KONZEPTUHR ULYSSE NARDIN INNOVISION 2

Zehn Jah­re nach der bahn­bre­chen­den Konzeptuhr Innovision zün­det Ulysse Nardin nun die zwei­te Evo­lu­ti­ons­stu­fe in Sa­chen Si­li­zi­um­tech­nik.

Chronos - - INHALT - TEXT JOE THOMP­SON

MECHA­NIK­FANS, die sich um die In­no­va­ti­ons­kraft von Ulysse Nardin Sor­gen ge­macht ha­ben, dürf­ten nach der Vor­stel­lung der Innovision 2 auf dem Gen­fer Uh­ren­sa­lon im Ja­nu­ar 2017 be­ru­higt sein. Die neue Konzeptuhr ist das geis­ti­ge Kind von CEO Pa­trik Hoff­mann, den der 2011 ver­stor­be­ne Rolf Schny­der zu sei­nem Nach­fol­ger er­ko­ren hat­te. Die Uhr er­schien zum zehn­jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um der ers­ten Innovision und be­inhal­tet wie die­se zehn neue Tech­ni­ken, die Ulysse Nardin teil­wei­se in zu­künf­ti­gen Se­ri­en­mo­del­len ein­set­zen will.

Das war be­reits der Grund­ge­dan­ke hin­ter der ur­sprüng­li­chen Innovision, die Ulysse Nard­ins Vor­rei­ter­rol­le in der fo­to­li­tho­gra­fi­schen Kom­po­nen­ten­fer­ti­gung un­ter­strich. In der Uhr ar­bei­te­ten Werk­t­ei­le aus Si­li­zi­um, die in da­mals exo­ti­schen Ver­fah­ren wie DRIE (Deep Re­ac­tive Ion Et­ching, Io­nen-ätz­ver­fah­ren) und LI­GA (Li­tho­gra­fie, Gal­va­nik und Ab­for­mung) ent­stan­den. Zwei tech­ni­sche High­lights wa­ren die Spi­ra­le und die Stoß­si­che­rung aus Si­li­zi­um, die heute bei­de Stan­dard bei Ulysse Nardin sind.

„Tat­säch­lich“, sagt Pa­trik Hoff­mann, „kom­men heute acht von den da­ma­li­gen zehn In­no­va­tio­nen in der ei­nen oder an­de­ren Form bei Ulysse Nardin zum Ein­satz. Das zeigt, dass es sich nicht um ei­nen – teu­ren – Mar­ke­ting-gag han­del­te.“

Den Plan, ei­ne Innovision 2 zu bau­en, ent­wi­ckel­te Hoff­mann 2016. „Wir hat­ten so vie­le In­no­va­tio­nen in der Pi­pe­line, dass ich sag­te: ‚Leu­te, lasst sie uns in ei­ne Freak pa­cken wie da­mals. Das ist jetzt schon zehn Jah­re her!‘ Dann fin­gen wir an, die zehn In­no­va­tio­nen aus­zu­su­chen, die uns für die un­ge­wöhn­lich kon­stru­ier­te Freak sinn­voll er­schie­nen.

Die ers­te Freak war be­reits 2001 er­schie­nen. Sie hat­te we­der Zif­fer­blatt noch Zei­ger noch ei­ne Kro­ne. Statt­des­sen zeig­te das ro­tie­ren­de Uhr­werk selbst die Zeit an: Die St­un­den­an­zei­ge saß auf dem Fe­der­haus, und die Hem­mungs­brü­cke dien­te als Mi­nu­ten­zei­ger. Sie war die ers­te Uhr mit Werk­kom­po­nen­ten aus Si­li­zi­um. Als An­schau­ungs­ob­jekt für die Ex­pe­ri­men­tier­freu­dig­keit von Ulysse Nardin nutzt die Mar­ke die Freak im­mer wie­der als Konzeptuhr. Das neu­es­te Mo­dell be­inhal­tet die fol­gen­den zehn In­no­va­tio­nen:

1. „Gr­in­der“-selbst­auf­zug

Der völ­lig neue Auf­zugs­me­cha­nis­mus na­mens Gr­in­der war für Hoff­mann der ei­gent­li­che An­lass, ei­ne neue Konzeptuhr vor­zu­stel­len. Die Tech­nik um­fasst ei­nen Zen­tral­ro­tor mit Ku­gel­la­ger und drei dar­un­ter lie­gen­den, klei­ne­ren Ku­gel­la­gern. Letz­te­re ar­bei­ten auf ei­nem fle­xi­blen Trä­ger­rah­men, der schon bei der ge­rings­ten Dre­hung des Hand­ge­lenks in Be­we­gung ge­rät und den Ro­tor an­treibt.

