25 UHR-SA­CHEN, DIE SIE NOCH NICHT WUSS­TEN

Wer war Per­so­na non gra­ta bei Rolex? Wel­che deut­sche Fir­ma war der größ­te Uh­ren­pro­du­zent der Welt, und wann? Wel­cher Schwei­zer Tour­bil­lon­ex­per­te be­grün­de­te den In­dus­trie­stan­dard für Quarz­wer­ke? 25 Fak­ten für In­si­der.

Chronos - - INHALT - TEXT GIS­BERT L. BRUN­NER

1

Tour­bil­lons ge­hen nicht zwangs­läu­fig ge­nau­er als nor­ma­le Uhr­wer­ke. Zu den Chro­no­me­ter­wett­be­wer­ben des Jah­res 1948 in der Ka­te­go­rie bis 30 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser reich­te Patek Phil­ip­pe bei­des ein. Als Sie­ger er­reich­te ein klas­si­sches, von An­dré Zi­bach re­gu­lier­tes An­ker­ka­li­ber 13VZ, Num­mer 861119, mit Guil­lau­me-un­ruh 854 Punk­te. Das gleich gro­ße Tour­bil­lon­ka­li­ber 861115 er­ziel­te le­dig­lich 738 Punk­te und da­mit Rang sie­ben.

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1903 war Junghans mit über 3000 Mit­ar­bei­tern und ei­ner Ta­ges­pro­duk­ti­on von rund 9000 Zeit­mes­sern der welt­weit größ­te Uh­ren­fa­bri­kant.

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Vie­le Apol­lo-as­tro­nau­ten ver­trau­ten ih­re Zeit pri­vat ei­ner Rolex an. Zum Kreis ge­hör­te auch John Leo­nard „Jack“Swi­gert. Das Mit­glied der Er­satz­mann­schaft der Apol­lo-13-mis­si­on muss­te 72 St­un­den vor dem Start für den er­krank­ten Tho­mas K. Mat­ting­ly als Pi­lot der Kom­man­do­kap­sel ein­sprin­gen. Sei­ne Gmt-mas­ter nahm er in der Ho­sen­ta­sche mit. Nach der glück­li­chen Rück­kehr zur Er­de be­dank­te er sich 1970 schrift­lich da­für bei Rolex, dass ihn sei­ne Arm­band­uhr „im­mer pünkt­lich sein“ließ.

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Der be­rühm­te Er­fin­der Chris­tia­an Huy­gens be­auf­trag­te im Ja­nu­ar 1675 ei­nen der wich­tigs­ten Uhr­ma­cher des 17. Jahr­hun­derts, Isaak Thu­ret, mit dem Bau der ers­ten Ta­schen­uhr mit der von ihm er­son­ne­nen Un­ruh samt Un­ruh­spi­ra­le. Thu­ret, spä­ter fran­zö­si­scher Ho­fuhr­ma­cher, gab das Re­gu­lier­or­gan als sei­ne Er­fin­dung aus. Huy­gens in­ter­ve­nier­te, und Thu­ret muss­te sich ent­schul­di­gen.

5

Bis 1839 ver­lief die Uh­ren­her­stel­lung rein hand­werk­lich. Dann wur­de der von Va­che­ron & Con­stan­tin en­ga­gier­te Uhr­ma­cher und Er­fin­der Ge­or­ges-au­gus­te Le­schot zum Vor­rei­ter ei­ner in­dus­tri­el­len Pro­duk­ti­on: Er ent­wi­ckel­te ver­schie­de­ne Ma­schi­nen für die Prä­zi­si­ons­fer­ti­gung von Uh­ren­roh­tei­len in grö­ße­ren Stück­zah­len und eb­ne­te da­mit den Weg zur mo­der­nen Uh­ren­in­dus­trie.

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Die Fol­gen der Welt­wirt­schafts­kri­se nach 1929 wa­ren für die Schwei­zer Uh­ren­in­dus­trie ver­hee­rend. Au­de­mars Pi­guet pro­du­zier­te im ge­sam­ten Jahr 1932 nur zwei Uh­ren, über­leb­te aber – im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren Fir­men.

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Die Le­bens­dau­er ei­ner mo­der­nen un­zer­brech­li­chen Zug­fe­der ist prin­zi­pi­ell un­be­grenzt. Rein theo­re­tisch könn­te man sie, so­fern pas­send, aus ei­nem ab­ge­nutz­ten Werk ent­fer­nen und in ei­nem an­de­ren Werk wei­ter­ver­wen­den.

8

Ein mecha­ni­sches Uhr­werk braucht gera­de ein­mal ein Mil­li­ards­tel PS für sei­ne ein­wand­freie Funk­ti­on.

