Ihr Freund der Baum

Es wird in Bay­ern kei­nen drit­ten Na­tio­nal­park ge­ben, sagt Mi­nis­ter­prä­si­dent Sö­der. Die Be­für­wor­ter ei­nes Na­tio­nal­parks Stei­ger­wald setz­ten jetzt al­le Hoff­nung auf die Land­tags­wahl

Buchloer Zeitung - - Bayern -

Ebrach Für die Staats­re­gie­rung ist ein wei­te­rer Na­tio­nal­park in Bay­ern of­fi­zi­ell kein The­ma mehr. Um­welt­schüt­zer kämp­fen aber nach wie vor für ei­nen Na­tio­nal­park Stei­ger­wald – und fah­ren schwe­re Ge­schüt­ze ge­gen die Baye­ri­schen Staats­fors­ten auf: Das Un­ter­neh­men pla­ne nach der Land­tags­wahl im Herbst die Fäl­lung al­ter Bäu­me in ei­nem frü­he­ren Schutz­ge­biet bei Ebrach (Land­kreis Bam­berg) sag­te Adolf J. Hüm­mer, Chef des Ver­eins „Na­tio­nal­park Nord­stei­ger­wald“. Ein Spre­cher der Staats­fors­ten wies dies je­doch zu­rück: Es sei viel­mehr rich­tig, dass man le­dig­lich ei­nen sanf­ten Ein­stieg in die Be­wirt­schaf­tung des Ebra­cher Forsts pla­ne.

Im Stei­ger­wald tobt seit Jah­ren ein Streit um die Na­tio­nal­park-Idee. Die Fron­ten sind im­mer noch ver­här­tet – auch nach­dem Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der, CSU, er­klärt hat­te, die Plä­ne für ei­nen wei­te­ren Na­tio­nal­park in Bay­ern zu­rück­zu­stel­len. Zu­letzt war der Stei­ger­wald zu­dem gar nicht mehr im Ren­nen – die Staats­re­gie­rung hat­te sich auf die Rhön, die Do­nau-Au­en und den Spes­sart kon­zen­triert.

„Für uns sind die Chan­cen grö­ßer als vor­her“, sag­te Hüm­mer. Er und Mit­strei­ter hof­fen vor al­lem dar­auf, dass die der­zeit al­lein­re­gie­ren­de CSU nach der Land­tags­wahl im Herbst in ei­ne Ko­ali­ti­on muss – bes­ten­falls mit den Grü­nen. Der­zeit, räum­te Hüm­mer ein, sei die CSU „weit weg da­von, ge­sprächs­be­reit zu sein“.

Aber auch die Geg­ner ei­nes Na­tio­nal­parks sind wei­ter ak­tiv. Man ha­be die Äu­ße­rung Sö­ders sehr be­grüßt, sag­te Os­kar Ebert, stell­ver- tre­ten­der Chef des Ver­eins „Un­ser Stei­ger­wald“: „Es wird mit ihm kei­nen Na­tio­nal­park im Stei­ger­wald ge­ben, weil die über­wie­gen­de Zahl der Men­schen im Stei­ger­wald das nicht will.“Den­noch wer­de man als Ver­ein wei­ter ak­tiv blei­ben, be­ton­te Ebert. „Ein Groß­schutz­ge­biet wie ein Na­tio­nal­park wä­re ein ein­schnei­den­der Struk­tur­wan­del, bei dem die Re­gi­on, die vie­len holz­ver­ar­bei­ten­den Be­trie­be und die Men­schen in der Re­gi­on die Ver­lie­rer wä­ren.“Man wol­le die Re­gi­on ge­mein­sam wei­ter­ent­wi­ckeln.

In ei­nem kämp­fe­ri­schen Ap­pell hat­te die Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Li­sa Ba­dum An­fang Mai auf dem Lan­des­par­tei­tag in Hir­schaid (Kreis Bam­berg) für mehr Na­tur­schutz im Stei­ger­wald ge­wor­ben. Die Staats­re­gie­rung wei­ge­re sich, den Stei­ger­wald zu schüt­zen. Baum­fäl­lun­gen dür­fe es dort aber nicht ge­ben: „Wenn es sein muss, ket­ten wir uns an die Bäu­me an“, sag­te Ba­dum un­ter dem Ap­plaus der De­le­gier­ten. Die al­ten Bu­chen­wäl­der im Stei­ger­wald sei­en ein Na­tur­schatz von in­ter­na­tio­na­ler Be­deu­tung.

Das Wald­ge­biet um Ebrach ist hart um­kämpft: 2014 wies das Land­rats­amt Bam­berg dort ein gro­s­ei­ne ßes Schutz­ge­biet aus – zum Miss­fal­len der Staats­re­gie­rung. Ein Jahr spä­ter wur­de auf Druck Mün­chens die Rück­ab­wick­lung ein­ge­lei­tet. Ei­ne Kla­ge des Bun­des Na­tur­schutz (BN) da­ge­gen blieb er­folg­los. Ein Kar­tie­rungs­pro­jekt von BN und der Na­tur­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on WWF vor we­ni­gen Jah­ren hat­te er­ge­ben, dass auf dem knapp 800 Hekt­ar gro­ßen Ge­biet rund 7600 al­te Laub­bäu­me ste­hen – meist Bu­chen und Ei­chen.

Nun in­te­grie­ren die Staats­fors­ten das Ge­biet in ih­re Be­wirt­schaf­tung. Da­zu ge­hö­re et­wa die Pfle­ge von Ei­chen­be­stän­den oder die Pflan­zun­gen von jun­gen Tan­nen, er­läu­ter­te der Spre­cher. „Zur nach­hal­ti­gen Wald­wirt­schaft ge­hört auch der Wald­na­tur­schutz, da­her wer­den mit dem Be­ginn der Be­wirt­schaf­tung auch Na­tur­schutz­maß­nah­men wie die Er­rich­tung von Tritt­stei­nen der na­tür­li­chen Wald­ent­wick­lung um­ge­setzt.“Das Tritt­stein-Kon­zept sieht vor, dass Tei­le der Flä­chen aus der Be­wirt­schaf­tung ge­nom­men wer­den, um sie kom­plett der Na­tur zu über­las­sen. Ei­ne Fäl­lung von Alt­bäu­men sei nicht vor­ge­se­hen, be­ton­te der Spre­cher. Man wer­de das Kon­zept f am Frei­tag der Öf­fent­lich­keit vor­stel­len. (dpa)

Fo­to: Da­vid Ebe­ner, dpa

Ei­ne Krö­te sitzt auf ei­ner um­ge­stürz­ten und mit Moos be­wach­se­nen Bu­che im Stei­ger­wald – ein Idyll und höchst um­strit­ten.

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