Au­ßer­dem ver­wen­det Ulysse Nardin statt der her­kömm­li­chen zwei Klin­ken, die in die Ver­zah­nung des Auf­zugs­rads ein­grei­fen, vier Klin­ken, die die Auf­zug­s­ef­fi­zi­enz deut­lich stei­gern. Hoff­mann er­klärt: „Das ist, als hät­ten Sie vier Bei­ne und wür­den ein Fahr­rad mit vier Pe­da­len fah­ren. Auf die­se Wei-

FÜR DIE ZEHN NEU­EN TECH­NI­KEN DER INNOVISION 2 WUR­DEN INS­GE­SAMT ELF PA­TEN­TE AN­GE­MEL­DET BE­ZIE­HUNGS­WEI­SE BE­REITS ER­TEILT.

se gibt es kei­ne Kraft­pau­sen beim Tre­ten.“

2. Du­al-constant-hem­mung

So heißt die neue Kon­stant­kraf­tHem­mung, die im­mer die glei­che Ener­gie ans Rä­der­werk ab­gibt und so­mit die Prä­zi­si­on über an­nä­hernd die ge­sam­te Gang­dau­er si­chert. Ulysse Nardin hat sie aus der Du­al-di­rect-hem­mung der 2001 vor­ge­stell­ten Freak wei­ter­ent­wi­ckelt und nun mit der mar­ken­ei­ge­nen An­ker­hem­mung von 2014 kom­bi­niert. Das Sys­tem be­sitzt ei­ne kom­ple­xe Struk­tur mit Blo­ckie­r­ele­men­ten und fle­xi­blen Si­li- zi­um­klin­gen. Letz­te­re sind es­sen­zi­ell für die kon­stan­te Kraft­ab­ga­be, da sie sich un­ab­hän­gig von der Fe­der­span­nung im­mer gleich stark be­we­gen und so­mit ih­re Kraft völ­lig gleich­mä­ßig wei­ter­ge­ben.

3. Di­rek­tes Si­li­zi­um-bon­d­ing

Ulysse Nardin fer­tigt die DualCon­stant-hem­mung aus fla­chen Schei­ben mo­no­kris­tal­li­nen Si­li­zi­ums, so­ge­nann­ten Wa­fern, im Drie-ver­fah­ren. Auf­grund der drei­di­men­sio­na­len Struk­tur des Bau­teils pro­du­ziert die Mar­ke es aus zwei ge­trenn­ten Kom­po­nen­ten. „Zum ers­ten Mal ha­ben wir Si­li­zi­um ver­bun­den, und zwar durch ei­nen selbst ent­wi­ckel­ten Oxi­da­ti­ons­pro­zess“, sagt Pa­trik Hoff­mann. „Das Ver­fah­ren er­öff­net uns neue Mög­lich­kei­ten zur Her­stel­lung kom­ple­xer Si­li­zi­um­bau­tei­le mit ver­schie­de­nen Ma­te­ri­al­stär­ken.“

4. Neue Si­li­zi­u­mun­ruh

Die neue Un­ruh be­steht, wie auch die Spi­ra­le, aus Si­li­zi­um. Ei­ne wei- te­re Be­son­der­heit: Der Reif trägt zahl­rei­che pad­del­för­mi­ge Spei­chen, die Luft­ver­wir­be­lun­gen glät­ten und so den Gang in ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen kon­stant hal­ten sol­len. Der Er­hö­hung des Träg­heits­mo­ments die­nen vier Gold­ge­wich­te mit Un-schrift­zug und dem mar­ken­ty­pi­schen An­ker.

5. Sa­phir­be­schich­te­te Si­li­zi­um­brü­cke

2007 prä­sen­tier­te Ulysse Nardin ein Ver­fah­ren zum Be­schich­ten von Si­li­zi­um­kom­po­nen­ten mit syn­the­ti­schem Dia­mant, der die Halt­bar­keit der Bau­tei­le er­hö­hen soll­te. Neu – und güns­ti­ger – ist nun die Be­schich­tung mit Sa­phir, dem zweit­här­tes­ten ver­füg­ba­ren Ma­te­ri­al. Sie wird ei­nen Tau­sendstel­mil­li­me­ter dick auf die Mi­nu­ten­rad­brü­cke auf­ge­bracht, um de­ren Fes­tig­keit und Ober­flä­chen­här­te zu er­hö­hen.

