TEST OMEGA

HIER KOMMT DIE MOONWATCH MIT MOND­PHA­SE UND CO-AXIAL-WERK! FIN­DET NUN ZU­SAM­MEN, WAS ZUSAMMENGEHÖRT?

Chronos - - INHALT - TEXT JENS KOCH FO­TOS NIK SCHÖLZEL (2), OMEGA

Blau wie der Nacht­him­mel und mit fo­to­rea­lis­ti­scher Mond­pha­se: So kommt die Speedmaster dem Mond nä­her als je zu­vor.

DIE MOONWATCH

Co-axial Moonphase ist so et­was wie die Speedmaster des 21. Jahr­hun­derts: Mecha­nisch, aber mit High­tech-ma­te­ria­li­en aus­ge­stat­tet, die sie ro­bust, prä­zi­se und vor al­lem un­emp­find­lich ge­gen Ma­gnet­fel­der ma­chen. Da­bei sieht sie durch die Mond­pha­se und die Far­be nicht nach Zu­kunfts­tech­no­lo­gie aus, son­dern hat fast et­was My­thi­sches.

Die Te­stuhr ver­bin­det die mo­der­ne Omega-tech­nik mit der Tra­di­ti­on der Moonwatch. Die 1957 vor­ge­stell­te Speedmaster be­kam die­sen Na­men, nach­dem sie 1969 am Raum­an­zug des ers­ten Mond­spa­zier­gangs der Mensch­heit da­bei war. Bis heu­te wird sie als Speedmaster Pro­fes­sio­nal mit Acryl­glas fast un­ver­än­dert ge­baut. Auch das Hand­auf­zugs­ka­li­ber 1861 ba­siert noch auf dem ur­sprüng­li­chen Werk. Da­ne­ben gab es schon län­ger ei­ne Ver­si­on mit Mond­pha­se, die auf die­sem Ka­li­ber auf­baut; sie läuft nun aus. Die neue Uhr ist der Nach­fol­ger mit mo­der­nem In­nen­le­ben. Das ba­siert auf dem Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber 9300 mit Co-axi­alHem­mung, das es auch schon in ei­ner Speedmaster Moonwatch gibt. Nun kom­men die­se Tra­di­tio-

nen und Tech­ni­ken al­so in ei­nem neu­en Mo­dell zu­sam­men.

Wie al­le Speedmaster-mo­del­le be­sitzt das Ge­häu­se die asym­me­tri­sche Form mit dem in­te­grier­ten Drü­cker- und Kro­nen­schutz und die cha­rak­te­ris­ti­sche Ta­chy­me­ter­ska­la. Sie be­steht hier aus Ke­ra­mik, die Ska­lie­rung aus der be­son­ders har­ten amor­phen Me­tall­le­gie­rung Li­quid­me­tal. Im Ver­gleich zu den Speedmaster-mo­del­len oh­ne Mond­pha­se fällt die Te­stuhr deut­lich ele­gan­ter aus. Das liegt an der Mond­pha­sen­an­zei­ge, dem blau­en Zif­fer­blatt mit Son­nen­schliff und dem blau­en Al­li­ga­tor­le­der­band. Aus ei­ner Tool­watch ist so ein sport­lich-ele­gan­tes Mo­dell ge­wor­den, das sich auch gut zum An­zug tra­gen lässt und per­fekt zu Pull­over oder Hemd passt. Es gibt noch zahl­rei­che wei­te­re Farb­va­ri­an­ten vom klas­si­schen Schwarz über Bi­co­lorMo­del­le in Braun so­wie mit sil­ber­nem Zif­fer­blatt und grü­ner Lü­net­te bis hin zum Weiß­gold­mo­dell mit sil­ber­nem Zif­fer­blatt und wein­ro­ter Lü­net­te. Uns ge­fällt die blaue Ver­si­on in Stahl am bes­ten.

Schaut man sich die Te­stuhr ge­nau­er an, fällt der fo­to­rea­lis­ti­sche Mond der Mond­pha­se auf. Die De­tail­treue ist so hoch, dass man Kra­ter und Tä­ler er­kennt und auch un­ter ei­ner star­ken Lu­pe kein Druck­ras­ter oder Ähn­li­ches sieht. Al­ler­dings sieht man et­was weit­aus Span­nen­de­res: Omega hat hier ei­ne wei­te­re Re­mi­nis­zenz an die

Ge­schich­te der Moonwatch ver­steckt: Den Stie­fel­ab­druck ei­nes As­tro­nau­ten im Mond­s­taub, den man vom be­rühm­ten Fo­to der ers­ten Mond­lan­dung kennt.

