Aus­pro­biert:

AF787, DE2290, HM60

Business Traveller (Germany) - - Inhalt - Andre­as Spaeth

HIN­TER­GRUND:

Zum ers­ten Mal seit 2009 führt Air Fran­ce ei­nen brand­neu­en Flug­zeug­typ im Li­ni­en­dienst ein, die Bo­eing 787-9. Sie über­nimmt seit Ja­nu­ar den täg­li­chen Di­enst von Pa­ris CDG nach Kai­ro. Die ers­te Langstre­cke wird mit der An­kunft des zwei­ten von 16 be­stell­ten Dream­li­nern ab 1. Mai ge­star­tet, dann be­dient die 787 die täg­li­che Rou­te von Pa­ris nach Mon­tréal. Vor­her kön­nen Pas­sa­gie­re den Neu­zu­gang güns­tig in­ner­halb Eu­ro­pas er­le­ben, auf be­stimm­ten Um­läu­fen von Pa­ris nach Lon­don so­wie zwi­schen Pa­ris und Lyon. Air Fran­ce bie­tet der­zeit ein sehr in­ho­mo­ge­nes Ka­bi­nen­pro­dukt, vor al­lem in Bu­si­ness Class. Es reicht vom ge­neig­ten Lie­ge­sitz in den A340 und A380 bis zu den be­reits mo­der­ni­sier­ten Ka­bi­nen der Bo­eing 777. Be­reits seit Ju­ni 2014 ist das neue 777-Pro­dukt un­ter­wegs, aber es wird im­mer noch bis De­zem­ber 2017 dau­ern, bis al­le Flug­zeu­ge um­ge­rüs­tet sind. Der­zeit sind 44 der 68 Bo­eing 777-200ER und -300ER mo­der­ni­siert. Im Jahr 2020 wer­den Pas­sa­gie­re dann ein auf­ge­wer­te­tes A380-In­te­ri­eur er­le­ben, das mit dem An­ge­bot in den Bo­eing 777 und 787 mit­hal­ten kann.

CHECK-IN:

Vor dem Be­ginn des Li­ni­en­diens­tes ver­an­stal­tet Air Fran­ce vier „Wel­co­me 787“-Rund­flü­ge über Frank- reich. Wir sind beim Son­der­flug AF787 an Bord. Da­für ste­hen am Flug­ha­fen CDG ei­ge­ne Schal­ter zur Ver­fü­gung. Da kein Ge­päck auf­ge­ge­ben wer­den kann und die Sit­ze vor­ab ver­ge­ben wer­den, geht es zü­gig vor­an.

BOARDING:

Bei vol­lem Flug­zeug und gro­ßem Hal­lo der ge­la­de­nen Gäs­te ver­läuft das Boarding leicht chao­tisch.

DER SITZ:

Die Dream­li­ner bie­ten bei Air Fran­ce 256 Sit­ze, und die Fran­zo­sen sind stolz auf ihr neu­es Pre­mi­um-Eco­no­my-Pro­dukt, das zum ers­ten Mal in der 787 in­stal­liert ist. Es gibt ei­ne ei­ge­ne Ka­bi­ne (Rei­he zehn bis zwölf) mit 21 Sit­zen in 2–3–2-Kon­fi­gu­ra­ti­on. „Wir nut­zen die Zo­di­ac-Air­go-FX-Pre­mi­um­Sit­ze und ha­ben den Ab­stand von bis­her 38 auf jetzt 40 Zoll (101,6 cm) er­höht“, er­klärt Cust­o­m­er Ex­pe­ri­ence Ma­na­ger Fa­tou Gu­eye. Was kei­nes­falls re­kord­ver­däch­tig ist, da et­wa JAL und Chi­na Air­lines mit dem iden­ti­schen Sitz bis zu 42 Zoll Ab­stand bie­ten. Trotz­dem ran­giert das neue Pre­mi­um-Eco­no­my-Pro­dukt von Air Fran­ce si­cher­lich un­ter den der­zeit bes­ten An­ge­bo­ten in der Zwi­schen­klas­se, da­zu trägt auch die von 123° auf 130° ver­grö­ßer­te Leh­nennei­gung in­ner­halb der fes­ten Sitz­scha­le bei. Die­se Sitz­kon­struk­ti­on ist ei­ne In­no­va­ti­on in Pre­mi­um Eco­no­my, als sie 2009 von Air Fran­ce ein­ge­führt wird. Die Bild­schir­me für die Bord­un­ter­hal­tung, wie in der 777 von Pa­na­so­nic, sind in der 787 eben­falls ver­grö­ßert wor­den, von neun auf jetzt elf Zoll. Air Fran­ce macht von An­fang an klar, dass es sich bei ih­rer Zwi­schen­klas­se um ein Pre­mi­um­pro­dukt han­delt mit vie­len Vor­zü­gen der Bu­si­ness Class, vom se­pa­ra­ten Check-in über die Fast La­ne bei der Si­cher­heits­kon­trol­le bis zu auf­ge­wer­te­ten Mahl­zei­ten und gra­tis Cham­pa­gner. Ei­ne sehr will­kom­me­ne In­no­va­ti­on des neu­en Pro­dukts ist der we­sent­lich grö­ße­re, aus­klapp­ba­re Tisch, der sta­bil ge­nug ist, um dar­an am Lap­top zu ar­bei­ten. Die neu­en Fuß­stüt­zen, die wei­ter nach oben aus­fah­ren als zu­vor, ma­chen den Sitz für groß ge­wach­se­ne Pas­sa­gie­re kom­for­ta­bler. Die ers­te 787 ist in der ge­sam­ten Air­Fran­ce-Flot­te aus 225 Flug­zeu­gen der­zeit die ein­zi­ge Ma­schi­ne, die mit In­ter­net-Zu­gang aus­ge­stat­tet ist. Da ist die Air­line sehr spät dran im Ver­gleich zu an­de­ren in­ter­na­tio­na­len Ge­sell­schaf­ten wie Luft­han­sa oder Emi­ra­tes. Das Pa­na­so­nic-eXCon­nect-Sys­tem, das Ku-Ban­dSa­tel­li­ten nutzt, scheint recht gut zu funk­tio­nie­ren, wenn man Leu­ten glaubt, die es auf den ers­ten Air-Fran­ce-787Flü­gen ge­nutzt ha­ben. Die Ge­büh­ren al­ler­dings wer­den für Da­ten­pa­ke­te er­ho­ben, die kun­de­n­un­freund­lichs­te Lö­sung, weil Pas­sa­gie­re nicht ein­schät­zen kön­nen, wie schnell die ge­buch­te Da­ten­men­ge ver­rinnt. Air Fran­ce ver­langt fünf Eu­ro für 20 MB, zehn Eu­ro für 50 MB und 30 Eu­ro für 200 MB.

DER FLUG:

Das Wet­ter ist gut an die­sem kal­ten Ja­nu­ar-Tag, fast ganz Frankreich zeigt sich wol­ken­los. In ei­ner Flug­zeit von zwei St­un­den und 42 Mi­nu­ten schafft die 787 in ei­ner gro­ßen Run­de ih­re „Tour de Fran­ce“. Groß­ar­ti­ge Aus­bli­cke auf den Mont­blanc gab es eben­so zu ge­nie­ßen wie auf La Ro­chel­le am At­lan­tik, den Mont- Saint-Mi­chel in der Nor­man­die oder die sich von Pa­ris nach Le Hav­re win­den­de Sei­ne. Zwi­schen­durch wer­den in al­len Klas­sen an das je­wei­li­ge Pro­dukt an­ge­lehn­te Snack-Me­nüs ser­viert, in Pre­mi­um Eco­no­my wird Cham­pa­gner wie in der Bu­si­ness Class aus gro­ßen Fla­schen aus­ge­schenkt. Der Hö­he­punkt des Flugs spielt sich hoch über der Pro­vence ab: ei­ne atem­be­rau­ben­de Vor­füh­rung der Kunst­flug­staf­fel Pa­trouil­le de Fran­ce, die un­ter der 787 hin­durch­fliegt und Rauch in den Far­ben der Tri­ko­lo­re aus­stößt. Es gibt wohl nie ei­ne bes­se­re Ge­le­gen­heit, sich dar­über zu freu­en, dass die 787 über au­ßer­ge­wöhn­lich gro­ße Fens­ter ver­fügt.

AN­KUNFT:

Et­was ver­spä­tet, nach län­ge­rer En­tei­sung vor dem Ab­flug, kehrt Flug AF787 nach Pa­ris zu­rück.

FA­ZIT:

Die Bo­eing 787 ist ein ech­ter Fort­schritt für Air Fran­ce. Lei­der wird es die gro­ßen Un­ter­schie­de in der Qua­li­tät der Pre­mi­um­pro­duk­te noch Jah­re ge­ben. Das wird sich auch nicht da­durch än­dern, dass Air Fran­ce ab Sep­tem­ber 2019 mit der A350-900 schon den nächs­ten Neu­zu­gang ein­führt.

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