6. Hart­gold­rä­der

Die Rä­der der Innovision 2 be­ste­hen nicht aus dem tra­di­tio­nel­len

Ma­te­ri­al Mes­sing, son­dern aus Hart­gold, das im Li­ga-ver­fah­ren her­ge­stellt wird. Laut Ulysse Nardin be­wirkt Gold ei­ne ef­fi­zi­en­te­re Kraft­über­tra­gung, was die Gang­dau­er er­höht.

7. Stoß­si­che­rung aus Glas

Vor Jahr­zehn­ten hat Ulysse Nardin Schiff­s­chro­no­me­ter pro­du­ziert, de­ren Un­ruh­spi­ra­len aus Glas be­stan­den. „Wir ha­ben uns dar­an er­in­nert und wie­der be­gon­nen, mit Glas zu ex­pe­ri­men­tie­ren“, er­klärt Hoff­mann. Bei der neu­en Konzeptuhr be­steht das kom­plet­te Stoß­si­che­rungs­sys­tem aus Glas. Bei der Innovision von 2007 war die­se Kom­po­nen­te noch aus Si­li­zi­um ge­fer­tigt. Nun ver­wen­det Ulysse Nardin Glas we­gen sei­ner Sta­bi­li­tät und Fle­xi­bi­li­tät. Denn das Ma­te­ri­al ist laut Un­ter­neh­men bei Wei­tem nicht so zer­brech­lich wie ge­mein­hin an­ge­nom­men.

8. Op­ti­sche Ef­fek­te

Ein wei­te­rer Grund für die Ver­wen­dung von Glas ist des­sen Trans­pa­renz: „Wir kön­nen in das Ma­te­ri­al je­de be­lie­bi­ge Form la­sern – oder auch Ka­nä­le, die sich mit Leucht­mas­se fül­len las­sen.“So trägt die glä­ser­ne Un­ruh­brü­cke der InnoVision 2 die Initia­len UN in ei­nem Rah­men, der im Dun­keln stark leuch­tet.

9. Kom­ple­xe Struk­tu­ren dank La­ser­schnitt

Der über­gro­ße drei­di­men­sio­na­le Mi­nu­ten­zei­ger be­steht eben­falls aus Glas. Die Her­aus­for­de­rung war hier, die kom­ple­xe Form aus ei­nem ein­zi­gen Stück ex­akt zu fer­ti­gen. Die Lö­sung lag im La­ser­schnitt, der ei­ne Prä­zi­si­on auf drei Tau­sendstel­mil­li­me­ter er­mög­licht. Für er­höh­te Sta­bi­li­tät bei Stö­ßen hat Ulysse Nardin das fi­li­gra­ne Glas­kon­strukt auf ei­nen Me­tall­rah­men ge­setzt.

10. Neue Zeit­an­zei­ge

Wäh­rend der ers­ten zwölf St­un­den des Ta­ges er­schei­nen in den Aus­schnit­ten am Wer­krand die Zah­len eins bis elf. Mit­tags dreht sich der Ring mit den St­un­den­zah­len, so­dass die Zah­len 13 bis 23 sicht­bar wer­den.

Für die zehn neu­en Tech­ni­ken der Innovision 2 wur­den ins­ge­samt elf Pa­ten­te an­ge­mel­det be­zie­hungs­wei­se be­reits er­teilt. Wie vie­le der Neue­run­gen sich tat­säch­lich in Se­ri­en­mo­del­len nut­zen las­sen, ist noch of­fen. In je­dem Fall zeigt die neue Konzeptuhr, dass das Stre­ben nach tech­ni­scher In­no­va­ti­on ei­ne Kern­kom­pe­tenz von Ulysse Nardin ist.[1487]

Bei Dun­kel­heit leuch­tet die glä­ser­ne Un­ruh­brü­cke

CEO Pa­trik Hoff­mann hat die Ent­wick­lung der Innovision 2 erst 2016 ge­star­tet

Die­ser fle­xi­ble Rah­men ist Teil des neu­en „ Gr­in­der“Auf­zugs­sys­tems Den Kon­stant­kraf­tMecha­nis­mus nennt Ulysse Nardin DualCon­stant-hem­mung Pad­del­för­mi­ge Spei­chen an der Si­li­zi­u­mun­ruh glät­ten Luft­ver­wir­be­lun­gen Die Un­ruh­brü­cke mit Leucht­mas­se­ka­nal und...

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