AL­LES ÜBER GLAS­HÜT­TE

In dem klei­nen Ort Glas­hüt­te in Sach­sen be­fin­den sich al­le gro­ßen deut­schen Ma­nu­fak­tu­ren. War­um ist das so, und was macht die Glas­hüt­ter Uh­ren so be­son­ders?

Chronos - - Inhalt - TEXT JENS KOCH

Wie die Uh­ren ins Erz­ge­bir­ge ka­men und was das deut­sche Uhrenmekka heu­te aus­macht.

An­fang des 19. Jahr­hun­derts war das Sil­ber­erz, das Glas­hüt­te zu ei­nem ge­wis­sen Wohl­stand ver­hol­fen hat­te, größ­ten­teils ab­ge­baut, und es gab kaum noch Ar­beit.

Die säch­si­sche Re­gie­rung im 20 Ki­lo­me­ter nörd­lich von Glas­hüt­te lie­gen­den Dres­den rief Un­ter­neh­men auf, sich im Erz­ge­bir­ge an­zu­sie­deln. Der Uhr­ma­cher­meis­ter Fer­di­nand Adolph Lan­ge un­ter­brei­te­te der Re­gie­rung den Plan, im Erz­ge­bir­ge ei­ne Uhrenindustrie nach dem Vor­bild des Schwei­zer Ju­ra zu eta­blie­ren. Da­durch soll­te nicht nur der Wohl­stand im Erz­ge­bir­ge er­höht wer­den, son­dern auch mehr Geld im Land blei­ben. Denn bis da­hin stamm­ten hoch­wer­ti­ge Ta­schen­uh­ren fast aus­schließ­lich aus der Schweiz. Lan­ge plan­te, 15 Ju­gend­li­che aus­zu­bil­den. Die­se soll­ten sich spä­ter selbst­stän­dig ma­chen und als spe­zia­li­sier­te Zu­lie­fe­rer die­nen. So soll­te die Keim­zel­le für die deut­sche Uhrenindustrie nach dem Vor­bild des Schwei­zer Val­lée de Joux ent­ste­hen. Das dort herr­schen­de Sys­tem der Ar­beits­tei­lung und den Wohl­stand der Re­gi­on hat­te Lan­ge wäh­rend sei­ner Wan­der­jah­re ken­nen ge­lernt.

Die säch­si­sche Re­gie­rung wähl­te Glas­hüt­te als ge­eig­ne­ten Ort aus und ge­währ­te Lan­ge ein Dar­le­hen. 1845 ging er nach Glas­hüt­te und grün­de­te dort sei­ne Uh­ren­ma­nu­fak­tur für Ta­schen­uh­ren. Da­mals leb­ten nur noch et­wa 1000 Men­schen in dem Erz­ge­birgs­ort.

Es war al­ler­dings ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen, die ehe­ma­li­gen Stroh­flech­ter, Di­enst­jun­gen und St­ein­bruch­ar­bei­ter in die Fein­me­cha­nik ein­zu­wei­sen. Au­ßer­dem brach­ten die Kos­ten Lan­ge trotz der staat­li­chen Un­ter­stüt­zung an den Rand des Ruins, und er steck­te sein gan­zes Geld und das sei­ner Frau in das Un­ter­neh­men.

Ne­ben der Pro­duk­ti­on und der Aus­bil­dung ge­lang es Lan­ge noch, ver­schie­de­ne Ge­rä­te zur prä­zi­se­ren Her­stel­lung von Tei­len zu ent­wi­ckeln und die Uhr­wer­ke zum Bei­spiel durch die Drei­vier­tel­pla­ti­ne wei­ter zu ver­bes­sern. Sei­ne ge­nau­en Ma­schi­nen, die nied­ri­gen Lohn­kos­ten und die Ar­beits­tei­lung führ­ten tat­säch­lich da­zu, dass er sehr prä­zi­se und da­bei er­schwing­li­che Uh­ren in Se­rie her­stel­len konn­te.

Auch Lan­ges Plan, ei­ne Uhrenindustrie zu eta­blie­ren, ging auf. Sei­ne Lehr­lin­ge mach­ten sich selbst­stän­dig und be­lie­fer­ten ihn mit Tei­len. Zu­dem sie­del­ten sich an­de­re Uh­ren­her­stel­ler an, und ei­ne Uhr­ma­cher­schu­le wur­de ge­grün­det.

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