TEST TUDOR

Ei­ne schwar­ze Uhr passt per­fekt zum Tau­chen in dunk­len Tie­fen – und sieht auch an Land­rat­ten cool aus. Des­halb bringt Tudor sein be­gehr­tes Mo­dell nun in der Ver­si­on He­ri­ta­ge Black Bay Dark.

Chronos - - INHALT - TEXT ALEX­AN­DER KRUPP FO­TOS OK-PHOTOGRAPHY

Schwarz in Schwarz: Wir tes­ten die sport­lichs­te al­ler He­ri­ta­ge-black-bayTau­cher­uh­ren.

DIE HE­RI­TA­GE Black Bay hat sich in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren zu ei­ner gro­ßen – und hoch­at­trak­ti­ven – Uh­ren­fa­mi­lie aus­ge­wach­sen. 2012 als aus­ge­spro­che­nes Re­tro­mo­dell in Edel­stahl mit ro­ter Tauch­zeit­lü­net­te lan­ciert, folg­te 2014 ei­ne de­zen­te­re Ver­si­on mit blau­em Dreh­ring und ein Jahr spä­ter die bis­her schlich­tes­te Va­ri­an­te mit schwar­zer Ska­la.

2016 brann­te Tudor ein wah­res Neu­hei­ten-feu­er­werk ab: Die Uhr kam so­wohl in Bron­ze als auch in ei­ner 36-Mil­li­me­ter-ver­si­on so­wie in der bis­her sport­lichs­ten, kom­plett schwar­zen Va­ri­an­te. Zu­dem wur­den al­le neu­en und be­ste­hen­den Mo­del­le vom Eta-ka­li­ber 2824 auf das 2015 ein­ge­führ­te Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber MT5602 um­ge­rüs­tet.

Für zu­sätz­li­che Viel­falt sorg­ten und sor­gen di­ver­se Arm­bän­der: Je­de Uhr ist ent­we­der mit drei­rei­hi­gem Edel­stahl- oder auf alt ge­trimm­tem Rinds­le­der­band er­hält­lich, und un­ab­hän­gig von den per­sön­li­chen Vor­lie­ben wird im­mer ein Tex­til­band mit­ge­lie­fert. Am mu­tigs­ten zeig­te sich Tudor 2016 bei der Wahl ei­nes Fleckt­arn­mus­ters für das Stoff­band des 36-Mil­li­me­ter-mo­dells.

Schwarz in Schwarz

Bei der Te­stuhr wird das Edel­stahl­band ge­nau­so sa­ti­niert und schwarz Pvd-be­schich­tet wie das Ge­häu­se. Wäh­rend auch das Zif­fer­blatt matt ist, setzt sich die Alu­mi­ni­um­ska­la auf der Drehlü­net­te glän­zend ab. Dass der Ring nicht aus Ke­ra­mik be­steht und so­mit kratz­an­fäl­lig bleibt, lässt sich bei ei­ner Uhr, die über 4000 Eu­ro kos­tet, nur schwer ver­schmer­zen.

Was da­ge­gen voll und ganz über­zeugt, ist das Werk – vor al­lem in An­be­tracht der his­to­ri­schen Tudor-wer­te Prä­zi­si­on und Ro­bust­heit. Ers­te­ren An­spruch er­füllt die klei­ne Rolex-schwes­ter durch die Prü­fung je­des Uhr­werks bei der of­fi­zi­el­len Schwei­zer Chro­no­me­ter­prüf­stel­le COSC. Hier wird ne­ben an­de­ren Kri­tie­ren si­cher­ge­stellt, dass die durch­schnitt­li­che täg­li­che Gan­g­ab­wei­chung zwi­schen –4 und +6 Se­kun­den liegt.

Der Chro­nos-test auf der elek­tro­ni­schen Zeit­waa­ge be­stä­tigt die Ge­nau­ig­keit, wo­bei hier im Ge­gen­satz zur of­fi­zi­el­len Prü­fung auch die sechs­te La­ge „Kro­ne rechts“ge­tes­tet wird – und prompt ei­nen klei­nen Aus­rei­ßer ins Mi­nus sicht­bar macht. Die­se La­ge ist zwar im All­tag sel­ten, da sie nur vor­kommt, wenn man den Arm hebt, um die Zeit ab­zu­le­sen. Sie ist je­doch es­sen­zi­ell für Men­schen, die ih­re Au­to­ma­tik­mo­del­le im Uh­ren­be­we­ger auf­be­wah­ren, da vie­le die­ser Ge­rä­te die Zeit­mes­ser wäh­rend mehr­stün­di­ger Ru­he­pha­sen in ei­ne senk­rech­te Po­si­ti­on brin­gen.