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Die San­tos von Car­tier leis­te­te 1904 ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Eman­zi­pa­ti­on der Arm­band­uhr vom Ta­schen­uhr­de­sign. Sie ist da­mit der am längs­ten un­un­ter­bro­chen am Markt prä­sen­te Zeit­mes­ser fürs Hand­ge­lenk.

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Die zwei­te Ehe­frau von Ro­l­exG­rün­der Hans Wils­dorf be­klag­te sich im­mer wie­der über die schlech­te Ables­bar­keit des Fens­ter­da­tums ih­rer Da­te­just. Bei ei­nem sei­ner aus­ge­dehn­ten Auf­ent­hal­te im Ba­de­zim­mer hat­te Wils­dorf das Aha-er­leb­nis: Ein Was­ser­trop­fen spritz­te an der Stel­le des Da­tums aufs Glas der Oys­ter. Die Idee zur Lu­pe war ge­bo­ren.

11

Ze­nith ver­dankt das Re­vi­val des El-primero-chro­no­gra­phen ein­mal dem un­bot­mä­ßi­gen Uhr­ma­cher Char­ly Ver­mot, der Kom­po­nen­ten und Werk­zeu­ge auf dem Dach­bo­den ver­steckt hat­te. Zum an­de­ren aber auch Pier­re-alain Blum. Der da­ma­li­ge EbelIn­ha­ber ver­wen­de­te ab 1981 Rest­be­stän­de des El Primero für sei­nen er­folg­rei­chen Chro­no­gra­phen „Beau“und reg­te so Ze­nith zur Wie­der­auf­nah­me der Pro­duk­ti­on an.

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Die frü­hen Ra­dio­mir-mo­del­le von Pa­ne­rai be­sa­ßen Hand­auf­zugs­wer­ke und Oys­terGe­häu­se von Rolex. Doch oft ver­ga­ßen die Trä­ger nach dem Span­nen der Zug­fe­der, die Kro­ne zu ver­schlie­ßen, was das Uhr­werk beim nächs­ten Tauch­gang zer­stö­ren konn­te. Mit der Lu­mi­nor und ih­rem 1956 pa­ten­tier­ten, un­über­seh­ba­ren An­druck­he­bel für die Kro­ne pas­sier­te das nicht mehr.

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Nur zwei Jah­re nach Her­bei­füh­rung der Se­ri­en­rei­fe ver­füg­te der Wer­ke­her­stel­ler Val­joux 1975 ei­nen Pro­duk­ti­ons­stopp für das le­gen­dä­re Chro­no­gra­phen­ka­li­ber 7750. Trotz ei­ner Jah­res­pro­duk­ti­on von rund 100000 Ex­em­pla­ren war es kein wirt­schaft­li­cher Er­folg. Das Come­back er­folg­te 1983 un­ter dem Dach der Eta.

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Die ver­ti­ka­le Chro­no­gra­phen­kupp­lung ist weit äl­ter, als man den­ken wür­de. Ih­re Ge­schich­te be­ginnt 1885 mit dem Uhr­ma­cher Hen­ri-al­f­red Lu­grin. Er ver­wen­de­te fein ver­zahn­te Ke­gel­rä­der. 1936 folg­te der Bie­ler Uh­ren­her­stel­ler Pier­ce: Bei des­sen 13li­ni­gem Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber 130 stach ei­ne dor­nen­be­stück­te Mit­neh­mer­schei­be in ei­nen klei­nen Hart­gum­mi­ring. Pio­nier der mo­der­nen Aus­füh­rung ist Sei­ko: Das Au­to­ma­tik­ka­li­ber 6139 von 1969 be­saß schon je­ne Art Frik­ti­ons­kupp­lung, die heute häu­fig ver­wen­det wird.

15

Im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren Schwei­zer Mar­ken setz­te Girard-perregaux bei der Ent­wick­lung ei­nes Quarz­werks auf ei­ge­ne Kom­pe­tenz. Das ex­klu­si­ve Ka­li­ber GP 350 be­grün­de­te den bis heu­ti­ge ak­tu­el­len In­dus­trie­stan­dard von 32768 Hertz. Die da­mit aus­ge­stat­te­te „GP Quartz“de­bü­tier­te 1971 wäh­rend der Bas­ler Uh­ren­mes­se.

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Der 1975 vor­ge­stell­te Heu­erDi­gi­tal­chro­no­graph „Chro­no­s­plit“mit ein­ge­bau­tem Tran­sis­tor er­reich­te ei­ne bis da­hin nie da­ge­we­se­ne Prä­zi­si­on von 99,9989 %. Ei­ner der ers­ten Kun­den für die 600 Dol­lar teu­re Uhr bei Tif­fa­ny in New York: Paul New­man.

