TEST BELL & ROSS

Die zur­zeit ein­zi­ge Taucheruhr von Bell & Ross ad­ap­tiert das für die Mar­ke ty­pi­sche qua­dra­ti­sche Ge­häu­se auf span­nen­de Wei­se neu. Das Bes­te da­bei: Trotz der Son­der­form hält die BR 03-92 Di­ver bis 300 Me­ter dicht.

Chronos - - Inhalt - TEXT ALEX­AN­DER KRUPP FO­TOS BELL & ROSS

Die BR 03-92 Di­ver ist ei­ne der we­ni­gen qua­dra­ti­schen Taucheruhren am Markt. Was kann sie?

„EI­NE ECKIGE Taucheruhr? Das ist doch Un­sinn!“So oder ähn­lich könn­ten Tech­nik­freaks re­agie­ren, die wissen, dass sich ein ecki­ges Ge­häu­se schwe­rer ab­dich­ten lässt als ein run­des. Bell & Ross hat es aber ge­schafft, die mar­ken­ty­pi­sche qua­dra­ti­sche Scha­le so zu kon­stru­ie­ren, dass die Uhr dem Prüf­druck von 30 Bar – plus 25 Pro­zent Si­cher­heits­re­ser­ve – stand­hält. Die Tech­nik: ei­ne ver­schraub­te Kro­ne, ein mit 2,85 Mil­li­me­tern ex­tra­di­ckes Sa­phirglas und vier mas­si­ve Schrau­ben, die das Ge­häu­se­ober­teil mit dem Mit­tel­teil und dem 2,8 Mil­li­me­ter di­cken Stahl­bo­den ver­bin­den. Das Er­geb­nis: ein tol­ler Look mit run­der schwar­zer Drehlünette auf ei­nem ecki­gen Edel­stahl­ge­häu­se.

Tau­cher dür­fen sich auch über die stim­mi­ge Gestal­tung der An­zei­gen freu­en: Al­les Wich­ti­ge leuch­tet im Dun­keln stark – vom Null­punkt auf der Lü­net­te über die auf­ge­setz­ten In­de­xe bis hin zum wich­ti­gen Mi­nu­ten­zei­ger so­wie dem Se­kun­den­zei­ger, der zeigt, ob die Uhr noch läuft. Nur der oran­ge­far­be­ne St­un­den­zei­ger bleibt in dunk­len Tie­fen un­be­leuch­tet, um den Tau­cher nicht von den es­sen­zi­el­len In­for­ma­tio­nen ab­zu­len­ken.

Zei­ger und In­de­xe sind sehr gut ver­ar­bei­tet und tra­gen zum hoch­wer­ti­gen Ge­samt­ein­druck der Te­stuhr bei. Das­sel­be gilt für das sta­bi­le, fa­cet­ten­rei­che Ge­häu­se – mit ei­ner Aus­nah­me, die die Freu­de des Tau­chers trübt: Die Lü­net­te trägt ei­ne Ska­la aus Alu­mi­ni­um statt aus kratz­fes­ter Ke­ra­mik und lässt sich dar­über hin­aus über dem ecki­gen Ge­häu­se be­reits oh­ne Tauch­hand­schu­he ex­trem schwer dre­hen.

Die­sem Wer­muts­trop­fen steht ein kom­plex ge­stal­te­tes, ex­tra­brei­tes Kaut­schuk­band ge­gen­über, das in ei­ner groß­for­ma­ti­gen, for­men­rei­chen Dorn­schlie­ße en­det. Am Ge­häu­se ist das Arm­band durch ei­nen di­cken Steg und so­li­de In­bus­schrau­ben be­fes­tigt, so­dass ein Ver­lie­ren der Uhr selbst dann höchst un­wahr­schein­lich ist, wenn man mit ihr an Koral­len oder der Tauch­aus­rüs­tung hän­gen bleibt.

