Bay­ern feu­ern Coach An­ce­lot­ti!

Chemnitzer Morgenpost - - FRONT PAGE -

MÜNCHEN - Nach der Schmach von Paris zo­gen Karl-Heinz Rum­me­nig­ge und Ha­san Sa­lih­a­mid­zic die Not­brem­se. Kei­ne 24 St­un­den dau­er­te es nach dem de­mü­ti­gen­den 0:3 von Bay­ern München bei PSG in der Cham­pi­ons Le­ague, dann war Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti nach nur 454 Ta­gen schon Ge­schich­te beim deut­schen Re­kord­meis­ter.

Alar­miert vom lang­sa­men, an­hal­ten­den Zer­fall der Mann­schaft, sa­hen sich Vor­stands­chef und Sport­di­rek­tor ge­nö­tigt, den re­nom­mier­ten Ita­lie­ner vor die Tür zu set­zen. „Die Leis­tun­gen un­se­rer Mann­schaft seit Sai­son­be­ginn ent­spra­chen nicht den Er­war­tun­gen, die wir an sie stel­len. Das Spiel in Paris hat deut­lich ge­zeigt, dass wir Kon­se­quen­zen zie­hen muss­ten“, ließ Rum­me­nig­ge aus­rich­ten. Er und Sa­lih­a­mid­zic hät­ten dies dem Ita­lie­ner in ei­nem „of­fe­nen und se­riö­sen Ge­spräch er­klärt“. Prä­si­dent Uli Ho­en­eß war nicht am Tref­fen be­tei­ligt.

Über­gangs­lö­sung ist Wil­ly Sa­gnol. Der ehe­ma­li­ge Pro­fi der Münch­ner und Trai­ner von Gi­rond­ins Bor­deaux, im Som­mer an An­ce­lot­ti vor­bei von den Münch­ner Ver­ant­wort­li­chen schon als As­sis­tent ver­pflich­tet, wird den FC Bay­ern am Sonn­tag bei Her­tha BSC be­treu­en. Da­nach ist Län­der­spiel­pau­se. Als Kan­di­dat für die Zu­kunft galt bis­lang Ju­li­an Na­gels­mann, für ei­ne län­ger­fris­ti­ge Nach­fol­ge wird nun auch Tho­mas Tu­chel ge­han­delt - er wohnt in München, Na­gels­mann baut dort ge­ra­de.

Rum­me­nig­ge be­ton­te aus­drück­lich, dass er die

Ent­wick­lung be­daue­re. „Car­lo ist mein Freund und wird es blei­ben, aber wir muss­ten hier ei­ne pro­fes­sio­nel­le Ent­schei­dung im Sin­ne des FC Bay­ern tref­fen.“Ne­ben An­ce­lot­ti muss auch des­sen kom­plet­tes ita­lie­ni­sches Trai­ner- und Be­treu­er­team um sei­nen Sohn Da­vi­de ge­hen. Rum­me­nig­ge hob her­vor, er er­war­te „von der Mann­schaft ei­ne po­si­ti­ve Ent­wick­lung und ab­so­lu­ten Leis­tungs­wil­len, da­mit wir un­se­re Zie­le für die­se Sai­son er­rei­chen“.

Mit sei­ner Tak­tik und Auf­stel­lung in Paris hat­te An­ce­lot­ti die seit Mo­na­ten wach­sen­den Zwei­fel an sei­ner Ar­beit dra­ma­tisch ver­stärkt und die Tren­nung letzt­lich pro­vo­ziert. Rum­me­nig­ge konn­te sei­ne Wut kaum ver­ber­gen, als er beim Mit­ter­nachts­ban­kett im L’Ho­tel du Collec­tion­neur mit schnei­den­der Stim­me zu den Eh­ren­gäs­ten, aber selbst­ver­ständ­lich auch zur Mann­schaft und zu An­ce­lot­ti sprach.

„Es war“, sag­te Rum­me­nig­ge in sei­ner kur­zen Re­de, „ei­ne ganz bit­te­re Nie­der­la­ge, ei­ne Nie­der­la­ge, die es zu ana­ly­sie­ren gilt, nach der wir auch Kl­ar­text re­den und Kon­se­quen­zen zie­hen müs­sen. Denn das, was wir ge­se­hen ha­ben, war nicht Bay­ern München.“An­ce­lot­ti saß di­rekt da­ne­ben, er kau­te mit be­tre­te­ner Mie­ne auf ei­nem Stück Brot her­um.

Der 58-jäh­ri­ge Ita­lie­ner hat­te sich mit sei­ner „Ha­ra­ki­ri“-Auf­stel­lung ge­gen PSG ver­zockt - und wich­ti­ge Spie­ler wie Mats Hum­mels, Ar­jen Rob­ben oder Franck Ri­be­ry ver­är­gert. Spä­tes­tens am Tag dar­auf wur­den die Zwei­fel so groß, dass Rum­me­nig­ge al­le Zu­rück­hal­tung fah­ren ließ.

Wie konn­te so et­was nur pas­sie­ren?! Car­lo An­ce­lot­ti ist nicht mehr Trai­ner des FC Bay­ern.

Drei Mal muss­te Bay­ern-Kee­per Sven Ul­reich in Paris hin­ter sich grei­fen - hier kas­sier­te er

das 0:2 durch Ed­in­son Ca­va­ni.

Wil­ly Sa­gnol

Karl-Heinz Rum­me­nig­ge

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