Den zwei­ten Teil der Mar­ken­phi­lo­so­phie, die Ro­bust­heit, er­füllt das „Mou­ve­ment Tudor“MT5602 durch ver­schie­de­ne tech­ni­sche Ei­gen­schaf­ten: Ers­tens ist das Werk mit 6,5 Mil­li­me­tern von stäm­mi­ger

Na­tur, so­dass nicht schon bei kleins­ten To­le­ranz­schwan­kun­gen in der Fer­ti­gung Funk­ti­ons­stö­run­gen auf­tre­ten. Zwei­tens wird die Un­ruh nicht nur ein­sei­tig von ei­nem Klo­ben ge­hal­ten, son­dern liegt sta­bil und völ­lig waa­ge­recht un­ter ei­ner Brü­cke. Und drit­tens be­steht die Spi­ral­fe­der aus Si­li­zi­um, so­dass nach Stö­ßen kei­ne Gan­g­ab­wei­chun­gen durch De­zen­trie­rung oder Ver­for­mung zu be­fürch­ten sind.

Wei­te­re Qua­li­täts­merk­ma­le des Ma­nu­fak­tur­werks sind die ho­he Gang­au­to­no­mie von 70 St­un­den und die frei­schwin­gen­de Un­ruh mit vier Re­gu­lier­schrau­ben. Der Gang wird al­so nicht mehr durch Ve­rän­de­rung der ak­ti­ven Spi­ral­län­ge re­gu­liert, wie das bei der He­ri­ta­ge Black Bay mit EtaKa­li­ber der Fall war. Tudor hat­te in das Eta 2824 zwar ei­ne an­de­re Fein­re­gu­lie­rung ein­ge­baut, den Sprung zum va­ria­blen Träg­heits­mo­ment aber erst mit dem Wech­sel auf das ei­ge­ne Werk ge­schafft.

Dass die Mar­ke kei­ne Mü­hen und Kos­ten in fei­ne Werk­ver­zie­run­gen in­ves­tiert, passt zu ih­rer Phi­lo­so­phie, ver­läss­li­che Uh­ren­tech­nik zu ei­nem über­schau­ba­ren Preis an­zu­bie­ten. Des­halb fin­den Mecha­nik­fans, die ein ge­eig­ne­tes Werk­zeug zum Öff­nen des Voll­ge­win­de­bo­dens auf­trei­ben kön­nen, Ver­zie­run­gen le­dig­lich in Form ei­nes durch­bro­che­nen und sa­ti­nier­ten Ro­tors mit Tudor-gravur. His­to­risch in­spi­riert Durch­aus po­si­tiv lässt sich be­wer­ten, dass Tudor bei der He­ri­ta­ge Black Bay Dark auf ein Da­tum ver- zich­tet. Schließ­lich steht auch die­se sport­lich ge­stal­te­te Mo­dell­va­ri­an­te in der Tra­di­ti­on der Tudor Oyster Submariner von 1954, die durch ihr auf­ge­räum­tes Zif­fer­blatt mit acht run­den, drei recht­ecki­gen und ei­nem drei­ecki­gen St­un­den­in­dex über­zeug­te – und eben kein Da­tum be­saß. Die auf­fäl­li­gen St­un­den- und Se­kun­den­zei­ger in „Sno­wfla­ke“Form stam­men von der zwei­ten Submariner-ge­ne­ra­ti­on, die Tudor 1969 vor­stell­te. Die Was­ser­dicht­heit be­trägt heu­te – wie be­reits seit 1958 – 200 Me­ter. Das war zur Zeit der Tauch­pio­nie­re ein ho­her Wert und reicht auch jetzt noch für die meis­ten Sport­tau­cher.

Auf die­se Wei­se ver­eint die He­ri­ta­ge Black Bay Dark das Bes­te aus ver­schie­de­nen Mo­dell­klas­si­kern – auf­ge­peppt durch die läs­si­ge Schwär­ze ei­ner top­ak­tu­el­len Sportuhr. Coo­ler kann man nicht tau­chen. Und mehr Tauch­his­to­rie kann man nicht in die Strand­bar tra­gen.

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