Zöl­le sind längst die Re­gel

Fal­len­de Kur­se ha­ben mit Han­dels­krieg we­nig zu tun

Bruchsaler Rundschau - - WIRTSCHAFT -

Mehr als zwölf Pro­zent hat der Dax in­zwi­schen kor­ri­giert. Gut vier Pro­zent wa­ren es in der ver­gan­ge­nen Wo­che, der Dax ist da­mit auf ein Jah­res­tief von 11 886 Punk­ten ge­rutscht. Trotz al­ler Pa­nik um ei­nen dro­hen­den Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na ist da­mit noch nicht ein­mal ei­ne nor­ma­le Kor­rek­tur nach ei­ner kräf­ti­gen Auf­wärts­be­we­gung er­reicht. Denn die­se führt im Re­gel­fall min­des­tens 20 Pro­zent tie­fer.

Zu­dem: ob die Zoll-Pa­nik über­haupt in die­ser Di­men­si­on be­rech­tigt ist, darf be­zwei­felt wer­den. Chi­na schützt den Hei­mat­markt selbst durch ei­ne aus­ge­klü­gel­te Ab­schot­tung, braucht um­ge­kehrt aber Pro­duk­te – zum Bei­spiel Flug­zeu­ge – und Geld aus den USA und aus Eu­ro­pa. Zöl­le sind auch bis­her nicht die Aus­nah­me, son­dern eher die Re­gel im Han­del au­ßer­halb der EU, zwi­schen al­len Be­tei­lig­ten. Dass Brüs­sel grund­sätz­lich auf chi­ne­si­sche Pro­duk­te Zöl­le, auf über 50 Pro­duk­te so­gar zu­sätz­li­che Straf­zöl­le er­hebt, hat nicht zu ei­nem Han­dels­de­sas­ter ge­führt, son­dern schützt hei­mi­sche Un­ter­neh­men und Ar­beit­neh­mer. Fa­zit: Die Zoll­fra­ge kommt wie ge­ru­fen, um Ge­winn­mit­nah­men zu recht­fer­ti­gen, zu­mal wirt­schaft­li­che Früh­in­di­ka­to­ren wie Stim­mungs- und Ein­kaufs­ma­na­ger-In­di­zes in­zwi­schen qu­er­beet an­deu­ten, dass das Wachs­tum zwar wei­ter stark ist, aber an Kraft ver­liert.

Ab Ju­li wird die US-No­ten­bank den Märk­ten zu­dem je­den Mo­nat 40 Mil­li­ar­den Dol­lar ent­zie­hen – und da­mit et­was mehr als ih­nen die Eu­ro­päi­sche No­ten­bank im­mer noch zu­führt. Die Li­qui­di­tät sinkt al­so. Für die Bör­sen be­deu­tet das: Ei­ne nach­hal­ti­ge Kehrt­wen­de zu­rück zu stei­gen­den Kur­sen ist der­zeit eher un­wahr­schein­lich. Statt­des­sen könn­te die Vo­la­ti­li­tät hoch blei­ben und die An­le­ger über vor­ös­ter­li­che Ge­winn­mit­nah­men in ei­nen wech­sel­haf­ten April füh­ren. Je wei­ter die Kur­se brö­ckeln, des­to öf­ter wer­den An­le­ger sich fra­gen: aus­sit­zen oder ver­kau­fen? Ei­ner­seits ist an Ge­winn­mit­nah­men oder Ver­lust­be­gren­zun­gen noch kei­ner ge­stor­ben, an­de­rer­seits sind ge­eig­ne­te Geld­park­plät­ze rar. Wer lang­fris­tig denkt und di­ver­si­fi­ziert in­ves­tiert ist, soll­te sich zu­rück­leh­nen kön­nen.

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