Tech­nisch hat Omega die Mond­pha­se so kon­stru­iert, dass sie erst nach zehn Jah­ren kor­ri­giert wer­den muss. Das geht sehr ein­fach über die Kro­ne von­stat­ten, ei­nen un­schö­nen Kor­rek­tur­drü­cker be­nö­tigt die Uhr nicht. In der ers­ten ge­zo­ge­nen Po­si­ti­on stellt man im Uhr­zei­ger­sinn die Mond­pha­se ta­ge­wei­se vor; ge­gen den Uhr­zei­ger­sinn ge­dreht, springt das Zei­ger­da­tum bei der Drei um ei­nen Tag vor.

Klei­nes Zei­ger­da­tum

Die­ses Zei­ger­da­tum stellt ei­nen ge­wis­sen Kom­pro­miss dar. Beim Ba­sis­werk fin­det sich das Da­tum im Fens­ter bei der Sechs. We­gen der Mond­pha­se geht das bei der Te­stuhr nicht; um die Sym­me­trie zu wah­ren, wur­de da­her ein klei­nes Zei­ger­da­tum bei der Neun zu­sam­men mit der klei­nen Se­kun­de rea­li­siert. Für die Ables­bar­keit ist das die schlech­tes­te Lö­sung. Im­mer­hin hat Omega die Hilfs­zif­fer­blät­ter im Ver­gleich zum Chronographen oh­ne Mond­pha­se ver­grö­ßert, so-

dass zu­min­dest Men­schen, die kei­ne Le­se­bril­le be­nö­ti­gen, das Da­tum mit et­was Kon­zen­tra­ti­on er­ken­nen kön­nen. Au­ßer­dem sieht das Zif­fer­blatt so har­mo­ni­scher aus.

Das Hilfs­zif­fer­blatt auf der an­de­ren Sei­te bei der Drei dient dem Chronographen. Auch hier gibt es zwei Zei­ger, den Zwölf-st­un­de­n­und den 60-Mi­nu­ten-zei­ger. Das hat den Vor­teil, dass der Trä­ger die Stopp­zeit in­tui­tiv wie ei­ne Uhr­zeit ab­le­sen kann. Bei her­kömm­li­chen Chronographen mit 30-Mi­nu­ten­Zäh­ler las­sen sich al­ler­dings bei Stopp­zei­ten un­ter ei­ner hal­ben St­un­de die Mi­nu­ten ge­nau­er und schnel­ler er­ken­nen. An­de­rer­seits kann man den Chronographen bei der Te­stuhr so­gar als zwei­te Zeit­zo­ne nut­zen.

Die Be­die­nung der Kro­ne geht recht leicht von der Hand, und auch die Chro­no­gra­phen­drü­cker be­nö­ti­gen nicht über­mä­ßig viel Kraft – wenn­gleich es Schalt­rad­chro­no­gra­phen gibt, die sich noch leich­ter be­die­nen las­sen.

Flä­chen­de­cken­de Brü­cken

Es gibt Chro­no­gra­pa­hen­wer­ke, die mehr von ih­rer Mecha­nik preis­ge­ben. Omega baut ei­nen groß­zü­gi­gen hoch­ge­wölb­ten Sa­phirglas­sicht­bo­den ein, ver­ziert Ro­tor und Brü­cken mit ei­nem sehr schö­nen spi­ral­för­mi­gen Zier­schliff und an­gliert und po­liert die Kan­ten. Aber die Brü­cken über­de­cken fast al­les. Drei Aus­frä­sun­gen las­sen zu­min­dest ei­nen Blick auf das Schalt­rad zu.

Tech­nisch setzt Omega da­ne­ben auf ei­ne mo­der­ne ver­ti­ka­le Kupp­lung, bei der man im Ge­gen­satz zur klas­si­schen ho­ri­zon­ta­len Kupp­lung zwar nicht viel sieht, die aber funk­tio­na­ler ist, da sie den Se­kun­den­stopp­zei­ger so­fort und oh­ne Sprün­ge los­lau­fen lässt. Auch der beid­sei­tig auf­zie­hen­de Ro­tor ar­bei­tet ef­fek­tiv, und die zwei in Se­rie ge­schal­te­ten Fe­der­häu­ser spei­chern Ener­gie für lan­ge 60 St­un­den Gang­au­to­no­mie und sor­gen stets für ei­nen gleich­mä­ßi­gen Kraft­ver­lauf.

