MIS­TER TUTIMA

Chronos - - Dieter Delecate -

1954 WAR DEUTSCH­LAND ge­ra­de Fuß­ball­welt­meis­ter ge­wor­den, und die jun­ge Bun­des­re­pu­blik be­fand sich in ei­nem ra­san­ten wirt­schaft­li­chen Auf­schwung. In die­sem Jahr mach­te sich ein jun­ger Mann in Gan­der­ke­see bei Bre­men auf zu ei­nem Be­wer­bungs­ge­spräch bei ei­nem lo­ka­len Uh­ren­un­ter­neh­men. Er sprach mit dem In­ha­ber und be­kam den Job. Er war 19 Jah­re alt.

Der Te­enager war Die­ter Dele­ca­te, und er ar­bei­tet mitt­ler­wei­le seit mehr als 63 Jah­ren in der Uhrenindustrie. 1960 grün­de­te er die Die­ter Dele­ca­te Uh­ren­fa­bri­ka­ti­on in Gan­der­ke­see und er­weck­te die al­te Glas­hüt­ter Mar­ke Tutima in West­deutsch­land wie­der zum Le­ben. Aus sei­nem Un­ter­neh­men wur­de spä­ter die Tutima Uh­ren­fa­brik Gm­bh. Dele­ca­te hat ei­ne gan­ze Rei­he für die Uhrenindustrie ein­schnei­den­der Er­eig­nis­se mit­er­lebt und mit­ge­stal­tet. Er war ei­ner der ers­ten west­li­chen Uh­ren­pro­du­zen­ten, die nach Hong­kong gin­gen. Er ge­hör­te zu den Pio­nie­ren der Mecha­nik­re­nais­sance. Und 1990, kurz nach dem Fall der Ber­li­ner Mau­er, war er ei­ner der ers­ten west­deut­schen Uh­ren­her­stel­ler, die sich auf den Weg nach Glas­hüt­te mach­ten. Dele­ca­te ist ein Mann, der lie­ber sei­ne Uh­ren im Ram­pen­licht sieht als sich selbst. Doch vor Kur­zem traf ich ihn und sei­ne Kin­der Jörg und Ute, die eben­falls zum Ma­nage­ment von Tutima ge­hö­ren, zu ei­nem lan­gen Ge­spräch über die Jah­re und Jahr­zehn­te, die aus Die­ter Dele­ca­te Mr. Tutima mach­ten. Der Mann, der Dele­ca­te 1954 ein­stell­te, hieß Dr. Ernst Kurtz. Er war in den 1920er Jah­ren Grün­der und Chef der da­mals größ­ten Uh­ren­fir­ma in Glas­hüt­te, UROFAUFAG, und rief die Mar­ke Tutima ins Le­ben. Nach Glas­hüt­te kam der Ju­rist als Mit­ar­bei­ter ei­ner säch­si­schen Bank mit dem Auf­trag, der nach dem Ers­ten Welt­krieg not­lei­den­den Glas­hüt­ter In­dus­trie neue Im­pul­se zu ge­ben. Und das ge­lang ihm: Er führ­te die ma­schi­nel­le Pro­duk­ti­on von Arm­band­uh­ren ein, wo­bei die Top­mo­del­le den Na­men „Tutima“er­hiel­ten. In den Drei­ßi­gern be­schäf­tig­te die UROFA-UFAG be­reits 1000 Mit­ar­bei­ter in Glas­hüt­te. Der Zwei­te Welt­krieg al­ler­dings zer­stör­te al­les, was Kurtz auf­ge­baut hat­te, ein­schließ­lich der Mar­ke Tutima. Als am 8. Mai 1945, dem letz­ten Kriegs­tag, ei­ne so­wje­ti­sche Bom­be die Uh­ren­pro­duk­ti­on in Glas­hüt­te in Schutt und Asche leg­te, floh Kurtz mit sei­nen Kol­le­gen nach Mem­mels­dorf in Bay­ern und grün­de­te ei­ne klei­ne Uh­ren­fa­brik, trans­fe­rier­te die­se aber schon 1951 nach Gan­der­ke­see bei Bre­men. Dort fer­tig­te er Arm­band­uh­ren in Tutima-qua­li­tät mit dem Mar­ken­lo­go „Kurtz“und dem kur­siv ge­setz­ten Zu­satz „Glas­hüt­ter Tra­di­ti­on“auf dem Zif­fer­blatt.

Kaum hat­te Dele­ca­te 1954 bei Kurtz an­ge­fan­gen, nahm die­ser ihn un­ter sei­ne Fit­ti­che. „Schon an mei­nem ers­ten Tag er­zähl­te er mir von Glas­hüt­te und Tutima“, er­in­nert sich Dele­ca­te, der 1957 ei­nen ei­ge­nen Uh­ren­groß­han­del grün­de­te. Bald muss­te er die bit­te­re

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