AUS­PRO­BIERT FLÜ­GE

SIN­GA­PUR – MÜN­CHEN

Business Traveller (Germany) - - Inhalt - Kai Bö­cking

Sin­ga­po­re Air­lines SQ328 Ethio­pi­an Air­lines ET707 / ET847

HIN­TER­GRUND: Seit Ju­li 2017 setzt die 5-Ster­ne-Air­line auf der Stre­cke Mün­chen – Sin­ga­pur die jüngs­te Ver­si­on der A350 ein. Das „Öko“-Vor­zei­ge­flug­zeug von Air­bus löst da­mit die al­te Bo­eing 777 ab.

Größ­ter Un­ter­schied: Wäh­rend die 777 mit ei­ner 4-Klas­sen-Kon­fi­gu­ra­ti­on ab­hob, fliegt die A350 (nur) mit Bu­si­ness, Pre­mi­um Eco und Eco. Der Rück­flug von Sin­ga­pur nach Mün­chen hebt täg­lich um 0.25 Uhr ab. Ein so ge­nann­ter Red-Eye-Flug, ein Nacht­flug mit An­kunft um 6.30 Uhr in Mün­chen.

CHECK-IN: Chan­gi Air­port in Sin­ga­pur ist nicht nur Hei­mat­flug­ha­fen der Air­line, es dreht sich hier auch al­les um sie. So vie­le Check-in-Schal­ter gibt es nur hier, und das An­ge­bot be­zieht sich nicht nur auf die Bu­si­ness- und Sta­tus-Kun­den. Auch als Eco-Pas­sa­gier ist die War­te­zeit äu­ßerst über­schau­bar. Mein Check-in dau­ert ge­ra­de mal vier Mi­nu­ten, so­dass ge­nug Zeit für ei­nen Be­such in der Lounge bleibt.

LOUNGE: SIA be­treibt am Chan­gi Air­port ins­ge­samt sechs Loun­ges (in T2 und T3). Star-Al­li­an­ce-Mit­glie­der, die nicht in der Bu­si­ness Class flie­gen, dür­fen in die KrisF­ly­er-Gold-Loun­ges. Wer beim Ho­meCar­ri­er Bu­si­ness fliegt, er­hält Ein­lass in die Sil­ver­K­ris-Lounge. Die­se ist rie­sig, 24 St­un­den ge­öff­net und bie­tet ein präch­tig aus­ge­stat­te­tes Buf­fet, Du­schen so­wie reich­lich be­que­me Sit­ze. Ein­zi­ger Mi­nus­punkt: Als LH-Se­na­tor (Gold) darf man auch mit Bu­si­ness-Clas­sTi­cket kei­nen Gast mit in die Lounge neh­men. Ich ent­schei­de mich ge­gen das ver­lo­cken­de An­ge­bot am Buf­fet. Ich möch­te ja wis­sen, was Sin­ga­po­re Air­lines auf ei­nem Nacht­flug bie­tet.

BO­AR­DING: Wer vom Ter­mi­nal 3 in Chan­gi ab­fliegt, soll­te gut zu Fuß sein. Ei­ni­ge Ab­flug-Ga­tes lie­gen bis zu zehn Mi­nu­ten Geh­zeit von den Loun­ges ent­fernt, und dann erst geht es durch die Si­cher­heits­kon­trol­le. Pünkt­lich um Mit­ter­nacht wird ein­ge­stie­gen. Sta­tus-Mit­glie­der, Bu­si­ness- und First-Clas­sPas­sa­gie­re dür­fen durch den Prio­ri­ty-Ein­gang. Schnell und ef­fi­zi­ent. Schon beim Be­tre­ten greift der welt­be­rühm­te SIA-Freund­lich­keits­mo­dus. An­spra­che mit Na­men, Hil­fe beim Ver­stau­en des Hand­ge­päcks, Zei­tungs­und Cham­pa­gner-Ser­vice, Be­stel­lung für das Abend­es­sen lau­fen wie cho­reo­gra­phiert ab.

DER SITZ: Ich sit­ze auf 19A, ei­nem Fens­ter­platz. Sin­ga­po­re Air­lines stat­tet sei­ne 63 A350-900 mit ei­ner 3-Klas­sen-Kon­fi­gu­ra­ti­on aus, die First Class fällt weg. Die 42 Bu­si­ness-Sit­ze sind in 1 – 2 – 1 an­ge­ord­net, da­mit je­der Gast be­quem ei­nen Gang­zu­gang hat. Be­vor SIA im No­vem­ber sei­ne neue Ka­bi­nen­aus­stat­tung vor­stell­te, wur­den in der A350 nur leicht mo­di­fi­zier­te Sit­ze der al­ten Ge­ne­ra­ti­on ver­wen­det. Mit 71 Zen­ti­me­tern Sitzbreite und ei­nem 198 Zen­ti­me­ter lan­gen Full-Flat-Bett ist er nach wie vor der Cham­pi­on der Klas­se. Kein Bu­si­ness-Sitz ist brei­ter, und kei­ner ist län­ger. Stau­raum gibt es reich­lich, La­de­an­schlüs­se sind in greif­ba­rer Hö­he und aus­rei­chen­der An­zahl vor­han­den. Der 42 Zen­ti­me­ter gro­ße LED-Bild­schirm ist das Maß al­ler Flug­zeug­mo­ni­to­re.

