ROLEX

Die 1956 ein­ge­führ­te Rolex Oyster Perpetual Day-da­te war und ist an vie­len il­lus­tren Hand­ge­len­ken zu se­hen. War­um die über 60-Jäh­ri­ge so be­liebt ist, le­sen Sie hier.

Chronos - - INHALT - TEXT THO­MAS GRONENTHAL FO­TOS ROLEX UND ANTIQUORUM

Über 60 und im­mer noch at­trak­tiv: War­um die Day-da­te nicht nur Pro­mi­nen­te be­geis­tert.

Papst­jo­han­nes Paul II., die Us-prä­si­den­ten Dwight D. Ei­senhow­er und Lyn­don B. John­son, der Wall-street-ma­gnat War­ren Buf­fett und so­gar der deut­sche Fern­seh­kom­mis­sar Ste­phan Der­rick – sie al­le ha­ben und hat­ten et­was ge­mein­sam: die Rolex DayDa­te am Hand­ge­lenk. Im Fal­le des Tv-po­li­zis­ten aus Mün­chen war es so­gar die pri­va­te Uhr des Der­rickDarstel­lers Horst Tap­pert, die nicht feh­len durf­te.

Wäh­rend hier­zu­lan­de nur das zu­ge­hö­ri­ge Uh­ren­arm­band die Be­zeich­nung „Prä­si­dent“trägt, ist die Day-da­te selbst in den USA als Rolex Pre­si­dent be­kannt. Ein Ex­em­plar ist so­gar von ei­nem My­thos um­wo­ben: die Day-da­te mit der Gravur „Jack / With lo­ve as al­ways / Ma­ri­lyn / May 29th 1962“. Laut der Le­gen­de schenk­te Ma­ri­lyn Mon­roe die Uhr John F. Ken­ne­dy. Prä­si­dent Ken­ne­dy, auf sei­nen Ruf be­dacht, gab sie an ei­nen An­ge­stell­ten wei­ter. 2005 wur­de die Uhr für 120000 Dol­lar ver­stei­gert. Ob die Ge­schich­te wahr ist, konn­te bis­her nicht ge­klärt wer­den.

Die ers­te Day-da­te

1956 lan­cier­te Rolex die ers­te Uhr mit aus­ge­schrie­be­nem Wo­chen­tag, Da­tum und Au­to­ma­tik­werk – al­les in ei­nem Oyster-ge­häu­se, was­ser­dicht und da­mit für al­le Ein­satz­zwe­cke des All­tags ge­eig­net. Schnell ent­wi­ckel­te sie sich zu ei­nem Lu­xus­pro­dukt, das aus­schließ­lich in Gold oder Pla­tin ver­kauft wur­de.

Bis heu­te bleibt sich die DayDa­te in ih­ren Grund­ei­gen­schaf­ten treu: Bei zwölf Uhr ist der Wo­chen­tag aus­ge­schrie­ben; beim Kauf kann man da­für aus 26 Spra­chen wäh­len. Bei der Drei wird das Da­tum dar­ge­stellt – ver­grö­ßert durch die Rolex-ty­pi­sche Zy­klopLu­pe. Meist sind die Gold­uh­ren mit dem 1956 für die Day-da­te ent­wi­ckel­ten Prä­si­dent-band mit ver­deck­ter Falt­schlie­ße aus­ge­stat­tet.

Auf dem Ge­braucht­markt wer­den Day-da­te-mo­del­le ex­trem un­ter­schied­lich be­wer­tet. Bei On­li­neAuk­ti­ons­häu­sern wie ebay oder in gän­gi­gen Por­ta­len wie Chro­no24 fin­det man die­se Uh­ren be­reits für

ver­lo­ckend ge­rin­ge Be­trä­ge. Je nach Al­ter des Mo­dells müs­sen in Gelb­gold zwi­schen 3500 und 10000 Eu­ro an­ge­legt wer­den. Die Span­ne kommt durch den oft sehr un­ter­schied­li­chen Zu­stand der Uh­ren zu­stan­de – ver­schlif­fe­ne Ge­häu­se und aus­ge­lei­er­te oder be­reits feh­len­de Gold­bän­der las­sen den Preis fal­len.

Kauf­tipps für Vin­ta­ge-uh­ren

Bei al­ler Hoch­wer­tig­keit ei­ner Rolex – vor al­lem ge­brauch­te Mo­del­le in Mas­siv­gold soll­ten mit Be­dacht und Vor­sicht er­wor­ben wer­den. Das wei­che Ge­häu­se­ma­te­ri­al sam­melt Tra­ge­s­pu­ren, die oft im Rah­men ei­ner nicht fach­ge­rech­ten Re­stau­rie­rung durch Schlei­fen und Po­lie­ren be­sei­tigt wer­den. So ver­lie­ren die Ge­häu­se nicht nur Kon­tur, son­dern auch wert­vol­les Ma­te­ri­al.

