes – Cha­os.

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