DER FLUG: Ein­fach das Bett auf­klap­pen (las­sen), hin­le­gen und schla­fen! Die­ser Ge­dan­ke schießt mir in den Kopf gleich nach dem pünkt­li­chen Start um 0.25 Uhr. Be­rech­ne­te Flug­zeit: 13 St­un­den, 25 Mi­nu­ten. Wer bit­te will denn um die­se Zeit noch üp­pig es­sen? Das hat sich wohl auch die Air­line ge­fragt und bie­tet auf Nacht­flü­gen ei­nen an­de­ren Ser­vice an. Wäh­rend auf ei­nem „nor­ma­len“Flug mit SIA das vor­züg­li­che Es­sen in meh­re­ren Wel­len ze­le­briert wird, zählt nachts nun asia­ti­sche Ef­fi­zi­enz. Die Kar­te ent­hält ge­ra­de mal ei­ne Vor­spei­se, drei leich­te Haupt­spei­sen, ein Des­sert plus Kä­se und Obst (die

per­ma­nent be­reit­ste­hen­den Snacks nicht mit­ge­zählt). Schluss. Und das ist cle­ver. Der ge­bra­te­ne Thun­fisch steht 20 Mi­nu­ten nach dem Start, zu­sam­men mit ei­nem groß­ar­ti­gen Mo­sel-Ries­ling, vor mir. Da ich mein Es­sen schon vor dem Start be­stellt hat­te, fin­den auch die Sa­tay-Spie­ße zü­gig den Weg in mei­nen Ma­gen. Weil ich Nach­tisch und Kä­se aus­las­se, ist mein spä­tes Mit­ter­nachtsd­in­ner ei­ne St­un­de nach dem Start vor­bei. Auch die Cr­ew hat ver­stan­den, dass Es­sen um die­se nacht­schla­fen­de Zeit mehr der Nah­rungs­auf­nah­me als dem Ge­nuss dient. Der Ser­vice: lei­se, un­auf­fäl­lig und ex­trem schnell, oh­ne hek­tisch zu sein. Per­fekt. Ich könn­te jetzt noch E-Mails che­cken (kos­tet lei­der 6,40 Eu­ro für 15 MB) oder ei­nen der über 300 (!) Fil­me an­schau­en – nix, ich ge­he ins (Him­mel-)Bett. Da liegt es sich, dank 198 Zen­ti­me­tern Län­ge und 71 Zen­ti­me­tern Brei­te, mit ku­sche­li­gen De­cken und Kis­sen, auch für groß ge­wach­se­ne Men­schen wie mich präch­tig.

Zwei St­un­den vor der ge­plan­ten Lan­dung wer­de ich sanft an der Schul­ter be­rührt, be­kom­me ein hei­ßes Hand­tuch ge­reicht und wer­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es nun Zeit für das Früh­stück sei. Ach ja, von mei­ner Ge­wohn­heit, das Früh­stück auf Langstre­cken­flü­gen aus­zu­las­sen und da­für län­ger zu schla­fen, wei­che ich heu­te mal ab. Denn das An­ge­bot ist wirk­lich be­mer­kens­wert. Ne­ben fri­schen Säf­ten, Früch­ten, Brot und sü­ßem Ge­bäck, Jo­ghurt so­wie ver­schie­de­nen Ce­rea­li­en bleibt die Bord­kü­che auch beim Früh­stück nicht kalt. Drei war­me Ge­rich­te ste­hen zur Wahl: po­chier­te Eier mit Kräu­ter-Sau­ce-Hol­lan­dai­se und Würst­chen, aus­ge­wähl­te Dim Sums oder war­me fran­zö­si­sche Waf­feln mit Mas­car­po­ne und Erd­beer­kom­pott. Mei­ne Dim Sums sind mit Hühn­chen, Schwei­ne­fleisch und To­fu ge­füllt und schme­cken le­cker. Der Kaf­fee kommt aus ei­ner or­dent­li­chen Ma­schi­ne und wird in fei­nem Por­zel­lan ser­viert. An­kunft: Flug SQ 328 lan­det über­pünkt­lich um 6.30 Uhr in Mün­chen.

FA­ZIT: Die Air­line bleibt auch bei „Red Eye Flights“ei­ne 5-Ster­ne-Wahl. Schnel­ler, ab­ge­speck­ter und den­noch lie­be­vol­ler Ser­vice für den mü­den Ge­schäfts­rei­sen­den, der vor dem Schla­fen noch et­was Leich­tes zu sich neh­men will. Opu­len­ter Früh­stücks­ser­vice dann vor der Lan­dung mit der ge­wohn­ten Per­fek­ti­on der Sin­ga­pu­rer. Und das al­les im mo­derns­ten Flug­zeug der Ge­gen­wart.

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