WELT­RE­KORD MIT ANSAGE

Chronos - - Editorial -

ES WAR EIN WELT­RE­KORD MIT ANSAGE. Als im Früh­jahr be­kannt wur­de, dass das Auk­ti­ons­haus Phil­lips im Ok­to­ber in New York nicht nur ei­ne Ro­lex Day­to­na „Paul New­man“ver­stei­gern wür­de, son­dern noch da­zu ei­ne, die dem Film­star selbst ge­hört hat, muss­te man mit ei­nem re­kord­ver­däch­ti­gen Ver­kaufs­preis rech­nen. Nach zwölf­mi­nü­ti­gem Bie­ter­ge­fecht fiel der Ham­mer, und zwar zu ei­nem Preis, der nie zu­vor für ei­ne Arm­band­uhr ge­zahlt wur­de: 17,7 Mil­lio­nen Us-dol­lar. Da­mit ließ sie so­wohl die bis­her teu­ers­te Arm­band­uhr der Welt, ei­ne Pa­tek Phil­ip­pe Ref. 1518 in sel­te­nem Stahl­ge­häu­se (2016 bei Phil­lips, gut elf Mil­lio­nen Fran­ken), hin­ter sich als auch die bis­her teu­ers­te Ro­lex „Bao Dai“(Mai 2017 bei Phil­lips, über fünf Mil­lio­nen Fran­ken).

Glei­che Stadt, an­de­re Sze­ne: Drei Wo­chen spä­ter ver­stei­ger­te Chris­tie’s in New York das teu­ers­te Ge­mäl­de der Welt. Wie­der ein Bie­ter­ge­fecht über Te­le­fon, dies­mal über 19 Mi­nu­ten. Für „Sal­va­tor Mun­di“, ein erst vor kur­zem ent­deck­tes, be­schä­dig­tes Bild aus der Werk­statt Leo­nar­do da Vin­cis, be­zahl­te ein – wie im Fall der Ro­lex un­be­kann­ter – En­thu­si­ast 450 Mil­lio­nen Dol­lar: zwei­ein­halb­mal so viel wie für das bsiehr teu­ers­te Ge­mäl­de „Les femmes d’al­ger“von Pi­cas­so, für das 2015 fast 180 Mil­lio­nen Dol­lar be­zahlt wur­den.

Ei­ne zu­fäl­li­ge Ko­in­zi­denz? Ins Au­ge sticht, dass all die­se Re­kor­de in den letz­ten Jah­ren, ja Mo­na­ten auf­ge­stellt wur­den. Der Hy­pe lässt die Su­per­rei­chen die­ser Welt im­mer neue Gren­ze spren­gen. Ob es hier noch dar­um geht, die ei­ge­ne Samm­lung zu ver­edeln, scheint frag­lich. Viel­mehr scheint das Bre­chen von Re­kor­den, das Be­sit­zen­wol­len von et­was Uner­reich­ba­rem, die De­mons­tra­ti­on von Po­tenz ei­nen star­ken An­trieb zu bil­den.

So un­ter­schied­lich die Ob­jek­te der Be­gier­de sind, so gibt es doch Par­al­le­len: die Be­rühmt­heit des Künst­lers be­zie­hungs­wei­se des Trä­gers, die Sel­ten­heit des Ob­jekts so­wie ei­ne ge­wis­se Pro­fa­ni­tät: Beim Ge­mäl­de ist nicht si­cher, ob Leo­nar­do es wirk­lich selbst ge­malt hat, und die Ro­lex ist ein „nor­ma­ler“Chronograph, kei­ne gro­ße Kom­pli­ka­ti­on.

Was die Uh­ren­sze­ne an­geht, mag es über­ra­schen, dass sich die Prei­se für ein­zel­ne, her­aus­ra­gen­de Spit­zen­pro­duk­te im­mer wei­ter nach oben be­we­gen, ob­wohl die Lu­xus­uh­ren­in­dus­trie als Gan­zes zwei kri­sen­haf­te Jah­re hin­ter sich hat, in de­nen vie­le Ma­ken über­höh­te Prei­se kor­ri­gie­ren muss­ten. Ganz oben aber, das hat sich ge­zeigt, funk­tio­niert die Lu­xus­uhr als Ob­jekt der Be­gier­de im­mer bes­ser. Es wä­re kein Wun­der, wenn die Prei­se in ge­wis­sen Re­gio­nen bald wie­der an­zie­hen wür­den.

Rü­di­ger Bu­cher, Chef­re­dak­teur

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