III. Der NATO Chro­no

Chronos - - Dieter Delecate -

An­fang der acht­zi­ger Jah­re schrieb die Bun­des­wehr ei­nen of­fi­zi­el­len Chro­no­gra­phen für die Luft­waf­fe aus. Die Uhr soll­te ein me­cha­ni­sches Werk be­sit­zen, da man ei­ner Quarz­uhr nicht an­sah, wann ih­re Bat­te­rie leer sein wür­de. Tutima be­warb sich und kon­zi­pier­te die ge­wünsch­ten groß­flä­chi­gen, ins Ge­häu­se in­te­grier­ten Chro­no­gra­phen­drü­cker. Wei­te­re An­for­de­run­gen wa­ren ein zen­tra­ler Mi­nu­ten­zei­ger mit ei­ner ro­ten Spit­ze in Flug­zeug­form, ein eben­falls ro­ter Se­kun­den­stopp­zei­ger, ein Zwölf-st­un­den-zäh­ler und ei­ne 24St­un­den-an­zei­ge. das Stahl­ge­häu­se war 14,5 Mil­li­me­ter dick und soll­te das Werk vor Ma­gnet­fel­dern bis 1000 Oer­sted so­wie Schlä­gen bis sie­ben g schüt­zen. An­ge­trie­ben wur­de die Uhr vom Le­ma­nia-ka­li­ber 5100.

Nach aus­gie­bi­gen Tests durch die Bun­des­wehr er­hielt Tutima den Zu­schlag, wo­zu ge­ra­de auch Dele­ca­tes spe­zi­el­le Drü­cker bei­tru­gen. Die Uh­ren, die er an die Bun­des­wehr lie­fer­te, tru­gen die Nato-num­mer 664512-194-8642. 1985 brach­te Dele­ca­te das Mo­dell auch auf

In der Zwi­schen­zeit lan­cier­te Dele­ca­te den Flie­ger­chro­no­gra­phen von 1941 neu. Auch das war al­les an­de­re als ein­fach: Das ori­gi­na­le Urofa-ka­li­ber 59 gab es längst nicht mehr. Statt­des­sen nahm sich Dele­ca­tes Team das Val­joux-chro­no­gra­phen­werk 7760 mit Hand­auf­zug vor und mo­di­fi­zier­te es, in­dem es den Zwölf-stun­denZäh­ler wie beim Vor­bild we­g­ließ. Ob­wohl das Val­joux 7760 mit 13 Li­ni­en klei­ner war als das 15-li­ni­ge Urofa 59, sah der neue Flie­ger Klas­sik Chro­no­graph, den Tutima 1994 vor­stell­te, dem Ori­gi­nal täu­schend ähn­lich. Dies­mal stell­te sich der Er­folg so­fort ein, und die Uhr wur­de zum Lieb­ling der Pres­se. Ute Dele­ca­te: „Da­mals wur­de viel über das Come­back der Mecha­nik ge­schrie­ben. Und im­mer nahm man un­se­ren Chro­no­gra­phen als Bei­spiel.“

Der Flie­ger­chro­no­graph avan­cier­te zum Ge­sicht Tu­ti­mas. Und Dele­ca­te bau­te die Li­nie aus: Es folg­ten die Flie­ger­chro­no­gra­phen F2 (mit dem au­to­ma­ti­schen Chro­no­gra­phen­ka­li­ber Val­joux 7750 so­wie drei Hilfs­zif­fer­blät­tern) und F3 (mit Le­ma­nia 5100), au­ßer­dem gab es Nicht­chro­no­gra­phen wie die Flie­ger Au­to­ma­tik und die Flie­ger GMT.

In den Fol­ge­jah­ren reis­te die Fa­mi­lie Dele­ca­te im­mer wie­der nach Glas­hüt­te und wur­den Zeu­ge, wie das Erz­ge­birgs­städt­chen Schritt für Schritt sei­nen Sta­tus als das deut­sche Zen­trum für hoch­wer­ti­ge Mecha­nik­uh­ren zu­rücker­lang­te. Es war nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis sie selbst Tutima wie­der nach Glas­hüt­te brin­gen wür­den. Bei ei­nem Be­such im Jahr 2005 fuhr sie ein Im­mo­bi­li­en­mak­ler durch die Stadt. Da­bei pas­sier­ten sie ein Ge­bäu­de in der Nä­he des Bahn­hofs mit ei­nem gro­ßen Schild, auf dem stand: „Ich könn­te Ih­nen ge­hö­ren!“

Dele­ca­te kauf­te das Haus. 2008 gab es dort be­reits 20 Be­schäf­tig­te. Und am 12. Mai 2011 er­öff­ne­te Dele­ca­te of­fi­zi­ell das neue Tutima-ma­nu­fak­tur­ge­bäu­de in Glas­hüt­te. Zu die­sem An­lass prä­sen­tier­te er auch die ers­te Arm­band­uhr mit Mi­nu­ten­re­pe­ti­ti­on in der Ge­schich­te der deut­schen Uhr­ma­che­rei. Das Hand­auf­zugs­ka­li­ber 800, das aus mehr als 550 Ein­zel­tei­len be­steht, wur­de be­reits in der neu­en Ma­nu­fak­tur ent­wi­ckelt und her­ge­stellt. Dele­ca­te woll­te, dass die ers­te in Glas­hüt­te ge­fer­tig­te Tutima der Neu­zeit der Ge­schich­te der Stadt als „deut­sches Uh­ren­mek­ka“ge­wid­met sein soll­te. Ins­ge­samt pro­du­zier­te man 25 Stück, 20 Ex­em­pla­re in Ro­sé­gold und fünf in Pla­tin.

Seit­her hat Dele­ca­te die ge­sam­te Uh­ren­fer­ti­gung Tu­ti­mas nach Glas­hüt­te ver­legt und dort ei­ne zwei­te Pro­duk­ti­ons­stät­te er­rich­tet. Nur ein klei­ner tech­ni­scher Stab ist in Gan­der­ke­see ver­blie­ben. Heu­te gibt es vier neue Kol­lek­tio­nen „Ma­de in Glas­hüt­te“, al­le mit Wer­ken, die ent­we­der kom­plett in der Ma­nu­fak­tur ent­stan­den sind oder dort mo­di­fi­ziert wur­den. Die Li­nie Sa­xon One be­steht aus sport­lich-ele­gan­ten Uh­ren und reicht vom Au­to­ma­tik­mo­dell mit Eta-ba­sis­ka­li­ber (ab 1590 Eu­ro) bis zum Chro­no­gra­phen mit um­ge­bau­tem Val­joux 7750 (Ka­li­ber 521, zen­tra­ler Mi­nu­ten­zäh­ler, 4900 Eu­ro).

Die Li­nie M2 ist Tu­ti­mas Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des Bun­des­wehr­chro­no­gra­phen (4500 bis 5200 Eu­ro),

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.