17

Die er­folg­reichs­ten Au­to­ma­tik­ka­li­ber der Eta un­ter dem Dach der Ebau­ches SA wa­ren das 2789 und das 2789-1. Von erst­ge­nann­tem Uhr­werk ent­stan­den zwi­schen 1971 und 1976 über sechs Mil­lio­nen Ex­em­pla­re. Von der ver­bes­ser­ten Ver­si­on wur­den zwi­schen 1976 und 1982 so­gar über 12,4 Mil­lio­nen Stück pro­du­ziert.

18

Die In­spi­ra­ti­on zur Mont­blanc „Met­a­mor­pho­sis“, de­ren Zif­fer­blatt sich auf Knopf­druck öff­net, da­mit die Chro­no­gra­phen­funk­ti­on her­aus­fah­ren kann, lie­fer­te der Ki­no­film „Trans­for­mers“von 2007, in dem sich Ro­bo­ter in Au­tos und zu­rück ver­wan­deln.

19

Nach dem Tod Hans Wils­dorfs am 6. Ju­li 1960 er­klär­te der neue Ge­ne­ral­di­rek­tor An­dré Hei­ni­ger Wils­dorfs Wit­we zur un­er­wünsch­ten Per­son im Hau­se Rolex. Die Ver­gan­gen­heit soll­te kei­ne Rol­le mehr spie­len.

20

Die größ­te öf­fent­li­che Uhr Deutsch­lands ist die 1928 am Was­ser­turm des Näh­ma­schi­nen­werks Wit­ten­ber­ge (Bran­den­burg) an­ge­brach­te Turm­uhr. Ihr Durch­mes­ser be­trägt 7,57 Me­ter, der Mi­nu­ten­zei­ger ist 3,03 Me­ter lang, der St­un­den­zei­ger 2,25 Me­ter.

21

Nur 9,9 Mil­li­me­ter hoch und gera­de ein­mal 1,6 Gramm leicht ist die kleins­te me­cha­ni­sche Pen­del­uhr des Lu­zer­ner Uhr­ma­chers Fre­dy Süess – da­bei be­steht sie aus 150 Ein­zel­tei­len. Ihr Pen­del zap­pelt mit 1,5 Hertz. Die Uhr fand 1989 Ein­gang ins Guin­ness-buch der Re­kor­de.

22

TAG Heu­er kann 2017 be­reits das 3000. Cosc-zer­ti­fi­kat für das Ka­li­ber Heu­er 02-T ent­ge­gen­neh­men. Auf dem Ge­biet der Tour­bil­lons ist das ei­ne Welt­best­leis­tung.

23

Die me­cha­ni­sche Uhr mit der höchs­ten Gang­au­to­no­mie über­haupt stammt von Mat­thi­as Na­eschke aus Hai­ger­loch bei Tü­bin­gen. Sei­ne 2,2 Me­ter ho­he Stand­uhr mit ins­ge­samt vier Ge­wich­ten läuft rund 3750 Ta­ge am Stück. Al­so ist erst nach rund zehn Jah­ren Ener­gi­e­nach­schub von­nö­ten.

24

Das flachs­te Hand­auf­zugs­werk al­ler Zei­ten stammt von Je­an Las­sa­le, Genf. Sein 1978 vor­ge­stell­tes Ka­li­ber 1200, Durch­mes­ser 20,4 mm, bau­te nur 1,2 mm hoch. Dar­aus er­rech­net sich ein Ge­samt­vo­lu­men von 397 Ku­bik­mil­li­me­tern. Das Werk ver­füg­te über neun St­ei­ne und 14 Mi­nia­tur­ku­gel­la­ger. Die Un­ruh­fre­quenz be­trug drei Hertz.

25

Der Ma­gnet­feld­schutz der 1989 vor­ge­stell­ten IWC-IN­GE­nieur-re­fe­ren­zen 3508, 3518, 9238 und 9258 reich­te bis 500000 A/m. Ge­baut wur­den we­ni­ger als 1500 Ex­em­pla­re. In­ter­es­sant ist die Ge­schich­te der spe­zi­el­len Un­ruh­spi­ra­le, die im mo­di­fi­zier­ten Ka­li­ber Eta 2892-A2 ver­baut wur­de: Die Zu­sam­men­set­zung des hier­für ver­wen­de­ten kost­spie­li­gen Ma­te­ri­als ist nicht mehr auf­find­bar – we­der bei IWC noch beim Spi­ra­len­her­stel­ler Ni­varox-far.

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