Die Funk­tio­na­li­tät setzt sich beim Un­ruh­sys­tem fort: Statt des sonst üb­li­chen ein­sei­tig fi­xier­ten Klo­bens für die Un­ruh ver­baut Omega ei­ne sta­bi­le­re Un­ruh­brü­cke. Und die Fein­re­gu­lie­rung über­nimmt ein rück­erfrei­es Sys­tem mit vier Ge­wichts­schrau­ben an der Un­ruh. So lässt sich fei­ner re­gu­lie­ren, und die Spi­ral­fe­der kann frei schwin­gen. Die Un­ruh wur­de aus äs­the­ti­schen Grün­den schwarz ver-

chromt, was gut zum Rest des Wer­kes mit den ge­schwärz­ten Schrau­ben passt.

Die Co-axial-hem­mung ge­hört eben­falls zum Bes­ten, was man bei heu­ti­gen Uh­ren fin­den kann. Omega setzt die­ses Sys­tem als ein­zi­ger Her­stel­ler ein. Im Ka­li­ber 9904 ar­bei­tet die Hem­mung mit drei Funk- ti­ons­ebe­nen. An­ders als bei der Schwei­zer An­ker­hem­mung, die den Stan­dard in trag­ba­ren Uh­ren dar­stellt, wer­den bei der Co-axi­alHem­mung die Funk­tio­nen von Hem­men und Be­schleu­ni­gen ge­trennt und da­durch die un­schö­ne Glei­trei­bung an den An­ker­pa­let­ten ver­hin­dert. We­ni­ger Ener­gie­ver­lust und ei­ne bes­se­re Öl­hal­tung sind die Fol­ge. Die Hem­mung wird mit ei­nem leich­ten Öl­film ver­se­hen. Der Ge­nau­ig­keit kommt auch die sto­ßu­n­emp­find­li­che und von Ma­gnet­fel­dern kaum zu be­ein­flus­sen­de Si­li­zi­um­spi­ral­fe­der zu­gu­te.

Zu­sam­men mit an­de­ren ama­gne­ti­schen Tei­len sorgt sie da­für, dass auch stärks­te Ma­gnet­fel­der

der Uhr nichts an­ha­ben kön­nen. Das ist ein enor­mer Vor­teil für je­den Uh­ren­trä­ger, denn oft lie­gen gro­ße Gan­gun­ge­nau­ig­kei­ten le­dig­lich an ei­nem auf­ma­gne­ti­sier­ten Werk. Die Speedmaster Moonwatch Co-axial Mas­ter Chro­no­me­ter Moonphase ist auch die ers­te Uhr der Speedmaster-li­nie, die nicht nur von der COSC auf ih­re Chro­no­me­ter­ge­nau­ig­keit über­prüft, son­dern auch vom Eid­ge­nös­si­schen In­sti­tut für Me­tro­lo­gie (Me­tas) zer­ti­fi­ziert wird. Da­bei tes­tet das Schwei­zer In­sti­tut nicht nur die Gang­ge­nau­ig­keit des Wer­kes und spä­ter der gan­zen Uhr, son­dern auch zahl­rei­che an­de­re Fak­to­ren wie die Gan­g­re­ser­ve, die Was­ser­dicht­heit und vor al­lem die Wi­der­stands­kraft ge­gen Ma­gnet­fel­der bis 15000 Gauß.

Da­mit ge­lingt Omega ein 15mal hö­he­rer Ma­gnet­feld­schutz als bei ei­nem Werk mit Weich­ei­sen­kä­fig. Und im Ge­gen­satz zu die­ser her­kömm­li­chen Lö­sung kann man das Uhr­werk so­gar durch ei­nen Glas­bo­den be­trach­ten. So se­hen sinn­vol­le In­no­va­tio­nen aus, von de­nen je­der Käu­fer pro­fi­tiert und die sich auch in be­zahl­ba­ren Uh­ren wie­der­fin­den.

Wo­mit wir beim Preis wä­ren und da­mit bei der oft un­er­freu­lichs­ten Ei­gen­schaft un­se­rer Te­stuh­ren. Die Omega kos­tet 9300 Eu­ro und bie­tet da­mit ein noch gu­tes Preis-leis­tungs-ver­hält­nis für die ge­bo­te­ne Qua­li­tät und Funk­ti­ons­viel­falt. Der Auf­preis zum Moonwatch Co-axial Chronographen von 2300 Eu­ro für die Mond­pha­se und die Me­tas-zer­ti­fi­zie­rung fällt aber recht hoch aus.

Die Moonwatch Co-axial Moonphase ist die Moonwatch des neu­en Jahr­tau­sends: In­nen mit mo­derns­tem Werk und au­ßen mit rea­lis­ti­scher Mond­pha­se in­klu­si­ve As­tro­nau­ten­fuß­ab­druck ist sie dem Mond nä­her als je zu­vor.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.