TEST OME­GA

Die Speedmaster Racing Mas­ter Chro­no­me­ter zeigt im Test, was sie kann – und was nicht.

Chronos - - Nhalt - TEXT ALEX­AN­DER KRUPP FO­TOS NIK SCHÖL­ZEL

SCHÖN UND GUT: DAS AMA­GNE­TI­SCHE, BE­SON­DERS GANGGENAUE MA­NU­FAK­TUR­KA­LI­BER 9900.

SIE KEN­NEN es si­cher: Ein ge­lieb­ter Mensch kann nichts falsch ma­chen. Sie mö­gen es, wie er aus­sieht, wie er sich an­fühlt, wie er sich ver­hält. Und klei­ne Ab­wei­chun­gen vom Ide­al, wie die win­zi­ge Zahn­lü­cke oder das Mut­ter­mal auf der Schul­ter, sind in Ih­ren Au­gen kei­ne Ma­kel, son­dern die Abrun­dung des ge­lun­ge­nen Ge­samt­pa­kets.

Manch­mal fühlt es sich mit ei­ner gu­ten Uhr ge­nau­so an. Wir mö­gen ihr Aus­se­hen eben­so wie das Ge­fühl am Arm, und im bes­ten Fall be­geis­tert uns auch noch ihr Gang­ver­hal­ten. Dass viel­leicht die Zei­ger ein we­nig zu schmal und die Ska­len et­was über­la­den wir­ken, stört nicht, son­dern er­in­nert uns höchs­tens dar­an, dass nicht Per­fek­ti­on, son­dern Emo­ti­on das Ziel ist.

Da­mit ist be­reits viel über die Ome­ga Speedmaster Racing ge­sagt. Ei­ne Men­ge Gu­tes und im Grun­de schon al­les, was man be­män­geln könn­te. Die Uhr über­zeugt auf gan­zer Li­nie: Ihr sport­lich-ele­gan­tes De­sign bie­tet Span­nung, oh­ne zu sehr zu po­la­ri­sie­ren; die Aus­stat­tung ist hoch­wer­tig, oh­ne den Preis in die Hö­he zu trei­ben; und die Werk­tech­nik lässt sich mit Fug und Recht als ge­ni­al be­zeich­nen.

At­trak­ti­ves De­sign

Wie uns ei­ne Per­son in den al­ler­meis­ten Fäl­len zu­erst op­tisch auf­fällt und an­zieht, so ent­fal­tet auch die Speedmaster Racing auf die­sem We­ge ei­ne be­son­ders star­ke Wir­kung. Die hier ge­tes­te­te Ver­si­on mit ge­die­ge­nem Zif­fer­blatt und Arm­band so­wie sport­li­cher Lü­net­te und Zei­gern er­in­nert an ei­ne jun­ge oder jung ge­blie­be­ne Frau, die elegante Ober­tei­le stilvoll mit Used-loo­kJe­ans kom­bi­niert.

Sport­lich ist auch die in­di­vi­du­ell ge­stal­te­te Mi­nu­ten­ska­la am Zif­fer­blatt­rand, die das Haupt­merk­mal des so­ge­nann­ten Racing Di­al dar­stellt. Zif­fer­blät­ter mit der­art nach oben und un­ten ver­setz­ten Teil­se­kun­den­stri­chen, die an die Ziel­flag­ge im Renn­sport er­in­nern sol­len, gab es bei Ome­ga erst­mals 1968. Be­rühmt­heit er­lang­ten sie ab 1969, dem Jahr der Mond­lan­dung, in dem Ome­ga die Mark II als mo­der­ne Wei­ter­ent­wick­lung sei­ner be­lieb­ten Speedmaster vor­stell­te. Die Mark II ließ die Bie­ler Mar­ke 2014 wie­der­auf­er­ste­hen, und 2017 er­schien schließ­lich die hier ge­tes­te­te Speedmaster Racing Mas­ter Chro­no­me­ter.

Mo­der­nes Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber

Die letz­ten bei­den Na­mens­be­stand­tei­le ste­hen für ein Ome­ga-uhr­werk der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on und ver­ei­nen di­ver­se Qua­li­täts­merk­ma­le und Zer­ti­fi­ka­te. Tat­säch­lich bie­tet das Ma­nu­fak­tur-chro­no­gra­phen­ka­li­ber 9900 so vie­le tech­ni­sche Vorzüge, dass es schwer fällt, sie zu­sam­men­zu­fas­sen. Es läuft ex­trem prä­zi­se dank

der Ome­ga-ei­ge­nen Co-axial-hem­mung mit be­son­ders kom­plex ge­form­tem An­ker und An­ker­rad. Es hält mit­hil­fe zwei­er in Se­rie ge­schal­te­ter Fe­der­häu­ser oh­ne neue Ener­gie­zu­fuhr 60 St­un­den lang durch. Es ist ver­schleiß­arm dank Si­li­zi­um­spi­ra­le, Dlc-be­schich­te­ten Fe­der­häu­sern, neu be­rech­ne­ten Ver­zah­nun­gen, Spe­zi­al­fet­ten und Ro­tor mit Ke­ra­mik­gleit­la­ger. Und es bleibt durch die Ver­wen­dung aus­schließ­lich ama­gne­ti­scher Ma­te­ria­li­en von al­len er­denk­li­chen Ma­gnet­fel­dern, die im All­tag auf­tre­ten kön­nen, völ­lig un­be­ein­druckt.