Das­sel­be trifft auf die Gold­bän­der zu, die mit den Jah­ren Spiel zwi­schen den Glie­dern be­kom­men, den so­ge­nann­ten „Stretch“. Bei star­ker Be­las­tung kön­nen ein­zel­ne Glie­der rei­ßen und den Ver­lust der Uhr nach sich zie­hen. Das kom­plet­te Band über Rolex er­set­zen zu las­sen,

PRO­MI­NEN­TE TRÄ­GER: DIE TENNISSTARS ANA IVANOVIĆ UND RO­GER FEDERER SO­WIE DER PIA­NIST YUNDI RE­PRÄ­SEN­TIE­REN ROLEX MIT DER DAY-DA­TE AM ARM.

ist teu­er. Als Kom­pro­miss bie­tet sich bei gut er­hal­te­nen Gold­ge­häu­sen ein ele­gan­tes Le­der­band an.

Mo­del­le in Pla­tin wi­der­ste­hen der täg­li­chen Be­las­tung bes­ser und sind da­her meist in ei­nem gu­ten Zu­stand. Nicht ver­wun­der­lich ist hier der hö­he­re Ein­stiegs­preis – Vin­ta­ge-pla­tin­mo­del­le kos­ten je nach Bau­jahr mehr als 20000 Eu­ro. Be­son­de­re Ex­em­pla­re mit St­ein­be­satz oder Perl­mutt­zif­fer­blatt lie­gen preis­lich bei 50000 Eu­ro und dar­über. Sel­ten und be­gehrt sind Mo­del­le mit Edel­stein­zif­fer­blatt oder die Day-da­te mit Wur­zel­holz­zif­fer­blatt aus den 80ern: ku­ri­os, rar und edel.

Mo­dell­pfle­ge bei Rolex

Die Day-da­te er­fuhr im Lauf der Zeit zahl­rei­che Ve­rän­de­run­gen: Noch im sel­ben Jahr wie die ur­sprüng­li­che Re­fe­renz 6511 mit

Au­to­ma­tik­ka­li­ber 1030 er­schien die Re­fe­renz 6611 mit Ka­li­ber 1055. Die­ses ver­füg­te für die Fein­re­gu­lie­rung erst­mals über die bis heu­te ver­wen­de­ten Mi­cro­stel­la-re­gu­lier­mut­tern auf dem Un­ruh­reif. In die Ver­bes­se­rung des Schalt­me­cha­nis­mus für Tag und Da­tum floss eben­falls viel Ent­wick­lungs­ar­beit: Die Frik­ti­on der Schal­tun­gen ließ beim Vor­gän­ger die Gang­wer­te in der Zeit um den Da­tums­wech­sel ein­bre­chen. Mit dem Ka­li­ber 1055 ge­hör­te das der Ver­gan­gen­heit an.

In den sieb­zi­ger Jah­ren zähl­te die Day-da­te zu den Pio­nie­ren mit Sa­phirglas, das sie statt dem vor­her ver­bau­ten Kunst­stoff­glas nutz­te. Ab 1972 konn­ten die Trä­ger die Uhr dank Un­ruh­stopp se­kun­den­ge­nau auf ei­ne Re­fe­renz­zeit stel­len. En­de der Sieb­zi­ger folg­te ei­ne In­no­va­ti­on, die fort­an eben­falls bei al­len Mo­del­len von Rolex zu fin­den war: die Da­tums­schnell­schal­tung. Vor al­lem die Day-da­te pro­fi­tiert da­von, denn die Ein­stel­lung von Tag und Da­tum oh­ne „Quick Set“ist an­stren­gend.

An den Ge­häu­sen än­der­te sich we­nig. Die Uhr wur­de über die Jah­re et­was fla­cher, doch die ge­rif­fel­te Lü­net­te, das cha­rak­ter­vol­le Prä­si­dent-band und die Prä­senz der Uhr blie­ben sich im­mer treu. Erst ab dem Jahr 2000 durf­te die Day-da­te auch in Gold die Lü­net­te tra­gen, die vor­her den Pla­tin­mo­del­len vor­be­hal­ten war: Glatt, ein we­nig rund­lich und vor al­lem deut­lich de­zen­ter ging die Uhr ins neue Jahr­tau­send. Wei­ter­hin war auch die klas­si­sche ge­rif­fel­te Lü­net­te er­hält­lich, doch bei den Käu­fern kam das neue De­sign be­son­ders gut an. Zu­dem konn­te die Day-da­te mitt­ler­wei­le auch mit dem Oys­ter­band be­stückt wer­den. In Sa­chen Ge­häu­se­grö­ße blieb es – zu­nächst – bei 36 Mil­li­me­tern Durch­mes­ser.