Mit dem Kaut­schuk­band kann man üb­ri­gens nur in war­mem Was-

ser tau­chen. In küh­le­ren Re­vie­ren, wo die Uhr über dem Neo­pren­an­zug oder gar Hand­schu­hen ge­tra­gen wird, kommt ein mit­ge­lie­fer­tes ex­tral­an­ges Tex­til­band mit Klett­ver­schluss zum Ein­satz.

Werk we­ni­ger wert

We­ni­ger Wert als bei den äu­ße­ren Kom­po­nen­ten legt Bell & Ross auf das Uhr­werk, das oh­ne­hin hin­ter mas­si­vem Stahl liegt. Es han­delt sich um das Groß­se­ri­en­ka­li­ber Eta 2892 in der schlich­tes­ten von drei Qua­li­täts­stu­fen na­mens „Ela­bo­ré“. Schlicht be­deu­tet: ver­gol­de­te Ni­cke­l­un­ruh statt Glu­cy­dur und Re­gu­lie­rung durch die Eta in vier statt fünf La­gen. Zu­dem wählt Bell & Ross als Ver­zie­rung le­dig­lich de­zen­te Schlif­fe und ei­ne Gra­vur des Mar­ken­lo­gos auf dem Ro­tor.

Die ein­fa­che Ver­ar­bei­tungs­stu­fe ist auch bei hoch­wer­ti­gen Uh-

ren durch­aus gän­gig und an sich noch kein Nach­teil – wä­ren da nicht die schlech­ten Gan­g­er­geb­nis­se der Te­stuhr: Ihr im­men­ser Nach­gang von durch­schnitt­lich 17,5 Se­kun­den pro Tag sorgt da­für, dass man der Rea­li­tät schon nach vier Ta­gen mehr als ei­ne Mi­nu­te hin­ter­her­hinkt. Das ist in­ak­zep­ta­bel, selbst für ei­ne me­cha­ni­sche Uhr, der man man­geln­de Prä­zi­si­on viel leich­ter ver­zeiht als ei­nem elek­tro­ni­schen Zeit­mes­ser. Der mehr­wö­chi­ge Tra­ge­test be­stä­tig­te das Er­geb­nis der elek­tro­ni­schen Mes­sung: Hier lag der Nach­gang pro Tag zwi­schen 14 und 20 Se­kun­den.

Trost spen­det die Tat­sa­che, dass die ein­zel­nen La­gen „nur“zehn Se­kun­den aus­ein­an­der lie­gen, wes­halb ein ver­sier­ter Uhr­ma­cher den Gang mit we­ni­gen Hand­grif­fen auf ei­nen pas­sa­blen Stand brin­gen könn­te. Da­zu müss­te der Käu­fer die Uhr aber noch ein­mal aus der Hand ge­ben, was er nor­ma­ler­wei­se lie­ber ver­mei­det.

Der Ap­pell an Bell & Ross lau­tet da­her, die Uh­ren ge­nau­so per­fekt zu re­gu­lie­ren, wie sie an­sons­ten kon­trol­liert wer­den. Beim Test­modell ist die rest­li­che Qua­li­täts­si­che­rung näm­lich ein­wand­frei ver­lau­fen, wie der gu­te Zu­stand des hoch­wer­ti­gen Tauch­be­glei­ters be­weist. Mit der BR 03-92 Di­ver be­wegt man sich gern über und un­ter Was­ser. Denn Ecken und Kanten be­sitzt die Uhr nur im De­sign, nicht in der Ver­ar­bei­tung. [4258]

Je nach An­lass: Im All­tag trägt man die Uhr am Kaut­schuk­band, beim Tau­chen am mit­ge­lie­fer­ten Tex­til­band mit Klett­ver­schluss

So­li­de Kon­struk­ti­on: Der Bo­den ist mit Mit­tel- und Ober­teil durch vier star­ke Schrau­ben ver­bun­den. Da­hin­ter tickt ein schlicht ver­zier­tes Eta 2892

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.