WIL­DE ZEI­TEN

Chronos - - Kleine Uhren -

In den sech­zi­ger und sieb­zi­ger Jah­ren wa­ren Renn­fah­rer ech­te Drauf­gän­ger, die ih­re Lei­den­schaft für Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten und ih­ren ab­so­lu­ten Sie­ges­wil­len nicht sel­ten mit dem Le­ben be­zahl­ten. Eben­so er­ging es zwei be­rühm­ten Au­ta­vi­aTrä­gern: Der For­mel-1- und Langstre­cken­pro­fi Jo Sif­fert starb 1971 auf dem For­mel-1-par­cours im bri­ti­schen Brands Hatch, und der mehr­ma­li­ge For­mel-1-grand-prix-sie­ger Jo­chen Rindt ver­un­glück­te beim Trai­ning zum Gro­ßen Preis von Ita­li­en im Jahr 1970. Rindts per­sön­li­che Au­ta­via – ei­ne Re­fe­renz 2446 der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on aus dem Jahr 1966 – dien­te als Vor­bild für die heu­ti­ge Neu­auf­la­ge. Sif­fert und Rindt ste­hen für ei­ne Ge­ne­ra­ti­on von Renn­fah­rern, die der Au­ta­via wie auch vie­len an­de­ren Heu­erMo­del­len zu ih­rem Ruhm als ech­te (Mo­tor-)sportuh­ren ver­hal­fen.

Wie die Be­die­nung von Lü­net­te und Kro­ne be­we­gen sich auch die rest­li­chen Nut­zungs­ei­gen­schaf­ten auf ei­nem or­dent­li­chen Ni­veau: Das mit­tel­gro­ße Ge­häu­se im 42-Mil­li­me­ter-for­mat so­wie das ge­schmei­di­ge sie­ben­rei­hi­ge Edel­stahl­band lie­gen sehr gut am Hand­ge­lenk, und die sta­bi­le Falt­schlie­ße lässt sich dank ih­rer ein­sei­tig klap­pen­den Kon­struk­ti­on und ei­nes sau­ber funk­tio­nie­ren­den Ver­schlus­ses mit zwei Si­cher­heits­drü­ckern kom­for­ta­bel öff­nen und schlie­ßen.

Leucht­mas­se ist auf den zen­tra­len Zei­gern und den St­un­den­in­de­xen vor­han­den, wo­bei die nach­leuch­ten­den Flä­chen auf den St­un­den­mar­kern recht klein aus­fal­len. Die Leucht­mas­se ist tags­über bei­ge­braun, was den Re­tro­an­spruch des Chro­no­gra­phen noch un­ter­streicht; nachts leuch­ten die Flä­chen grün. Am Tag las­sen sich Uhr­zeit und Chro­no­graph in den meis­ten Licht­si­tua­tio­nen gut ab­le­sen. Nur die de­zent in die klei­ne Se­kun­de in­te­grier­te Da­tums­an­zei­ge ist sehr klein und mit ge­rin­ger Strich­stär­ke be­druckt. Das ist gut fürs De­sign, aber schlecht für den Trä­ger – falls die­ser eben­falls ein Mitt­fünf­zi­ger ist und schon ein paar Pro­zent sei­ner Seh­fä­hig­keit ein­ge­büßt hat.

Ge­nau­so wie die Nut­zungs­ei­gen­schaf­ten über­zeugt das Gang­ver­hal­ten: Die elek­tro­ni­sche Zeit­waa­ge er­mit­tel­te ei­nen durch­schnitt­li­chen Vor­gang von nur drei Se­kun­den pro Tag, und die Ein­zel­wer­te sind er­freu­li­cher­wei­se mit aus- und ein­ge­schal­te­tem Chro­no- gra­phen iden­tisch. Letz­te­res ist auf die beim Chro­no­gra­phen­start nicht ab­fal­len­de Am­pli­tu­de zu­rück­zu­füh­ren. Und dass die Schwin­gungs­wei­te der Un­ruh bei ei­ner Kurz­zeit­mes­sung ge­nau­so hoch ist wie im Nor­mal­be­trieb, deu­tet sei­ner­seits auf ei­ne per­fek­te Be­rech­nung des Kraft­flus­ses hin. Der Tra­ge­test be­stä­tig­te die elek­tro­ni­sche Mes­sung mit täg­li­chen Ab­wei­chun­gen zwi­schen ei­ner und vier Se­kun­den. Für die Ab­zü­ge im stren­gen Chro­no­sPunk­te­sche­ma ist aus­schließ­lich die ma­xi­ma­le La­gen­ab­wei­chung von acht Se­kun­den ver­ant­wort­lich.

Üb­ri­gens hält die Uhr das Gang­ver­spre­chen von 80 St­un­den lo­cker ein: Im Test lag sie über ein lan­ges Wo­che­n­en­de im Tre­sor und blieb erst nach 87,5 St­un­den ste­hen.

Die ge­mein­sa­me Zeit wäh­rend der Test­pha­se fes­tig­te den gu­ten Ein­druck, den der Kan­di­dat schon bei der ers­ten Be­geg­nung hin­ter­las­sen hat: Er ist reif, at­trak­tiv und ver­nünf­tig. Der Test zeigt aber auch: Ein paar klei­ne Ma­cken sind ge­blie­ben be­zie­hungs­wei­se im Al­ter hin­zu­ge­kom­men. Un­ser Mitt­fünf­zi­ger ist al­so nicht per­fekt, son­dern ein ech­ter Cha­rak­ter. [3716]

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