Day-da­te II und Day-da­te 40

Mit der Day-da­te II folg­te Rolex im Jahr 2008 dem Ruf nach neu­er Grö­ße und stell­te der 36-Mil­li­me­terVer­si­on ein 41-Mil­li­me­ter-mo­dell an die Sei­te. Das er­prob­te Ka­li­ber 3155 be­saß mitt­ler­wei­le die Rol­e­xei­ge­ne Pa­rachrom-bleu-spi­ra­le und die Pa­raf­lex-stoß­si­che­rung.

Die bis­her letz­te Evo­lu­ti­ons­stu­fe – ei­gent­lich eher ei­nen Evo­lu- ti­ons­sprung – voll­zog Rolex 2015 mit Ein­füh­rung der Day-da­te 40: Die­se Mo­dell­li­nie, die die noch jun­ge Day-da­te II er­setzt, wur­de nicht nur um ei­nen Mil­li­me­ter ver­klei­nert, son­dern auch mit ei­ner neu­en Wer­ke­gene­ra­ti­on aus­ge­stat­tet. Mehr als 90 Pro­zent neu­er Kom­po­nen­ten ma­chen aus dem be­kann­ten Au­to­ma­tik­ka­li­ber 3155 das 3255. Die Gang­au­to­no­mie wuchs von 50 auf 72 St­un­den, was vor al­lem der neu­en „Chro­n­er­gy“-hem­mung mit ge­än­der­ter Geo­me­trie und 15 Pro­zent hö­he­rem Wir­kungs­grad zu ver­dan­ken ist. Die aus ei­ner Ni­ckel-phos­phor-le­gie­rung ge­fer­tig­ten Hem­mungs­kom­po­nen­ten sind laut Rolex un­emp­find­lich ge­gen­über Ma­gnet­fel­dern. Der Wir­kungs­grad des Auf­zugs wur­de eben­falls ver­bes­sert.

Op­tisch fällt die Day-da­te 40 durch ei­ne Viel­zahl neu­er Zif­fer­blatt­de­signs und -far­ben auf. Die Prei­se star­ten bei 31600 Eu­ro für das Gelb­gold­mo­dell; die Pla­tin­mo­del­le lie­gen jen­seits der 50000Eu­ro-gren­ze.

Auch und ge­ra­de in ih­rer neu­es­ten Au­s­prä­gung steht die DayDa­te für Ele­ganz, Prä­zi­si­on und Lang­le­big­keit – Ei­gen­schaf­ten, die nicht nur Prä­si­den­ten, Päps­ten und Po­li­zis­ten zu­gu­te kom­men.

Auf der Hö­he der Zeit: Im Au­to­ma­tik­ka­li­ber der ak­tu­el­len Day-da­te schwingt die Rolex-ei­ge­ne, be­son­ders gangs­ta­bi­le Pa­rachrom-bleuSpi­ra­le

1972: Mo­dell mit Dia­mant­in­de­xen. Das Ka­li­ber 1556 bringt den Un­ruh­stopp zum se­kun­den­ge­nau­en Ein­stel­len der Uhr­zeit

1987: Pas­send zu den In­nen­räu­men von Rolls- Roy­ce-mo­del­len gab es die Day-da­te auch mit Zif­fer­blatt aus Wal­nuss­wur­zel­holz

1956: Beim Ka­li­ber 1055 der Re­fe­renz 6611 ist der Kraft­fluss op­ti­miert, so­dass die Gang­wer­te um den Da­tums­wech­sel sta­bil blei­ben

1956: In der ers­ten Mo­dell­ge­ne­ra­ti­on der Day-da­te mit der Re­fe­renz­num­mer 6511 tickt das Au­to­ma­tik­ka­li­ber 1030

2008: Die Day-da­te II er­scheint als 41 Mil­li­me­ter gro­ße Al­ter­na­ti­ve zum 36-Mil­li­me­terMo­dell; das Ka­li­ber 3155 wird op­ti­miert

2015: Die ak­tu­el­le Day-da­te 40 ist wie­der ei­nen Mil­li­me­ter klei­ner und wird vom brand­neu­en Ka­li­ber 3255 an­ge­trie­ben

Män­ner der Macht und Day-da­te-fans: Us-prä­si­dent Lyn­don B. John­son (links) 1965 im Ge­spräch mit sei­nem Vor­vor­gän­ger Dwight D. Ei­senhow­er

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