Da­mit die Ka­li­ber von Ome­ga auch op­tisch so­fort ih­ren Aus­nah­me­sta­tus demonstrieren, geht die Bie­ler Mar­ke – seit der Ein­füh­rung der Ma­nu­fak­tur­li­nie im Jahr 2007 – auch bei der Ver­zie­rung ei­ge­ne We­ge: Der Ro­tor so­wie die bo­den­sei­ti­gen Brü­cken sind nicht nur rho­di­niert, son­dern auch mit ei­nem be­son­de­ren Zier­schliff na­mens „Cô­tes de Genè­ve en Ar­a­bes­que“ver­ziert. Die Brü­cken be­sit­zen dar­über hin­aus ge­bro­che­ne und po­lier­te Kan­ten. Sie wer­den von ge­schwärz­ten Schrau­ben ge­hal­ten, die farb­lich zur Un­ruh und den bei­den am Wer­krand er­kenn­ba­ren Fe­der­häu­sern pas­sen. Des Wei­te­ren tra­gen die Brü­cken und der Ro­tor Gra­vu­ren, die un­ge­wöhn­li­cher­wei­se mit ro­tem Lack aus­ge­legt sind.

Hoch­wer­ti­ges Ge­häu­se

Man be­den­ke: All die ge­nann­ten Tech­ni­ken und Ver­zie­run­gen gibt es in ei­nem sehr sau­ber ver­ar­bei­te­ten Edel­stahl­ge­häu­se mit Ke­ra­mik­lü­net­te und zwei ge­wölb­ten Sa­phirglä­sern für 7700 Eu­ro. Auch hier hat Ome­ga – mit Un­ter­stüt­zung des Mut­ter­kon­zerns Swatch Group – ei­ni­gen Ent­wick­lungs­auf­wand be­trie­ben: Die Ta­chy­me­ter­ska­la auf der Lü­net­te be­steht aus dem pa­ten­tier­ten Werk­stoff Li­quid­me­tal. Die­ser wird in ge­schmol­ze­nem Zu­stand in die da­für vor­ge­se­he­nen Ein­frä­sun­gen ge­gos­sen und nach dem Aus­här­ten an der Ober­sei­te eben ge-

schlif­fen. Weil die Ke­ra­mik ei­ne hö­he­re Ober­flä­chen­här­te be­sitzt, trägt sie da­bei kei­ne Schä­den da­von. So er­zielt Ome­ga ei­ne völ­lig glat­te Lü­net­ten­ska­la, die gleich­zei­tig aus po­lier­ter Ke­ra­mik und mat­tier­tem Me­tall be­steht.

Wenn man bei dem hoch­wer­ti­gen, kom­plex ge­form­ten, teils po­lier­ten, teils sa­ti­nier­ten Ge­häu­se ein Haar in der Sup­pe sucht, fin­det man höchs­tens die stark ver­senkt lie­gen­de Kro­ne, die sich nur mit be­herz­tem Ein­satz des Fin­ger­na­gels zie­hen lässt. Hier hät­te sich ei­ne Schraub­kro­ne an­ge­bo­ten, die sich beim En­trie­geln durch Fe­der­kraft vom Ge­häu­se weg be­wegt. So hät­te Ome­ga viel­leicht auch die Was­ser­dicht­heit von ge­rin­gen fünf Bar stei­gern kön­nen.

Ho­her Kom­fort

Die Drü­cker hin­ge­gen las­sen sich ein­wand­frei be­die­nen: Sie be­nö­ti­gen et­was Kraft, aber die Druck­punk­te sind gut ge­wählt und er­freu­li­cher­wei­se bei bei­den Be­dien­ele­men­ten gleich. Ge­nau­so kom­for­ta­bel ist die Nut­zung der ein­sei­tig klap­pen­den Si­cher­heits­falt­schlie­ße. Das sta­bi­le und funk­tio­na­le Bau­teil, mit dem sich die Band­län­ge ein­fach jus­tie­ren lässt, run­det den gu­ten Ein­druck des hoch­wer­ti­gen Kalbs­le­der­bands wie auch der gan­zen Uhr an­ge­nehm ab.

Der Test zeigt: Die Speedmaster Racing ist durch­aus in der La­ge, die Lie­be ei­nes Uh­ren­en­thu­si­as­ten zu ge­win­nen. Die­ser wird die neue Li­ai­son si­cher ge­nie­ßen und kaum je­mals von sei­ner neu­en Be­glei­te­rin ent­täuscht sein. [3512]

SI­CHER UND KOM­FOR­TA­BEL: DIE EIN­SEI­TIG KLAPPENDE FALTSCHLIESSE MIT ÖFFNUNGSDRÜCKERN.

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